Abgeordnete im Kreis SIG: Die ambulant medizinische Versorgung soll ausgebaut werden

Abgeordnete im Kreis SIG: Die ambulant medizinische Versorgung soll ausgebaut werden
Die Landtagsabgeordneten Andrea Bogner Unden (Grüne) und Klaus Burger (CDU) wollen sich für eine deutliche Stärkung der ambulanten Strukturen im Kreis einsetzen. (Bilder: Dennis Williamson//CDU-Landtagsfraktion)

Freier Redakteur
E-Mail senden

Die Würfel sind gefallen, die große Mehrheit des Sigmaringer Kreistages hat, die in den Gutachten empfohlene Schließung der Klinikstandorte Bad Saulgau und Pfullendorf durchgewunken. Nun stellt sich die Frage, wie in den betroffenen Raumschaften schnellstmöglich ambulante Strukturen aufgebaut werden können, um eine gute medizinische Versorgung zu etablieren.

Wir fragten bei MdL Andrea Bogner-Unden (Bündnis90/Die Grünen) und MdL Klaus Burger (CDU) nach, welche Lösungsansätze sie sehen und welche Zeiträume vorstellbar sind.

Frau Bogner-Unden, Herr Burger, auch in Riedlingen wurde das Kreis-Krankenhaus geschlossen. Jetzt erst, rund 10 Jahren nach dem Schließungsbeschluss, ist zum Ende des Jahres mit der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts des AMD (Ambulant Medizinischen Zentrums) ein Teilerfolg bei der ambulanten Versorgung absehbar. Welchen Zeitraum veranschlagen Sie für einen adäquaten Aufbau ambulanter Strukturen in Bad Saulgau und Pfullendorf?

Bogner-Unden: Es ist eine wichtige Nachricht, dass SRH bereit ist, das MVZ (Medizinische Versorgungszentrum) der Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH in Bad Saulgau weiter zu betreiben, auszubauen und dies als gemeinschaftliche Aufgabe versteht. Ergänzend braucht es von allen Beteiligten (Kreis, Kommunen, Ärzteschaft) ernsthafte und gemeinschaftliche Anstrengungen, diese ambulante Versorgung sicher zu stellen und auszubauen.

Klaus Burger: Die Einrichtung bzw. der Ausbau der MVZs oder von Primärversorgungszentren darf natürlich nicht zu einer Hängepartie werden. Der Landkreis ist sich dieser Verantwortung mehr als bewusst und ich rechne noch in diesem Jahr mit ersten Entscheidungen im Hinblick auf konkrete Maßnahmen. Die Ausschreibung der Förderung von Primärversorgungszentren, für die ich mich auch im Landtag eingesetzt habe, ist ja bereits erfolgt und auch das Land ist sich seiner besonderen Verantwortung für die Standorte bei uns im Kreis bewusst.

In Riedlingen kämpfen die Verwaltung und der Krankenhausförderverein u. a. für die Genehmigung von Arzt-Sitzen (Innere Medizin). Das Problem ist die fehlende Zustimmung der niedergelassenen Kollegen. Haben Sie Sorge, dass solche Probleme den Aufbau ambulanter Strukturen zeitlich verzögern? Welcher Ausgleich zur ambulanten Versorgung kann der betroffenen Bevölkerung ggf. in der Interimszeit angeboten werden?

Bogner-Unden: Alle Beteiligten stehen gemeinsam in der Verantwortung, für den Landkreis Sigmaringen eine gute ärztliche Versorgung zu gewährleisten. Auch unsere Ärzteschaft sollte hier mit daran arbeiten, wohlwollend im Miteinander Lösungen zu erarbeiten. Wenn das gelingt, habe ich keine Sorge für den Aufbau von ambulanten Strukturen.

Nach Information von Dr. Johannes Fechner (kassenärztlichen Vereinigung) kommt eine Sonderbedarfszulassung für einen Chirurgen in Bad Saulgau in Betracht, wenn regelmäßig (Not-) Fälle anfallen. Diese Zulassung in Verbindung mit einem Primärversorgungszentrum sehe ich definitiv als Chance. Das Land reicht dafür unseren Kommunen und dem Landkreis mit dem Förderaufruf für den Aufbau von Primärversorgungszentren die Hand.

Burger: Ich gehe davon aus, dass mit einer engen Zusammenarbeit von Kassenärztlicher Vereinigung, Kreisärzteschaft und Landkreis hier gute Lösungen gefunden werden können. Auch die SRH hat ihre Unterstützung auch für den ambulanten Bereich zugesagt, obwohl dies nicht zu ihren Aufgaben gehört. Wenn hier alle zusammenhelfen – und hier wurde vergangene Woche ja bereits ein erster Schritt gemacht – dann werden wir zu Lösungen kommen. Die ambulante Versorgung betrifft ja auch andere Bereiche unseres Landkreises, deswegen haben wir als CDU-Kreistagsfraktion ja auch darauf gedrängt, dass im Rahmen der Gesundheitskonferenz Vorschläge zur Verbesserung in allen Verwaltungsräumen entwickelt werden. Hier sind auch genossenschaftliche Hausarztmodelle denkbar, die derzeit noch ein Modell-Projekt des Kabinettsausschusses Ländlicher Raum sind. Hier müssen wir die Fördermittel hin zu einer strukturellen Förderung verstetigen und die Zugangsvoraussetzungen absenken – dafür werde ich mich weiter einsetzen.

Haben Sie Verständnis dafür, dass die Bevölkerung in den betroffenen Raumschaften „sauer“ ist.

Bogner-Unden: Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass die Bevölkerung in Bad Saulgau und Pfullendorf eine gewisse Unsicherheit in sich tragen. Doch uns allen muss klar sein, dass alle stationären Leistungen, die bisher in Pfullendorf oder Bad Saulgau erbracht wurden, auch künftig am Krankenhausstandort in Sigmaringen erbracht werden können. Die größte Aufgabe steht uns allen noch bevor, nämlich die haus- und fachärztliche Versorgung gemeindenah und vernetzt mit anderen Gesundheitsberufen zu sichern.

Burger: Selbstverständlich verstehe ich den Unmut in der Raumschaft, denn es ist schwer zu akzeptieren, dass aufgrund der Entwicklungen im Gesundheitswesen Strukturen, die vorhanden waren und die man auch gewohnt war, nun verändert werden, ohne dass bereits etwas Neues entstanden ist und neue Strukturen in der Nachfolge geschaffen wurden. Das führt zu Verunsicherung. Wir alle hatten lange, vielleicht zu lange, gehofft, dass wir derartige Entscheidungen nicht würden treffen müssen. Trotzdem bin ich überzeugt, dass etwas Gutes entstehen kann und die Menschen im gesamten Kreis auch weiterhin eine gute medizinische Versorgung haben werden. Das Land hat seine Aufgaben und ist auch bereit zu unterstützen. Aber auch der Bund ist hier gefordert, entsprechende Entscheidungen zu treffen.