Streit um die Dornierstraße Ohne Aesculap-Neubau drohen Tuttlingen 250 Jobs

Ohne Aesculap-Neubau drohen Tuttlingen 250 Jobs
Kontroverse Diskussion: OB Michael Beck bei der Info-Veranstaltung in Möhringen. (Bild: Arno Specht / Stadt Tuttlingen)
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Hunderte Besucher diskutierten in Tuttlingen emotional über die Pläne für die Dornierstraße. Ohne Logistikausbau könnten 250 Arbeitsplätze wegfallen.

Bei der Informationsveranstaltung am Dienstag in der Angerhalle erläuterten Oberbürgermeister Michael Beck und Vertreter von B. Braun Aesculap die Planungen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich die geplante Erweiterung des Unternehmens mit der Dornierstraße und den Interessen der Anwohner vereinbaren lässt.

„Wir müssen alles dafür tun, dass Arbeitsplätze in der Stadt erhalten bleiben – darin sehe ich eine meiner wichtigsten Aufgaben“, sagte Beck. Gerade in Zeiten, in denen Konzerne wie Audi, Bosch, VW oder Porsche Tausende Arbeitsplätze abbauten und ganze Werke schlössen, gelte dies besonders.

Beck erinnerte auch an die Vorgeschichte und die von ihm eingerichtete Arbeitsgruppe. Deren Aufgabe sei es gewesen, in Ruhe über mögliche Lösungen nachzudenken. Diese seien auch gefunden worden – allerdings nicht für den Autoverkehr. Künftige Umwege ließen sich hier nicht vermeiden. Die Entscheidung darüber liege letztlich beim Gemeinderat.

Aesculap verweist auf steigenden Werksverkehr

B. Braun-Vorstandsmitglied Dr. Jens von Lackum erläuterte die Bedeutung des Projekts für Aesculap. Dabei gehe es zum einen um bessere Betriebsabläufe. Wenn im Herbst 2027 die Innovation Factory in Betrieb geht, werde sich die Zahl der Fahrten zwischen den Werksteilen fast verdoppeln. Dass dabei eine öffentliche Straße gequert werden müsse, werde zunehmend hinderlich.

Noch wichtiger seien die Pläne zur Erweiterung des Logistikgebäudes. Da das Gelände größtenteils bebaut und zwischen Bundesstraße und Hang eingekeilt sei, bleibe dafür nur die Fläche der Dornierstraße.

Von Lackum machte deutlich, welche Konsequenzen das Unternehmen sieht, sollte eine Erweiterung nicht möglich sein: „Falls eine Erweiterung in Tuttlingen nicht möglich ist, kommt die Zentrallogistik ins Ausland.“ Das gelte auch für die bestehende Logistik mit ihren 250 Arbeitsplätzen. Weiter sagte er: „Wenn die Logistik einmal im Ausland ist, wird definitiv nicht mehr in Tuttlingen gebaut – das ist eine wirtschaftliche Tatsache.“

Tunnel und Brücke laut Aesculap keine Alternative

Manuel Holzweißig, bei Aesculap für Bauwesen und Infrastruktur zuständig, erläuterte weitere Details. Für einen geplanten neuen Radweg sowie für den öffentlichen Personennahverkehr und Rettungsfahrzeuge seien bereits Lösungen gefunden worden. Busse und Rettungsfahrzeuge könnten über das Werksgelände fahren.

Für den Autoverkehr gebe es hingegen keine Alternative. Mehrere diskutierte Varianten seien nach Angaben des Unternehmens nicht realistisch. Für einen Tunnel sei die Strecke zu kurz. Wegen der vorgeschriebenen Neigung müssten die Rampen insgesamt 150 Meter lang sein, sodass für den Tunnel lediglich 50 Meter blieben. Das reiche für das große Logistikgebäude nicht aus.

Ähnlich sehe es bei einer Brücke aus. Da die Logistik mehr als 20 Meter hoch werde, wären sehr große Auffahrten erforderlich. Diese seien technisch kaum machbar und nach Darstellung des Unternehmens nicht finanzierbar. Auch eine Ampel vor dem Werksgelände, die Betriebs- und öffentlichen Verkehr voneinander trennt, sei geprüft und wegen drohender langer Rückstaus verworfen worden.

Anwohner kritisieren längere Fahrwege

In der kontrovers und emotional geführten Diskussion wurden zahlreiche Punkte erneut aufgegriffen. Unter anderem brachten Teilnehmer die zuvor verworfenen Tunnel- und Brückenvarianten mehrfach wieder ins Gespräch.

Dass sich die Fahrstrecke für einen Teil der Bewohner der Vorstadt verlängern könnte, empfanden viele Teilnehmer als unzumutbar. Verständnis für die Situation von B. Braun Aesculap äußerten nur wenige Diskussionsteilnehmer.

Auch Aesculap-Betriebsratsvorsitzender Ralf Popp warb für die Pläne und erinnerte daran, dass Aesculap zu den wenigen Firmen gehöre, die derzeit zweistellige Summen investieren wollten. „Wir erleben gerader viele Firmen, in denen es ganz anders aussieht.“

Vorstandsmitglied Andreas Hahn erklärte ebenfalls, dass ohne einen Ausbau der Logistik voraussichtlich bald 250 Arbeitsplätze abgezogen würden. Den Großteil der Besucher überzeugte dies nicht. Auch der Einwand einer Besucherin, wonach die Probleme überschaubar seien, sofern der öffentliche Personennahverkehr funktioniere, fand bei vielen keine Zustimmung.

Applaus erhielt dagegen ein Fragesteller, der vorrechnete, welche zusätzlichen Kosten ihm durch den längeren Fahrweg angesichts der aktuellen Spritpreise entstehen würden. Zustimmung bekam auch ein Diskussionsteilnehmer mit der Frage, „welchen Benefit“ er als Nicht-Aesculap-Mitarbeiter von dem Neubau überhaupt habe.

(Quelle: Stadt Tuttlingen)

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