Hartnäckiger Eindringling Gefahr bereits am Bodensee: Ameiseninvasion rollt auf uns zu

Gefahr bereits am Bodensee: Ameiseninvasion rollt auf uns zu
Zahlreich und hartnäckig: Die invasive Ameisenart Tapinoma magnum kann Superkolonien mit Millionen von Tieren bilden. Auf dem Bild machen sich die Ameisen über einen verendeten Regenwurm her. (Bild: Zinco79 / iStock / Getty Images Plus)

Sie ist etwa zwei bis fünf Millimeter groß, wandert bei Kälte in Gebäude ein und kann mit ihrer Kolonie sogar Internet- und Stromausfälle verursachen. Gemeint ist die invasive Ameisenart Tapinoma magnum. Die Krabbler sind im Südwesten auf dem Vormarsch und richten große Verunsicherung und Schäden an.

Die Große Drüsenameise ist ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet und wurde durch Warenlieferungen nach Deutschland eingeschleppt. Vorwiegend in mediterranen Großgehölzen wie zum Beispiel Oliven- und Feigenbäumen oder Palmen, so das Umweltbundesamt.

Hautreizungen durch Berührung sind möglich

Neben den Schäden im menschlichen Siedlungsbereich kommt es durch die Insekten auch zu ökologischen Auswirkungen auf heimische Ameisenarten. Dort, wo sich Kolonien der Tapinoma niederlassen, findet man in der Regel keine anderen Ameisenarten. Diese werden zum einen mit den kräftigen Mundwerkzeugen, zum anderen durch das Verspritzen eines für andere Ameisen giftigen Sekrets abgetötet. Auch Menschen können mit den kräftigen Mundwerkzeugen verletzt werden und das Wehrsekret kann zu Hautreizungen führen, heißt es weiter.

Auf der Suche nach Wärme geht’s auch in unsere Häuser

Im Gegensatz zu der häufig auftretenden heimischen Schwarzen Wegameise (Lasius niger) ist die Große Drüsenameise auch bei niedrigen Temperaturen bis etwa drei Grad Celsius aktiv. Da sie keine Winterruhe hält, wandert sie bei Kälte auf der Suche nach Wärme und Nahrung auch in Gebäude ein.

Die Tapinoma bevorzugt Siedlungsgebiete, in denen sie ihre Nester in der Nähe von Mauern und Hausfundamenten, unter Pflastersteinen und Gehwegplatten, aber auch in oder unter Blumenkästen und -kübeln bis in eine Bodentiefe von einem Meter anlegt. Ihr massenhaftes Auftreten und Eindringen in Gebäude kann auch zu Schäden an Fassaden und Elektrik führen. Eine Gesundheitsgefahr für Menschen besteht nicht, so das Umweltbundesamt.

Fressen sich durch Stromkabel durch

Diese Ameisenart ist auf dem Vormarsch und hat sich bereits in über 50 Kommunen Baden-Württembergs ausgebreitet. Das Problem: Sie fressen sich durch Stromkabel und dringen sogar in Häuser oder Autos ein. Am häufigsten ist sie in wärmebegünstigten Regionen wie Baden-Württemberg, Hessen, Bayern und der Rheinebene zu finden. Auch in Kreuzlingen am Bodensee, direkt hinter der deutschen Grenze, wurde bereits eine riesige Kolonie der Tapinoma entdeckt.

Erfahrungen bei der Bekämpfung der Großen Drüsenameise:

  • Schnelles Handeln: Verdachtsfälle beziehungsweise bestätigte Vorkommen müssen unverzüglich der Stadt oder Gemeinde, zum Beispiel dem zuständigen Ordnungsamt, gemeldet werden.
  • Koordiniertes Vorgehen: alle Beteiligten (unter anderem Stadt- beziehungsweise Gemeindevertreter, Grundstückseigentümer, Anwohner, Schädlingsbekämpfer) sollten eng zusammenarbeiten.
  • Ausmaß des Befalls feststellen: Wie weit ist die Kolonie verbreitet?
  • Auswahl einer Bekämpfungsmethode: Neben dem Einsatz von chemischen Mitteln (Insektiziden) können auch thermische Verfahren mit Heißwasser/Heißschaum zum Einsatz kommen. Oftmals ist keine Eliminierung, sondern nur ein Zurückdrängen möglich.
  • Die chemische Bekämpfung sollte Fachpersonal, in der Regel also einem Schädlingsbekämpfungsunternehmen, überlassen werden.

Die Insekten sind komplett glänzend schwarz gefärbt. Sie bilden Superkolonien mit Millionen von Tieren, Nester werden unterirdisch angelegt und bilden dort ein weit verzweigtes System. An den Nesteingängen kommt es zum Auswurf von Sand und Erde. 

Superkolonien zu tilgen ist nahezu unmöglich

Einige Städte, wie beispielsweise Karlsruhe, haben bereits mobile Heißwasser-Geräte angeschafft. Mit einer Temperatur von bis zu 130 Grad Celsius wird dann gegen die Invasionen gekämpft. Eine bereits etablierte Superkolonie komplett zu tilgen, die mehrere Quadratkilometer besiedeln kann, ist fast unmöglich, so die Experten. Eine Eindämmung des Befalls ist allerdings bei frühem und konsequentem Handeln möglich.

Manche Menschen werden nicht mehr Herr über die invasive Ameisenart und sind so verzweifelt, dass sie überlegen, ihre Häuser zu verkaufen, berichtet Die Welt. Es bleibt zu hoffen, dass die Große Drüsenameise nicht auch in Oberschwaben Einzug hält.

(Quelle: Umweltbundesamt)