50 Jahre Landkreis Tuttlingen – Wenn das kein Grund zum Feiern ist?

50 Jahre Landkreis Tuttlingen – Wenn das kein Grund zum Feiern ist?
Grund zu Feiern: Der Landkreis Tuttlingen wird in diesem Jahr ein halbes Jahrhundert alt. (Bild: picture alliance / Westend61 | Markus Keller)

Der Landkreis Tuttlingen wird in diesem Jahr ein halbes Jahrhundert alt. Gefeiert wird mit einem großen Jubiläumsprogramm. Die Kreisverwaltung lädt dazu am 1. Juli zu einem „Tag der offenen Tür“ ein und bietet spannende Einblicke hinter die Kulissen. Obendrauf ist ein neues Kreisbuch erschienen: „Landkreis Tuttlingen – ganz persönlich“.

Zum 1. Januar 1973 trat die Kreisreform in Kraft, aus der der Landkreis Tuttlingen gestärkt hervorging. Ein neuer, um zahlreiche Gemeinden der Landkreise Donaueschingen, Stockach und Sigmaringen erweiterter Landkreis Tuttlingen war geschaffen. Alte und neue Kreisteile, ehemals württembergische, badische und preußisch-hohenzollerische Gemeinden wuchsen schnell zu einer Einheit zusammen und entwickelten sich zu einer leistungsstarken und schlagkräftigen Gebietskörperschaft.

Weltzentrum der Medizintechnik

Der Landkreis gliedert sich in 35 Städte und Gemeinden. Die kleinste Gemeinde ist Bärenthal mit 476 Einwohnern, die größte Stadt ist Tuttlingen mit 34.586 Einwohnern. Seit Februar 2004 ist Michael Beck der Oberbürgermeister der Stadt Tuttlingen. Der Jurist wurde im Jahr 2019 zum dritten Mal gewählt. Tuttlingen ist das Weltzentrum der Medizintechnik.

Das Logo der Stadt ist unverkennbar: Vier blaue Winkel und ein leicht schräg stehendes gelbes Quadrat. Das Symbol steht für Mut, Zuversicht, Fleiß und Erfindungsreichtum. Seit dem Jahr 2014 trägt Tuttlingen zudem den Titel „Fairtrade-Stadt“.

Weltoffen und direkt an der Donau

Seit jeher ist die Stadt ein Ort der Tüftler, von Menschen, die Grenzen überschreiten und Neues ausprobieren. Die Ufer der Donau, der Donaupark und neue Stadtquartiere mit Blick aufs Wasser haben die Stadt vor allem während der letzten Jahre entscheidend geprägt. Über 400 Firmen allein aus dem Bereich der Medizintechnik gibt es heute in Tuttlingen – vom kleinen Familienbetrieb bis zu Konzernen mit mehreren tausend Mitarbeitern. International aufgestellt sind die meisten dieser Firmen. Und das verschafft der Stadt eine gewisse Weltoffenheit.

Es wird gefeiert und gewandert

Der runde Geburtstag wird mit zahlreichen Veranstaltungen gebührend gefeiert. Zum Auftakt des Jubiläumsjahres wird der Landkreis Tuttlingen im Rahmen eines Festaktes Bilanz ziehen. Bei einem „Tag der offenen Tür“ im und um das Landratsamt am 1. Juli, von 10.30 bis 16.30 Uhr, präsentieren sich die Kreisverwaltung und die Einrichtungen des Landkreises den Bürgern mit einem bunten Rahmenprogramm, Bewirtung und Musik. Ob Landkreis-Quiz, Gesundheitsmemory, Demenzparcours, Fahrsimulator oder Virtual-Reality-Brille – hier ist für jeden das Passende dabei.

Fünf Grenzwanderungen des Kreisarchivs entlang der heutigen Kreisgrenze und zwei Radtouren der Donaubergland Tourismus GmbH quer durch die alten und neuen Kreisteile laden dazu ein, den Landkreis zu erkunden und seine historischen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten zu entdecken.

Brandneu und sehr interessant: Das Kreisbuch

Der Landkreis Tuttlingen hat sein 50-jähriges Bestehen auch zum Anlass genommen, ein neues Kreisbuch herauszugeben. Die druckfrische Publikation trägt den Titel „Landkreis Tuttlingen – ganz persönlich“ und hebt sich von bisherigen vergleichbaren Werken ab, da sich dieses Buch ganz bewusst auf sehr persönliche Geschichten und Erzählungen von Menschen aus dem Landkreis fokussiert.

Insgesamt 45 Persönlichkeiten schildern ihre Heimat und ihren Landkreis aus einer ganz individuellen Perspektive. Die Beiträge spiegeln die Vielfalt und Schönheit des Landkreises mit all seinen Facetten wider. Sie beschreiben den Landkreis aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln, je nach Herkunft, beruflichem Schwerpunkt, Wirkungsfeld oder Funktion der Autorin oder des Autors. In der Summe ergibt sich hieraus ein buntes Kaleidoskop an Sichtweisen, Einschätzungen und Bewertungen des Landkreises Tuttlingen. Ergänzt werden diese Beiträge durch 35 Unternehmens-Porträts, aus der Industrie, dem Handwerk und dem Dienstleistungssektor.

Alle Aspekte des Landkreises widergespiegelt

Das neue Kreisbuch ist in Kooperation mit dem neomediaVerlag entstanden. „Wir freuen uns sehr über die produktive und harmonische Zusammenarbeit und können nun ein überaus gelungenes Werk in den Händen halten, das alle Aspekte unseres Landkreises widerspiegelt – eine starke Industrie und Wirtschaftskraft gepaart mit einer Vielfalt an Natur- und Freizeitmöglichkeiten. Es macht Spaß in dem Buch zu schmökern – es wurden viele liebenswürdige Worte für unseren Landkreis gefunden, die einen Landrat durchaus stolz machen“, betonte Landrat Stefan Bär bei der Kreisbuchvorstellung.

Historische Ausstellung vom 28. September bis 17. November im Foyer des Landratsamtes Tuttlingen

Die Ausstellung greift 50 einschneidende Ereignisse im Landkreis aus dem Zeitraum 1973 bis 2022 auf. Es handelt sich um Ereignisse aus den Bereichen Kreispolitik, Kreisgeschehen, Kultur, Sport und Geschichte, von der Kreis- und Gemeindereform über die Eröffnung des Freilichtmuseums und Katastrophen wie Hochwasser und Hagelsturm bis zur Eröffnung des Ringzugs und zur ersten Deutschen Ringermeisterschaft des ASV Nendingen.

Historisches: Im Jahre 797 wird Tuttlingen zum ersten Mal in der latinisierten Form „tuttiliningas“ in einer Urkunde des Klosters St. Gallen schriftlich erwähnt. 1305 besitzen die Freiherrn von Wartenberg die Vogtei des Dorfes Tuttlingen.

Wurmlinger kämpfen um Selbständigkeit für Ihre Gemeinde

Was geschah vor 50 Jahren, als die Gemeindereform in die entscheidende Phase trat? Die Zielplanung der Landesregierung sah die Eingemeindung von Wurmlingen nach Tuttlingen vor. Die Gemeinde jedoch widersetzte sich dieser Absicht, auch der Gemeinderat setzte sich für den Erhalt der Selbständigkeit ein. In Form einer großen Demonstration und einer Bürgerbefragung wurde der Unmut deutlich. 91,8 % der Bürger sprachen sich gegen eine Eingemeindung nach Tuttlingen aus.

Dank der gemeinsamen Bemühungen von Bürgerschaft, Gemeinderat, Gemeindeverwaltung und entsprechend politischer Unterstützung konnte Wurmlingen als selbstständige Gemeinde im Verwaltungsraum Tuttlingen bestehen bleiben. Dies wurde auch durch das am 04.07.1974 beschlossene Schlussgesetz zur Gemeindereform bestätigt.

Die Freundschaft kehrte zurück und blieb

Obwohl das bis dahin sehr freundschaftliche Verhältnis zur großen Kreisstadt Tuttlingen kurzzeitig etwas gelitten hatte, kehrte nach vollzogener Reform bald wieder Normalität ein. Heute pflegt Wurmlingen eine freundschaftliche Beziehung zur großen Kreisstadt Tuttlingen.