Wenn ein Scharnier zur Lebensversicherung wird Mengen: Forstwirte arbeiten seit Monaten die Sturmschäden auf

Alfred Rautenberg zeigt, wie ein Baum gefällt wird, der vom Sturm beschädigt wurde. Die Kollegin und die Kollegen stehen im notwendigen Sicherheitsbereich, bis der Baum am Boden liegt.
Alfred Rautenberg zeigt, wie ein Baum gefällt wird, der vom Sturm beschädigt wurde. Die Kollegin und die Kollegen stehen im notwendigen Sicherheitsbereich, bis der Baum am Boden liegt. (Bild: Stadt Mengen)

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Es ist eine gefährliche Tätigkeit, die viel Wissen, Können und vor allem Erfahrung voraussetzt. Sturmschäden sind keine Seltenheit mehr in den städtischen Wäldern, sie zu beseitigen hingegen immer eine Herausforderung.

Die Idylle im Wald lockt jährliche hunderte Besucher an, doch sie ist trügerisch. Seit Monaten arbeiten die Forstwirte daran, die Schäden der Stürme im Sommer aufzuarbeiten. Die Bilder, die durch die Medien gingen, zeigen, wie schief die Bäume hingen, wie Äste und Gehölz auf den Straßen und Waldwegen lagen.

All das hat auch den Mengener Wald erwischt. Mehr als 15.000 Festmeter Holz, also fast die gesamte Jahresmenge sind betroffen gewesen. „Das Holz musste eingeschlagen werden, es gab keine andere Wahl“, betonte Revierförster Stefan Vollmer vor dem Gemeinderat.

Dieser wollte wissen, ob die Forstwirte denn alle nötigen Hilfsmittel für die Arbeiten haben. Das bejahte Vollmer, „unsere Ausrüstung ist bestens, aber dennoch ist es ein gefährlicher Job“, so der Revierförster weiter. Das liegt vor allem daran, dass einige Bäume in den oberen Bereichen geknickt sind und die Spitzen abbrechen können. Auch wäre es möglich, dass die Fallrichtung des Baumes dadurch beeinträchtigt werde.

Für solche Arbeiten braucht es ein gutes Auge und Erfahrung, ein Scharnier, einen 45-Gradwinkel und volle Konzentration. „Bei dieser Arbeit wird kein Fehler verziehen“, verdeutlicht Alfred Rautenberg. Für ihn ist es nicht das erste Sturmholz, aber für seine junge Kollegin Isabella Kuchelmeister. Gleich nach ihrem Abschluss fingen beide damit an, den Wald in Mengen wieder sicher zu machen.

Um einen Baum, der bereits beschädigt ist, zu fällen, muss erst eine kleine Fläche am Stamm freigesägt werden, der Fallkerb, dabei ist der Winkel und die Richtung entscheidend. Durch ihn kann der Forstwirt die Fällrichtung festlegen. Wichtig ist aber, dass das sogenannte Halteband nicht abgesägt wird. Ohne das Halteband besteht die Gefahr, dass der Baum aufreißt und unkontrolliert in die falsche Richtung fällt. Wichtig ist die Beurteilung der Situation, die Abwägung der Risiken, die richtige Fälltechnik und Ausrüstung.

Die Forstwirte tragen dabei ihre persönliche Schutzausrüstung, die mehrere Kilogramm schwer ist. Die Arbeiten erfolgen im Team, damit im schlimmsten Fall, Hilfe gerufen und erste Hilfe geleistet werden kann. Zum Glück ist es in Mengen noch nicht zu einem solchen Szenario gekommen, betonen die Forstwirte.

(Pressemitteilung: Stadtverwaltung Mengen)