Es geht um nichts weniger als den Schutz der Bevölkerung

Es geht um nichts weniger als den Schutz der Bevölkerung
Alfred Bosch zeigt das historisch anmutende Innenleben eines Einsatzfahrzeugs im Katastrophenschutz. Er ist verantwortlich für Bevölkerungsschutz beim DRK-Kreisverband Ravensburg. (Bild: DRK)

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Coronapandemie, Hochwasser im Ahrtal, Flächenbrand im Brandenburger Moor: Bilder, die allen präsent sind. Aber auch bei Großveranstaltungen wie der nahenden Fußball-Europameisterschaft sind Helfer des Bevölkerungsschutzes, wie etwa des DRK-Kreisverbandes Ravensburg im Einsatz. Der Schutz der Zivilbevölkerung gestaltet sich für sie immer schwieriger, weil unter anderem intakte, modern ausgestattete Einsatzfahrzeuge Mangelware sind. Alfred Bosch, beim DRK-Kreisverband Ravensburg verantwortlich für Bevölkerungsschutz, schildert die Situation und Hintergründe.

Herr Bosch, wenn es brennt, bei Großschadensfällen oder Großveranstaltungen geht ohne den Bevölkerungsschutz nichts. Wie ist dieser in Deutschland organisiert und wer ist für was zuständig?

Der Bund ist zuständig für Zivilschutz, dem nicht-militärischen Schutz der Bevölkerung im Kriegsfall. Katastrophenschutz ist Ländersache. Hilfsorganisationen übernehmen mit überwiegend ehrenamtlichen gut ausgebildeten Einsatzkräften den praktischen Bevölkerungsschutz vor Ort. Dafür gibt es die Vereinbarung, dass die Organisationen entsprechend finanziell unterstützt beziehungsweise technisch ausgestattet werden.

Laut Humboldt-Universität Berlin gibt es im Sanitäts- und Unterkunftswesen gar keinen nennenswerten Zivilschutz mehr. Sehen Sie das auch so?

Entgegen vieler Aussagen hat der Bund seine Zivilschutzmittel nach 22 Jahren Beinahe- Stillstand nicht nur nicht erhöht, sondern im vergangenen Jahr sogar um ein Drittel gekürzt. Trotz der offenkundigen verheerenden Defizite im Ahrtal fehlen den Ländern bis heute große Teile der Zivilschutzfahrzeuge des Bundes in den Strukturen des Sanitäts- und Betreuungswesens des Landeskatastrophenschutzes.

Wie steht es mit der Ausstattung bei Ihnen im Bevölkerungsschutz?

Im Landkreis Ravensburg müssen in absehbarer Zeit im Katastrophenschutz von acht Krankenwagen sechs Fahrzeuge ausgemustert werden: beim DRK-Kreisverband Ravensburg drei, bei den Johannitern einer und im DRK-Kreisverband Wangen zwei. Das bedeutet für die Region der Supergau – mit 20 Jahren Ansage. Für unseren Einsatz bei EM-Spielen in Stuttgart greifen wir gar auf ein geliehenes Krankentransport-Fahrzeug zurück. Beruhigend ist die Situation nicht.

Wie ließe sich Abhilfe schaffen?

Abhilfe schaffen können nur entsprechende Finanzmittel. Ein Beispiel: Der Bund mustert derzeit ersatzlos mit 27 Jahren nahezu historische Krankenwagen aus, das Land Baden-Württemberg hat momentan gar keine Beschaffung vorgesehen und hofft vergeblich auf Ausstattung und Fahrzeuge des Bundes. Würde das DRK die alten Krankenwagen des Bundes übernehmen, müssten sie zunächst umfänglich repariert und ausgestattet werden.

Dieser nicht unerhebliche Aufwand liegt dann ebenso wie der Unterhalt beim DRK. Für jeden Krankenwagen rechnen wir mit über 8.000 Euro Kosten pro Jahr. Allein der DRK-Kreisverband Ravensburg müsste jährlich 24.000 Euro nur für die Fahrzeuge aufwenden. Für uns als gemeinnützige Organisation ein Unding.

Erfreulicherweise hat das CDU-geführte Innenministerium seit drei Jahren seine finanziellen Mittel auf 12,5 Millionen Euro für den gesamten Katastrophenschutz aufgestockt: Die grün-schwarze Landesregierung hat die dramatische Situation erkannt und gehandelt.

Allerdings bleibt der enorme Nachholbedarf im Landeskatastrophenschutz zusammen mit jahrelangen Lieferfristen der Fahrzeug- und Aufbauhersteller eine extrem schwierige Situation.

(Pressemitteilung: DRK Kreisverband Ravensburg e.V.)