Der Landkreis Ravensburg schiebt Millionen Überstunden. Viele Beschäftigte arbeiten unbezahlt, die Belastung steigt. Die NGG schlägt Alarm und fordert die Politik zum Handeln auf.
Rund 4,4 Millionen Überstunden haben Beschäftigte im Kreis Ravensburg im vergangenen Jahr geleistet. Das geht aus dem „Arbeitszeit-Monitor“ des Pestel-Instituts hervor, erstellt im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Von den geleisteten Stunden blieben rund 2,3 Millionen unbezahlt.
Unbezahlte Überstunden in Hotels und Gaststätten
Allein in Hotels, Restaurants und Biergärten kamen rund 76.000 Überstunden zusammen. Laut NGG blieben 53 Prozent davon ohne Bezahlung. Grundlage der Berechnungen waren bundesweite Durchschnittswerte der Bundesagentur für Arbeit.
Gewerkschaft warnt vor XXL-Tagen
Die NGG Ulm-Aalen-Göppingen sieht mit Blick auf Pläne der Bundesregierung große Gefahren. „Schwarz-Rot will eine wöchentliche Höchstarbeitszeit und den 8-Stunden-Tag abschaffen. Betriebe könnten dann zehn, elf oder sogar 12 Stunden und 15 Minuten pro Tag verlangen“, sagt NGG-Geschäftsführer Michael Gutmann.
Schon jetzt seien 48-Stunden-Wochen erlaubt, in Spitzen sogar 60. „Wenn die Bundesregierung ans Arbeitszeitgesetz Hand anlegt, würde nur noch das europäische Recht gelten. Arbeitgeber könnten dann zu 73,5-Stunden-Wochen verpflichten – fast das Doppelte von heute“, warnt Gutmann.
Sorge um Gesundheit und Familien
Die Gewerkschaft spricht von „Arbeitszeit-Stretching pur“ und warnt vor massiven Folgen für die Gesundheit. „Nach acht Stunden steigt die Gefahr von Arbeitsunfällen rasant an. XXL-Tage belasten Körper und Psyche bis hin zum Burnout“, so Gutmann.
Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei bedroht. „Wer holt die Kinder aus der Kita, wenn die Schicht zwölf Stunden dauert?“, fragt Gutmann. Laut Arbeitsagentur werden im Kreis Ravensburg 68 Prozent aller Teilzeitstellen von Frauen besetzt. Längere Arbeitstage würden das Alleinverdienermodell festigen und Fachkräftepotenziale ungenutzt lassen.
Appell an Bundestagsabgeordnete
Gutmann fordert die Abgeordneten aus der Region auf, die geplante Änderung zu verhindern. „Noch mehr Flexibilität ist gar nicht nötig. 10- oder 12-Stunden-Tage ersetzen keine fehlenden Fachkräfte. Bessere Arbeitsbedingungen, Qualifizierung und Ausbildung sind der richtige Weg.“
(Quelle: Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Ulm-Aalen-Göppingen)