Einfach – öfter – besser! Landkreis Lindau startet in eine neue ÖPNV-Ära

Für die Menschen im Landkreis Lindau soll es ab 12. Dezember einfacher und komfortabler sein, auf den Bus umsteigen zu können.
Für die Menschen im Landkreis Lindau soll es ab 12. Dezember einfacher und komfortabler sein, auf den Bus umsteigen zu können. (Bild: Wilfried Vögel)

Bei einem Pressetermin stellten Lindaus Landrat Elmar Stegmann und Bernd Hasenfratz, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Bodo, das neue Fahrplanangebot des Landkreises Lindau zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2023 vor.

Neue Linien, auf vielen Linien ein Stundentakt, eine Verdichtung der Fahrten auf den Hauptlinien, Schulverkehre, die besser an die Schulzeiten angepasst sind, mehr Direktverbindungen im Allgäu und vom Bodensee ins Allgäu, bessere und konsequentere Umsteigebeziehungen innerhalb des Bussystems und mit den Zügen, moderne, barrierefrei Niederflurbusse, die höchste Umweltstandards erfüllen (Abgasnorm 6), eine leistungsfähige Klimaanlage und WLAN in den Bussen, eine automatisierte Haltestellenansage, eine Einbeziehung des Nachbarlandes Vorarlberg – das alles soll es den Menschen im Landkreis ab 10. Dezember einfacher und komfortabler machen, auf den Bus umzusteigen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Busse fahren künftig öfter und das Angebot wird deutlich verbessert.

Der Lindauer Landrat erinnerte daran, dass der letzte Nahverkehrsplan für den Landkreis Lindau 2011 aufgestellt worden sei. Seither habe sich viel geändert. So habe die Anzahl der Menschen im Landkreis mit einem Alter über 65 Jahren deutlich zugenommen. Neue Wohn- und Gewerbegebiete seien entstanden. Auch strukturelle und gesetzliche Vorgaben hätten sich verändert.

Zudem seien diverse Konzessionen für den Busverkehr im Landkreis Lindau ausgelaufen. So habe man diese Liniengenehmigungen neu ausschreiben und zum Fahrplanwechsel neu vergeben können. Mit dem Bau des neuen Fern-Bahnhaltes in Lindau-Reutin hätten sich die Rahmenbedingungen für den ÖPNV im Landkreis Lindau verändert. Die daraus resultierende Chance für einen Neuanfang hätten der Kreistag und die Landkreisverwaltung aufgegriffen und letztlich genutzt.

ÖPNV völlig neu denken und gestalten

2018 habe der Landkreis den Auftrag für ein neues Buskonzept an die Schweizer Planungsfirma Metron vergeben mit dem Ziel, den ÖPNV im Landkreis neu zu denken und zu gestalten.

Als Resultat erfolge jetzt eine deutliche Steigerung der Wertigkeit des ÖPNV, das auch auf politischer Ebene voll mitgetragen worden sei.

(Bilder: Wilfried Vögel)

Kommunen und Bewohner konnten sich in die Planung einbringen

Als erstes sei eine Bestandsaufnahme der Ist-Situation erfolgt. Sowohl die kreisangehörigen Gemeinden als auch deren BewohnerInnen hätten 2020 die Möglichkeit erhalten, sich aktiv in die Planungen einzubringen. Neben der Weiterentwicklung des Angebotes, habe es auch eine Definition der Mindeststandards gegeben.

Die neue Planung solle daher möglichst viele Bevölkerungsgruppen ansprechen und mitnehmen. Die notwendigen Investitionen kämen sowohl den Bürgerinnen und Bürgern als auch den Touristen zugute und stärkten den Landkreis insgesamt. Auch leiste die Planung einen wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz.

Taktverkehr und ein besseres Angebot

Wesentliches Merkmal des neuen Systems sei die Einführung eines Taktverkehres und ein erweitertes Angebot.

Bisher habe der Nahverkehr weitgehend auf der Sicherstellung des Schulverkehrs beruht. Daher sei der Bus regelmäßig nur in den Morgenstunden und zur Mittagszeit gefahren. Das neue Buskonzept werde künftig auf festen Taktzeiten und auf einer Verdichtung des Angebotes auf den Hauptlinien beruhen.

Schulverkehre besser eingebunden

Die bisherigen Schulverkehre seien in den Taktfahrplan eingearbeitet worden. Darüber hinaus gebe es Sonderverkehre, die besser auf die Schulzeiten angepasst worden seien. Es gebe mehr Direktverbindungen, auch der Verkehr zu Zielen außerhalb des Landkreis sei ausgebaut worden.

Auch das Angebot zu Tagesrandzeiten und am Wochenende würde verbessert. Das Krankenhaus in Lindenberg werde künftig angebunden. Es gebe weniger Ausnahmeregelungen, so werde der Fahrplan einfacher, überschaubarer und verständlicher.

Umsteigemöglichkeiten verbessert

Ein wichtiges Ziel sei es gewesen, bessere Umsteigemöglichkeiten zwischen den Verkehrsmitteln im Landkreis zu schaffen. Sie würden künftig besser aufeinander abgestimmt. Dies gelte insbesondere für die Schnittstellen zur Bahn.

Mehr Komfort für alle Fahrgäste

Das neue System solle deutlich mehr Komfort und Barrierefreiheit bieten. Zum Einsatz kämen überwiegend moderne, barrierefreie Niederflurbusse. Diese Busse hielten künftig einen Rollstuhlplatz als sogenannte „Sondernutzungsfläche“ vor. Zudem sorge eine ausklappbare Rampe für einen gefahrlosen Aus- und Einstieg für Rollstuhlfahrer.

Der Fahrgastraum sei mit einer leistungsfähigen Klimaanlage ausgestattet, den Fahrgästen stehe freies WLAN zur Verfügung.

Nächste Haltestellen würden automatisch angesagt, die Busse seien in einem einheitlichen Design gestaltet, was die Erkennbarkeit des Regionalverkehrs gewährleiste.

(Bilder: Wilfried Vögel)

Modernste Umweltstandards angeboten

Auf allen Haupt- und vielen Nebenlinien kämen Fahrzeuge zum Einsatz, die der Euronorm 6 oder sogar noch besser entsprächen. Damit würden höchste Umweltstandards erfüllt. Zudem kämen ab Frühjahr vier neue  Fahrzeuge mit einer Wasserstoff-Bernstoffzelle zum Einsatz.

Ab dem 11. Dezember werde es ein neues Kundencenter in Lindenberg geben. Dort erhielten die Fahrgäste alle wichtigen Informationen.

Verbesserte Haltstelleninformation

Auch die Haltestelleninfrastruktur würde gleichzeitig umgerüstet. Einige ausgewählte Haltestellen erhielten künftig elektronische Fahrplanauskünfte.

Stegmann dankte allen Beteiligten für das große Engagement. Der Landrat sprach die Hoffnung aus, dass es durch das neue Konzept möglich sein werde, möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, vom eigenen Auto auf den Bus um zusteigen.

Der Fahrplan gelte künftig ganzjährig und biete Nahverkehr auf einem neuen Niveau für alle Altersgruppen und Bevölkerungsschichten.

(Bilder: Wilfried Vögel)

Revolutionäre Verbesserungen

Bernd Hasenfratz, Bodo-Geschäftsführer, erläuterte die Neuerungen. Er freue sich, das neue Konzept vorstellen zu dürfen. Es handle sich um fast revolutionäre Änderungen. Diese seien Ausdruck der viel beschworenen Mobilitätswende. Der Busverkehr im Landkreis werde so attraktiv wie nie zuvor.

Aus einem überwiegend dem Schulverkehr dienenden Konzept, sei jetzt eine breit aufgestellte Nahverkehrskonzeption entstanden.

Der ländliche Raum braucht bessere Angebote

Es handle sich um eine innovative und weitsichtigen Entscheidung. Man dürfe nicht nur über attraktive Tarife sprechen. Man benötige insbesondere im ländlichen Raum auch attraktive Fahrplan-Angebote. Am Ende nütze der beste Tarif nichts, wenn dem nicht ein entsprechendes Angebot gegenüber stehe.

Mit diesem Fahrplankonzept spiele der Landkreis Lindau durchaus bundesweit in der „oberen Liga“ mit.

Neue Linie 21 als wichtige Tangente zwischen Bodensee und Allgäu

Besondere Erwähnung solle, so Hasenfratz, die neue Linie 21 finden. Mit ihr entstehe die Tangente zwischen Bodensee und Westallgäu. Auf dieser Linie werde künftig von Montag bis Samstag der Stundentakt gelten, am Sonntag der Zweistundentakt.

Mit dem Befahren des vorarlbergischen Korridors werde aus dem Bodo ein internationaler Verkehrsverbund.

Tarife möglichst kundenfreundlich gestaltet

Die Tarif-Frage sei so kundenfreundlich wie möglich gelöst worden. Im Deutschen Bus gelte der deutsche Tarif, auch auf Vorarlberger Gebiet. Für die Vorarlberger Fahrgäste gelte eine Bestandsregelung. Alle einschlägigen Tarifangebote würden akzeptiert. Man habe so eine optimale Tarifregelung erzielt.

Die bisherige Linie 17 sei in zwei neue Linien aufgeteilt worden. So könne man künftig von Lindau sowohl über Schlachters nach Opfenbach (neue Linie 16) gelangen, als auch von Lindau über Schlachters und Hergensweiler nach Hergatz (neue Linie 17) – beide im Stundentakt.

Mehr Menschen auf den Bus bringen

Hasenfratz dankte allen Beteiligten. Diese Umstellung sei für den Tarifverbund Bodo nicht einfach gewesen. Er sei aber guten Mutes, dass es gelingen werde, deutlich mehr Menschen auf den Bus zu bringen.

Dankeswort gab es aber auch für die neuen Busunternehmen aber auch die RBA, die bisher den Betrieb sichergestellt habe und in Teilbereichen immer noch unterwegs sei.

Auf Nachfrage erfuhren die Teilnehmer, dass der Landkreis Lindau jährlich rund 4,5 Millionen Euro in das neue Konzept investieren werde. Auf der anschließenden Probefahrt zum Inselbahnhof und den Bahnhalt in Reutin konnten sich die Teilnehmer von der neuen Busqualität überzeugen.

Weitere Infos unter www.bodo.de und www.landkreis-lindau.de/bus.