Tod einer Oberärztin am MCB: Aufarbeitung der Vorwürfe ziehen sich hin

Tod einer Oberärztin am MCB: Aufarbeitung der Vorwürfe ziehen sich hin
Das Friedrichshafener Klinikum. (Bild:MCB)

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Der Untersuchungsbericht des Compliance-Verfahrens sollte Ende März abgeschlossen sein und vorliegen, jetzt wird das Vorhaben aber längere Zeit in Anspruch nehmen, heißt es von den Anwälten. Was hat sich bereits getan?

Das Compliance Verfahren war vom Aufsichtsrat in Auftrag gegeben worden, nachdem eine Oberärztin Vorwürfe gegen das Klinikum erhoben hatte. Die Ärztin hat im Dezember vergangenen Jahres vermutlich Suizid begangen.

Die Rechtsanwaltskanzlei Feigen Graf PartG mbB unter der Leitung von Dr. Andreas Minkoff stellte dem Gremium am Mittwoch den aktuellen Stand der Untersuchungsmaßnahmen und den weiteren Fortgang vor. Der Aufsichtsrat diskutierte diesen Bericht ausgiebig und nahm diesen schließlich zur Kenntnis. Aus dem Statusbericht und dem gegenwärtigen Kenntnisstand ergab sich keine Notwendigkeit zu sofortigen Entscheidungen des Aufsichtsrats.

Vorwürfe werden aus vielen Blickrichtungen betrachtet

 „Die Resonanz der Mitarbeitenden auf die Untersuchung empfinden wir als positiv“, sagte Dr. Andreas Minkoff. „Die Bereitschaft, sich im Rahmen von Aufklärungsgesprächen umfassend zu beteiligen, ist erfreulich hoch. Dies erlaubt uns, die im Raum stehenden Vorwürfe aus vielen Blickrichtungen zu betrachten.“ Auch von der seitens des Klinikums angebotenen Möglichkeit, an den Befragungen in Begleitung einer Vertrauensperson oder aber eines Rechtsbeistands, dessen Kosten das Klinikum trägt, teilzunehmen, machen einige Zeugen Gebrauch.

Darüber hinaus wenden sich Zeugen zunehmend auch pro-aktiv an Dr. Minkoff und sein Team, um ebenfalls einen Beitrag zur Untersuchung zu leisten. „Wir sind den Gesprächspartnern sehr dankbar für das Vertrauen, das in uns als unabhängige Aufklärer gesetzt wird“, so der Rechtsanwalt. „Die Mitarbeitenden des Klinikums, mit denen wir sprechen, vermitteln uns ein großes Interesse an der Aufklärung der Vorwürfe.“

Auch das angebotene Mediationsverfahren, welches sich an alle Mitarbeitenden auf freiwilliger Basis zur Aufarbeitung der aktuellen Krisensituation richtet, wird gut angenommen und hat vor allem die künftige Zusammenarbeit in den verschiedenen Bereichen des Klinikums im Fokus. 

Erstellung des Gutachtens und Zeugenbefragungen werden mehr Zeit erfordern

Neben der Sachverhaltsermittlung hatte zuletzt auch die Auswahl des medizinischen Gutachters, dessen Bewertung zwingender Bestandteil der Compliance Untersuchung ist, hohe Priorität.

„Die Suche nach einem renommierten, erfahrenen und unabhängigen Mediziner hat wegen der gebotenen Sorgfalt viel Zeit in Anspruch genommen“, erklärt Dr. Andreas Minkoff. Diese Suche ist inzwischen abgeschlossen, nun muss dem Gutachter ausreichend Zeit für eine gründliche Überprüfung eingeräumt werden.

„Wir werden die einzelnen Fälle auch unter Berücksichtigung der Informationen unserer zahlreichen Befragungen medizinisch begutachten und überprüfen lassen. Die gründliche Begutachtung unter Berücksichtigung aller Perspektiven wird an dieser Stelle einen zeitlichen Mehraufwand mit sich bringen“, erläuterte der Untersuchungsführer.

Auskunftsbereitschaft ist erfreulich hoch

Außerdem betonte der Rechtsanwalt die Absicht, dass sämtliche Zeugen – auch jene, die von sich aus auf das Untersuchungs-Team zukommen – gehört werden. „Unser Anspruch ist, tatsächlich mit allen Mitarbeitenden, die zur Aufklärung des Untersuchungsgegenstandes beitragen können, sprechen zu können. Da die Auskunftsbereitschaft erfreulich hoch ist und wir die für uns relevanten Vorgänge damit aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen können, ist abzusehen, dass wir mehr Zeit als ursprünglich erhofft benötigen werden. Denn schließlich ist es unsere Aufgabe, einen sorgfältig ermittelten, umfassenden und objektiven Bericht über die erhobenen Vorwürfe zu erstellen.“

Aufsichtsrat möchte Untersuchung bis Mitte Juli 2024 abgeschlossen haben

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikums Friedrichshafen bewertete den bisherigen Aufklärungsverlauf positiv. „Es ist gut zu hören, dass die Mitarbeitenden des Klinikums sich so offen und bereitwillig zeigen, an dieser wichtigen Untersuchung mitzuwirken“, fasste Andreas Brand im Anschluss zusammen. Der Aufsichtsrat zeigte auch Verständnis für den sich im Verlauf dieser Untersuchungen anbahnenden zeitlichen Mehrbedarf.

„Einerseits möchten wir die Vorwürfe, die das Klinikum und deren Mitarbeitenden belasten, so schnell wie möglich aufklären. Andererseits ist es von zentraler Bedeutung, dass diese Untersuchung umfänglich und gründlich vonstatten gehen kann und damit vor allem auch der medizinische Gutachter ausreichend Zeit für seine wichtige Aufgabe bekommt. Nur dann zeitigt sie ein Ergebnis, in das wir auch vertrauen dürfen.“

Der Aufsichtsrat hat Feigen Graf in der abschließenden Beratung darum gebeten, den Abschlussbericht der Untersuchung so vorzulegen, dass dieser bis zum Abschluss der aktuellen Legislaturperiode im Juli dieses Jahres beraten werden und die Untersuchung somit abgeschlossen werden kann. Zwischenzeitlich wird sich der Aufsichtsrat weiterhin regelmäßig über den Fortgang der Untersuchung informieren lassen.

(Quelle: Medizin Campus Bodensee)

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