Praxisschließung Die Gesundheitsversorgung wird schwieriger

Die Gesundheitsversorgung wird schwieriger
Verlierer der Schließung von Notfallpraxen sind u.a. Senioren, die nicht mehr mobil und somit auf Hilfe angewiesen sind (Bild: Pixabay)

Die Schließung von Notfallpraxen hat die Menschen in den betroffenen Regionen aufgewühlt. Alle Bemühungen der betroffenen Städte, dies zu verhindern, scheiterten. Aus unserer Region sind Bad Saulgau (Schließung 31. März 2025), Münsingen (Schließung 30. September 2025), Albstadt (Schließung 30. September 2025) und auch Tettnang betroffen.

Bei einer vor wenigen Tagen durch geführten Informationsveranstaltung in Tettnang räumte Dr. Doris Reinhardt (stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung des Landes, KVBW) ein, dass die Patienten bei Beschwerden zukünftig nach Friedrichshafen, Wangen oder Ravensburg fahren müssten, weil die Tettnanger Notfallpraxis zum 30 September schließt. In den Ersatzstandorten werde aber, so Reinhardt, bei deren Notfallpraxen zum einen die Kapazitäten ausgebaut und auch die Öffnungszeiten verlängert.

Zunehmende Probleme bei der Hausarztversorgung

Wie die KVBW einräumt, gerät die ärztliche Versorgung immer mehr in Schieflage. Deshalb sieht sich die KVBW zu Anpassungen gezwungen, denn im Ländle gibt es mittlerweile etwa 1.500 noch praktizierende Hausärzte, die bereits älter als 65 Jahre alt sind. Weil die Neigung der jungen Ärzte, eine Praxis zu übernehmen, eher gering ist, verschärft sich das Problem, wenn dieser älteren Hausärzte ihre Praxistätigkeit im Laufe der nächsten Jahre aufgeben. Schon jetzt fehlen in Baden-Württemberg 1.000 Hausärzte.

Bodenseekreis: Zukunft der Kliniken ungewiss

Für die Menschen im Raum Tettnang ist die Schließung der Notfallpraxis ein echtes Problem. Durch die Schieflage der Klinik in Friedrichshafen (Medizin Campus Bodensee) scheint auch die stationäre Versorgung vor einer ungewissen Zukunft zu stehen. Niemand vermag im Moment zu sagen, wie es mit den Kliniken in Friedrichshafen und Tettnang konkret weitergeht. Die Stadt Friedrichshafen will ihre Klinik an den Landkreis weitergeben, dessen Begeisterung hält sich aber in überschaubaren Grenzen, zumal schon wieder Finanzierungslücken in Millionenhöhe aufgetaucht sind. Gespräche zwischen Landkreis und der Stadt Friedrichshafen brachten, dem Vernehmen nach, noch immer kein Ergebnis.

Über die weiteren Entwicklungen bei der stationären Versorgung im Bodenseekreis werden wir berichten.

Sozialminister Lucha in der Kritik

Wie sieht es in den Städten der Region aus, deren Notfallpraxen schon geschlossen sind, oder bald geschlossen werden? Wir fragten bei Oberbürgermeister Roland Tralmer (Albstadt) und bei der Stadt Bad Saulgau nach.

In wenigen Tagen schließt die Notfallpraxis in Albstadt. Wie schwer dies Tralmer auf den Magen drückt, zeigt seine Stellungnahme: „Ich halte die Schließung der Notfallpraxis nach wie vor für einen großen Fehler. Insoweit habe ich auch kein Verständnis dafür, dass Sozialminister Manfred Lucha hier in keinerlei Weise von seinen Aufsichtsmöglichkeiten Gebrauch gemacht hat – es mag daran liegen, dass er im kommenden Jahr den Ruhestand anpeilt. In dieser schwierigen Situation haben die Kommunen leider keine direkte Handhabe – ich bin aber froh, dass es gelungen ist, eine Aufstockung in den vorhandenen Notfallpraxen in Balingen und Sigmaringen herbeizuführen und insbesondere die Notfallpraxis in Sigmaringen für die Bürgerinnen und Bürger Albstadts direkt zu öffnen.“

Für die Stadt Bad Saulgau antwortete Thomas Schäfers (Wirtschaft, Öffentlichkeit): „Wir können derzeit leider keine Stellungnahme abgeben!“