Am 15. Juni ist Veteranentag Warum es einen Gedenktag für Soldaten braucht

Warum es einen Gedenktag für Soldaten braucht
Prof. Dr. Jan Spies und Prof. Dr. Thomas Bippes von der SRH Fernhochschule. (Bild: SRH Fernhochschule)

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Der Beschluss der Regierung steht. Künftig gibt es einen Veteranentag. Warum ein solcher Gedenktag so wichtig ist, wie Soldaten und deren Angehörige vor und nach Einsätzen betreut werden und wie es generell um das Ansehen der Bundeswehr steht, erläutern Prof. Dr. Jan Spies und Prof. Dr. Thomas Bippes von der SRH Fernhochschule.

Unsere beiden Professoren sind bestens vertraut mit der Bundeswehr. Bippes ist nicht nur Professor für Medien, Kommunikation und Online-Marketing, der Oberstleutnant d.R. ist heute in der Informationsarbeit der Bundeswehr aktiv und war nach dem Studium grundwehrdienstleistender Redakteur im Presse- und Informationsstab des Bundesministeriums der Verteidigung.

Prof. Dr. Jan Spies ist ebenfalls Oberstleutnant d.R.. Sein Beorderungsdienstposten ist im Psychotraumazentrum der Bundeswehr im Bundeswehrkrankenhaus Berlin. Dort forscht er im Bereich der Belastungen und Behandlungen von Bundeswehrsoldaten mit Schwerpunkt auf Einsatzfolgestörungen wie der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Der Psychologische Psychotherapeut und Psychotraumatherapeut hält an der SRH Fernhochschule – The Mobile University eine Professur für Psychologie.

10 Millionen deutsche Soldaten

Bereits im April wurde entschieden, dass der 15. Juni künftig dem Gedenken der Soldatinnen und Soldaten gewidmet werden soll. Dieser Tag soll den etwa zehn Millionen Männern und Frauen, die jemals in der Bundeswehr gedient haben oder noch dienen, Respekt und Anerkennung zollen. Doch warum braucht es den eigentlich?

Ambivalentes Ansehen der Bundeswehr

Prof. Dr. Jan Spies, weist auf die historische Ambivalenz in der deutschen Bevölkerung gegenüber der Bundeswehr hin. Diese Wurzeln reichen bis zur Diskussion über die Wiederbewaffnung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Trotz Schwankungen im Ansehen der Bundeswehr hat sich dieses durch den Überfall Russlands auf die Ukraine deutlich verbessert. Laut aktuellen Umfragen befürworten knapp zwei Drittel der Deutschen die Erfüllung der NATO-Vorgabe, 2 % des BIP für Verteidigung auszugeben.

Prof. Spies erläutert zudem, dass laut aktuellen Studien etwa 10 % der Bevölkerung bereit wären, Deutschland selbst mit der Waffe zu verteidigen. Prof. Dr. Bippes ergänzt: „Wohlwollen und Sympathie gegenüber der Bundeswehr wachsen. Eine breite Mehrheit in der deutschen Bevölkerung hat mittlerweile eine positive Einstellung zur Bundeswehr. Ich erlebe das selbst als aktiver Reservist.“

Die Motivation der Soldaten und die Bedeutung des Veteranentages

Jede:r zehnte Deutsche wäre also bereit, sich der Bundeswehr zu verpflichten. Und damit für verschiedenste Tätigkeiten und Einsätze zur Verfügung zu stehen. Was ist die Motivation dieser Menschen freiwillig in den Krieg zu ziehen?

Prof. Spies erklärt, wieso die Motivation differenziert betrachtet werden muss: „Freiwillig in den Krieg zu ziehen ist insbesondere mit Blick auf die Bundeswehr eine schwierige Formulierung, da die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist. Das bedeutet, dass ein Einsatz immer durch eine breite demokratische Willensbildung zustande kommt. Im Einsatz gibt es zudem klare Einsatzregeln, die jeweils vom Mandat abhängen. Bei einem Bündniseinsatz werden diese bspw. von der NATO vorgegeben. Häufig genannte Gründe in der Bundeswehr zu dienen, sind die innere Überzeugung und der Glaube an ein Leben in Freiheit und Würde, letztlich die Verteidigung unserer Freiheitlich demokratischen Grundordnung. Dies beinhaltet auch die Überzeugung, die eigene Familie und Freunde zu verteidigen. In Kampfhandlungen sind die eigenen Kameraden und der Einsatz für diese häufig ein wichtiger Motivator. Die Sinnfrage ist laut Befunden und Beispielen in der Geschichte auch oftmals mitentscheidend, da damit Einsatzbereitschaft und Kampfeswille einhergehen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass mit einer Verpflichtung bei der Bundeswehr lange Zeit eine Tätigkeit in Friedenszeiten geplant war.“

Betreuung und Nachsorge für Veteranen

Apropos Gesundheit: Einsatzrückkehrer:innen erhalten umfassende medizinische und psychologische Nachsorge, die im Soldaten- und Bundesversorgungsgesetz geregelt ist. Prof. Spies erklärt, dass die Versorgung für Posttraumatische Belastungsstörungen und andere psychische Störungen mittlerweile als sehr gut bezeichnet werden kann. Und die Einführung eines Veteranentages hätte auch positive gesundheitliche Effekte.

Spies: „Befunde aus der Forschung zur einsatzbezogenen Posttraumatischen Belastungsstörung bei Veteranen, einschließlich eigener Daten von Bundeswehrsoldaten, zeigen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der fehlenden sozialen Anerkennung als Überlebender und der Entstehung einer PTBS bzw. dem Schweregrad der Störung gibt. Das Vorhandensein von sozialer Anerkennung kann umgekehrt ein Resilienzfaktor bei Veteranen sein. Daher ist die Einführung des Veteranentages auch aus traumatherapeutischer Sicht sehr zu begrüßen.“

Anerkennung und Unterstützung der Bundeswehr

Prof. Dr. Thomas Bippes unterstreicht die Bedeutung des neuen Gedenktages für die öffentliche Wahrnehmung der Bundeswehr. Die deutsche Bevölkerung zeigt zunehmend Wohlwollen und Sympathie gegenüber der Bundeswehr, insbesondere durch aktuelle geopolitische Entwicklungen. Der Veteranentag soll nicht nur der Würdigung dienen, sondern auch auf die Notwendigkeit einer besseren Rehabilitation und Unterstützung von Soldatinnen und Soldaten und ihren Familien hinweisen.

Der 15. Juni als symbolischer Tag – Doch erst ab 2025

Bippes erklärt auch, warum der 15 Juni als Gedenktag gewählt wurde. Der aktive Reservist erklärt: „Der Veteranentag fällt auf den 15. Juni, weil an diesem Tag im Jahr 2019 zum ersten Mal ein Veteranenabzeichen verliehen wurde. Nach Vorstellung der Veteranen soll der Tag als familienfreundliches Volksfest begangen werden. Laut dem gemeinsamen Antrag der Ampelparteien und der Union für die Einführung des Veteranentages soll ein zeitgemäßes Konzept dazu erarbeitet werden, das 2025 umgesetzt werden soll.“

Forderungen und Hoffnungen

Mit der Einführung des Veteranentages verbinden sich Hoffnungen auf mehr Anerkennung und Wertschätzung für die Bundeswehr und eine bessere Betreuung traumatisierter Soldaten und ihrer Angehörigen. Dass es diese gibt, lässt sich auch in Zahlen bemessen: im psychischen Bereich zeigte sich für die Posttraumatische Belastungsstörung eine Inzidenz von 1 %, bei einer 12-Monatsprävalenz von 2-3%, wobei bei diesen Zahlen von einer gewissen Dunkelziffer auszugehen war.

Weitere Störungen konnten ebenfalls entdeckt werden. In etwa 80 % der Familien traumatisierter Soldaten kommt es in der Folge zu psychischen Belastungen. Die Einführung des Veteranentages soll auch diesen Familien mehr Unterstützung und Anerkennung bringen. Denn wer bereit ist, sein Leben zum Schutz des eigenen Landes zu riskieren, soll am Ende auch für diese Bereitschaft und den Einsatz Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Damit wäre vielen Bundeswehrangehörigen schon sehr geholfen.

(Pressemitteilung: SRH Fernhochschule)