Unwürdige Fortsetzung des Riedlinger Theatersommers

Unwürdige Fortsetzung des Riedlinger Theatersommers
Bürgermeister Marcus Schafft, Riedlingen, musss sich wegen seiner Abwesenheit beim Riedlinger Theatersommer Kritik anhören.

Das Riedlinger Sommertheater war ein echter Kracher. Die Akteure begeisterten mit ihrer Spielfreude Abend für Abend hunderte Zuschauer. Weil Bürgermeister Marcus Schafft an keiner Aufführung anwesend war, führt dies jetzt zu Turbulenzen in der Stadt.

Schon bei der Pressekonferenz zum Theatersommer ließ sich Schafft entschuldigen. Bei der Premiere staunten die Zuschauer, dass sich die Ehrenbürger Dr. Wilfried Steuer und Prof. Winfried Assfalg mit ihren Ehefrauen das Geschehen nicht entgehen ließen, Riedlingens Bürgermeister jedoch fehlte. In Vertretung übernahm sein Stellvertreter Joachim Reis die Aufgabe, den Akteuren für ihre grandiose Darbietung zu danken. Reis sprach von einer Termin-Kollision, die eine Anwesenheit von Schafft verhindert habe.

So weit, so gut. Zu diesem Zeitpunkt ahnte wohl niemand, dass diese Termin-Kollisionen sich über die weiteren sechs Aufführungen erstrecken würden. Eine Nachfrage bei den Machern ergab, dass Schafft bei keiner Aufführung dabei war.

Nun kursiert in den sozialen Medien ein Plakat, in dem für Schafft eine achte Aufführung angekündigt wird. Die Kritik am Bürgermeister ist dabei deutlich formuliert, die Wortwahl sicher bitterböse. Mittlerweile hats sich Reis in die Diskussion eingeschaltet und seine persönliche Wertung dazu abgegeben. In seiner Stellungnahme spricht er von Mobbing und „beleidigten Leberwurstverhalten“ gegenüber dem Bürgermeister das von „moralisierend Unfehlbaren und Gerechten“ stamme. Gleichzeitig fordert er die Theaterschaffenden auf, sich davon zu distanzieren.

Weiß Reis über die Urheber mehr, als er im Schreiben zum Ausdruck bringt? Wir wissen es nicht, eines jedoch ganz genau, es ist ein unwürdiger Abschluss des mit Recht so gefeierten Theatersommers.

Joachim Reis, stellvertretender Bürgermeister, versucht in den sozialen Medien Bürgermeister Schafft in Schutz zu nehmen.
Joachim Reis, stellvertretender Bürgermeister, versucht in den sozialen Medien Bürgermeister Schafft in Schutz zu nehmen.

Mehr als ein Sturm im Wasserglas

Da hat sich wohl etwas zusammengebraut. Mit einem Schlag gerät Riedlingens Bürgermeister in der Öffentlichkeit so richtig in die Schusslinie. An keinem der Theaterabende anwesend zu sein ist zwar seine persönliche Entscheidung, sie muss den Bürgern aber nicht gefallen. Es ist nicht weniger als eine Geringschätzung der Theatermacher und der spielenden Akteure. Kaum ein anderer Bürgermeister im Ländle würde sich einen solchen Affront gegenüber seiner Stadt/Gemeinde leisten. Es scheint, als ob der aus Hessen stammende Schafft noch immer nicht die Mentalität der Oberschwaben kennt, oder ob sie ihm letztlich auch egal sind. Ein oberschwäbischer Bürgermeister kennt keine 38,5 Stunden-Woche, er ist eigentlich im ständigen Einsatz für seine Bürger. Über Dr. Wilfried Steuer, Ehrenbürger der Stadt, hieß es zu dessen Landrats-Zeiten: „Keine Feier ohne Steuer!“

So in etwa sieht auch die Erwartungshaltung der Oberschwaben an ihren Bürgermeister aus. Bei Schafft ist da sicher noch Entwicklungspotenzial, das die Gemeinderäte von ihm dringlich einfordern sollten. Sonst bleibt der Eindruck, dass Schafft zwar genau weiß, welche Rechte er hat, ihm aber „lästige Verpflichtungen“ ohne Rücksicht auf Verluste egal sind. Was ist aus seinem Wahl-Slogan 2013 geworden? „Gemeinsam schafft man mehr,“ propagierte er damals. Er nimmt billigend in Kauf, dass der schon damals alle anderen meinte, sich selbst wohl eher nicht.