Ein Kommentar Schafft ist keine lokalpolitische Lokomotive

Schafft ist keine lokalpolitische Lokomotive
Das Ambulante Medizinische Dienstleistungszentrum (AMD) in Riedlingen steht im Mittelpunkt der Diskussion um die künftige ärztliche Versorgung der Stadt. (Bild: Maximilian Kohler)

Wer den Unternehmer Roland Schlegel (Baumschulen Schlegel, Riedlingen) kannte, wurde am vergangenen Samstag sofort an ihn erinnert. Bei vielen Versammlungen hatte Schlegel immer wieder betont: „Eine Verwaltung verwaltet, aber sie gestaltet nicht!“ Diese Betrachtungsweise traf am Samstag auf Bürgermeister Marcus Schafft zu.

Statt manchen (benachbarten) Amtskollegen nachzueifern, die bei der Verbesserung der Gesundheitsversorgung für ihre Bürger echte Meilensteine setzten, gefällt sich das Riedlinger Stadtoberhaupt in der Moderatorenrolle. Dies hatte er schon vor seiner ersten Wahl (2013) angekündigt. Anscheinend sind ihm bis heute die Tugenden und das Selbstverständnis der oberschwäbischen Bürgermeister nicht bewusst oder er negiert sie einfach. Die Vorreiterrolle und Lokomotive für wichtige Belange der Stadt und ihrer Bürger übernimmt er damit nicht.

Ein Klopper war das Eingeständnis, dass für die Rechtsberatung zum Ärztehaus von der Stadt 700.000 Euro ausgegeben wurden. Aus den Antworten und Statements von Schafft wurde aber auch deutlich, dass das nicht das Ende der Fahnenstange bei den Ausgaben für eine Rechtsberatung sein muss. Das Stadtoberhaupt äußerte sich vage und erinnerte in seiner Vorsichtigkeit an einen Menschen, der sich auf dünnstem Eise bewegt. Den Teilnehmern der Veranstaltung konnte er nicht den Eindruck vermitteln, dass er mit Herzblut und Leidenschaft das Thema Gesundheitsversorgung vorantreiben will. Im Gegenteil!

Noch ein Klopper war, dass bei der Besichtigung der Operationsräume offenkundig wurde, welch abstruse Forderungen die Rechtsberatung für den OP-Trakt festschrieb. Von diesen Beratern wurde verlangt, dass für einen OP-Saal Platz für ein Da-Vinci-Operationssystem (Roboter) vorzusehen sei. Welch ein Irrsinn! So ein Roboter kostet in der Anschaffung 1,5 Millionen Euro, die jährlichen Wartungskosten belaufen sich auf 300.000 Euro. In keinem privaten, ambulant betriebenen OP-Center wird so ein Roboter eingesetzt werden, weil die Kosten unternehmerisch nicht darstellbar sind. Als Folge dieser Vorgabe musste das Gebäude drei Meter länger gebaut werden.

Ein Rechenbeispiel zeigt, wie das Geld für Berater besser eingesetzt worden wäre. Rund 400.000 Euro für die Innenstadtentwicklung und Genussmanufaktur wurden ausgegeben, die erwähnten 700.000 Euro für die Rechtsberatung beim AMD. Mit dieser Gesamtsumme hätte die Stadt gut 300 Quadratmeter Fläche für die Ansiedlung weiterer Ärzte im Neubau kaufen können.

Die Stadt befindet sich im Wettbewerb mit anderen Kommunen, die Ärzte mit subventionierten Mieten für weitere Praxen anlocken. Wenn Riedlingen diesen Schritt nicht wagt, dann gehen bald auch bei der Gesundheitsversorgung der Menschen im Donaustädtchen langsam, aber sicher die Lichter aus.

Einen Eindruck konnte man bei der Versammlung auch gewinnen: Die Bürger haben das Warten satt, sie wollen endlich eine bessere Gesundheitsversorgung, denn sie ist in Riedlingen schon jetzt knapp am Notstand.

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