Otto Minsch erhält den Kulturlandschaftspreis 2026
Otto Minsch (Bad Schussenried) wurde mit dem diesjährigen Kulturlandschaftspreis ausgezeichnet. Der Schwäbische Heimatbund, die Sparkassen-Finanzgruppe und die Sparkassen-Stiftung Umweltschutz würdigen mit diesem Preis herausragende Verdienste für den Erhalt und die Pflege der Kulturlandschaft. Die Auszeichnung wurde bei einem von Sonja Faber-Schrecklein moderierten Festakt in Tübingen verliehen.

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Freier Redakteur
Dr. Volker Kracht, Juryvorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes, hob die Leistung des Hobbygeologen Minsch hervor, der auf der Atzenberger Höhe ein ausgeklügeltes Wasserversorgungssystem aus dem Mittelalter wiederentdeckt, erforscht und die dabei gewonnenen Erkenntnisse veröffentlicht hat.
Kracht betonte, dass an diesem Bauprojekt wohl Hunderte Menschen mitgebaut hätten. Erst mit der Überwindung der Endmoräne gelang es, genügend Wasser zu den Mühlen zu leiten.
Das Projekt von Minsch überzeugte die Jury. Der Juryvorsitzende Kracht bezeichnete es bei der Ehrung als „konkurrenzlos“ unter den 30 Einsendungen.
Spuren eines komplexen Wassersystems
Minsch erläutert, wie er auf das Kanalsystem stieß: „Die Entdeckung des ganzen Mühlbachkanalsystems war für mich eine große Überraschung.
Ich kannte nur das Bächlein zwischen Hopferbach und Reichenbach, das wenig Wasser führte und auch von den Anwohnern kaum wahrgenommen wurde. Doch dieses Rinnsal trug als reißender Bach während des Starkregenereignisses von 2021 dazu bei, dass Teile von Hopferbach unter Wasser standen. Meine Neugier war geweckt: Warum hatten die Wassermassen sich auf das Dorf konzentriert?“
Damit waren Neugier und Interesse des Hobbygeologen geweckt. „Die Suche nach der Ursache ließ mich nicht mehr los. Ich vermutete, dass die Erklärung in der Geologie des Moränenhügels zwischen Atzenberger Höhe und Hopfenbach liegen könnte. Bei der Erforschung dieses Gebiets stieß ich auf Spuren der Überreste eines komplexen Wasserversorgungssystems, das die Mühlen in Reichenbach und Kappel/Buchau vom Mittelalter bis zur Neuzeit antrieb. Die wasserreiche Atzenberger Höhe, Toteisseen, verlandete Weiher und Kanäle, überwachsene Gräben fügten sich Steinchen für Steinchen zum Mosaik zusammen. Es zeigte sich, dass das System ein Teil des 14,7 km langen Mühlbachkanals vom Atzenberg bis zum Federsee ist“, erklärt Minsch seine Erkenntnisse.
Viele Hände trugen zum Erfolg bei
Ohne Helfer und Unterstützer wäre diese Arbeit und letztlich auch der Erfolg seiner Nachforschungen nicht möglich gewesen. „Zum Glück fand ich immer wieder tatkräftige Helfer, insbesondere vom Albverein, vor allem dessen Vorsitzenden Paul Koch, der Stadtverwaltung, Bürgermeister Erwin Promoli und dem Bauhof. Mein Dank gilt dem Kieswerk Rieger und der Firma Thomas Köhle (Garten- und Landschaftsbau), die Findlinge gespendet haben. Positiv eingebracht hat sich auch Erich Krug, der die Informationstafeln schweißte. Einen wichtigen Beitrag leistete die Firma Werbewasser, mit der wir den Inhalt der Tafeln gestalteten. Nicht zuletzt möchte ich meiner Familie, meinen Neffen und den Nachbarn meinen Dank aussprechen. Sie alle haben mir geholfen, die verschütteten Gräben freizumachen und vor allem die Brennnesseln abzumähen“, erinnert der Geehrte an deren wertvolle und arbeitsreiche Unterstützung.
Weitere Unterstützung erfuhr Minsch durch die Forstverwaltung, namentlich von den Förstern Holzapfel, Elser und Bliestle, und vom oberschwäbischen Mühlenexperten Dr. Lutz Dieterich Herbst. Sein abschließender Dank gilt dem Geologiezirkel Biberach und der Kreissparkasse: „Beim Zirkel habe ich gelernt, in der Landschaft zu lesen, der Sparkasse bin ich für die Geldspende zu Dank verpflichtet.“
Ein Blick auf die Schwerstarbeit vor Jahrhunderten
Als Otto Minsch den Überblick über die gesamte Wasserbewirtschaftung der damaligen Zeit erlangt hatte, wurde ihm bewusst, welche Herausforderung den damaligen Arbeitern am Kanal abverlangt wurde. Minsch kann nur ahnen, welche Leistungen damals erbracht wurden: „Monate und Jahre mussten die Menschen mit Holzschaufeln riesige Erdbewegungen leisten. Diese Schwerstarbeit bei Wind und Wetter können wir uns gar nicht vorstellen. Die Aufdeckung dieses mittelalterlichen Kanalsystems ist auch eine Verneigung vor den Menschen jener Zeit. Diese historische Wasserbewirtschaftung macht uns auch bewusst, welche Fortschritte die Menschheit gemacht hat. Welche Erleichterung brachten die vielen Erfindungen zur Lebensbewältigung! Wir dürfen nahezu doppelt so lange leben wie die Menschen des Mittelalters.“
Das Preisgeld geht an den Albverein
Auch zur Auszeichnung durch die Jury äußerte sich Minsch: „Dass meine jahrelange Arbeit mit einem Kulturlandschaftspreis 2026 gekrönt wurde, erfüllt mich mit Freude. Hier gebührt mein Dank dem Schwäbischen Heimatbund, dessen Geschäftsführer Dr. Bernd Langner und dem Juryvorsitzenden Dr. Volker Kracht, der sich als Geologe intensiv mit meinem Projekt auseinandersetzte.“
Auch über die Verwendung des Preisgeldes hat Otto Minsch bereits entschieden: „Da mir der Schwäbische Albverein, Ortsgruppe Bad Schussenried, bei all meinen Projekten – 48. Breitengrad, geologischer Lehrpfad, Panoramatafel, Tafel am Totenbühl – beigestanden ist, spende ich das Preisgeld dem Verein zum Erhalt der Projekte.“
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- Erstmals veröffentlicht
- 04.11.2026, 13:39 Uhr





