Unterschriftensammlung Albverein erhebt größte Bedenken gegen die Windräder

Albverein erhebt größte Bedenken gegen die Windräder
Der Albverein Bad Schussenried befürchtet bei der Errichtung von Windrädern auf der Atzenberger-Höhe starke Eingriffe in die Geologie und negative Folgen für die Trinkwasserspeicher der Region (Symbolbild: Pixabay)

Am Dienstag, 9. Dezember, endet das Beteiligungsverfahren zum umstrittenen Windpark Atzenberger Höhe. Viel Zeit für das „Gehört werden“ ist also nicht mehr.

Wochenblatt Media fragte bei ForstBW (Forst Baden-Württemberg) nach dem Planungsstand. Jérémie Lux (stv. Unternehmenssprecher) teilte dazu mit: „Der ‚Windpark Bad Schussenried‘ ist seit Mai 2025 an das Unternehmen SOWITEC verpachtet. Es wurde ein Antrag auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung nach § 6 WindBG eingereicht. Derzeit wird die Fläche von SOWITEC genauer untersucht, um die Genehmigungsunterlagen zu vervollständigen. Für detaillierte Informationen verweisen wir auf das zuständige und umsetzende Unternehmen SOWITEC.“ Von der ebenfalls kontaktierten Firma SOWITEC liegt noch keine Stellungnahme vor.

Bedenken des Albvereins

Der Schwäbische Albverein, Ortsgruppe Bad Schussenried, erhebt größte Bedenken gegen die geplante Errichtung der Windkraftanlage mit vier Windrädern auf der Atzenberger Höhe. Beim Familienabend des Albvereins vergangenen Samstag hat sich nach dem Lichtbilder-Vortrag von Otto Minsch eine große Mehrheit gegen die Ausweisung dieses Gebiets als Vorrangfläche für Windkraftanlagen ausgesprochen.

Die Atzenberger Höhe ist Wassereinzugsgebiet einer ganzen Region und damit auch Reservoir für die Wasserversorgung der hier lebenden Menschen. Die Atzenberger Wassergruppe, insbesondere Hopferbach, bezieht ihr Wasser von diesem Moränenhügel.  Wegen seiner Bedeutung ist ein Großteil der Atzenberger Höhe auch Wasserschutzgebiet.

Schussenried bezog ihr Wasser jahrhundertelang bis zum Jahr 1900 vom Schorren, aus dem Gebiet zwischen heutiger Buchauer Straße und Schillerstraße. Durch die Bebauung ließen die Wasserquellen nach. Bei der Kanalisation der Schillerstraße Ende der 60-er Jahre versiegte die letzte Quelle des Schorrenhanges im Stadtviertel „ Zinken“.

Die menschlichen Eingriffe in die geologische Struktur der Würmendmoräne um Bad Schussenried, zu der Schorren und die Atzenberger Höhe gemeinsam gehören, haben Wunden hinterlassen:

Noch vor etwa 50 Jahren befanden sich zahlreiche Toteislöcher und Feuchtbiotope auf dem von der Würmeinzeit geprägten Höhenzug. Diese sind inzwischen weitgehend verschwunden, weil durch die Bebauung im unteren Hangbereich die ganzen Quellhorizonte zerstört worden sind. Nur am Atzenberger Höhe und dem Langholz sind sie erhalten geblieben.

Noch vor etwa 50 Jahren befanden sich zahlreiche Toteislöcher und Feuchtbiotope auf dem von der Würmeinzeit geprägten Höhenzug.
Noch vor etwa 50 Jahren befanden sich zahlreiche Toteislöcher und Feuchtbiotope auf dem von der Würmeinzeit geprägten Höhenzug. (Foto: Otto Minsch)

Gute Gründe für den Widerstand

  • Windräder würden eine weitere Zerstörung bedeuten. Weil ihre Betonsockel tief gegründet werden müssen, werden die ganzen Lehmschichten durchschnitten und die Wasserspeicherung damit unwiederbringlich zerstört.
  • Die Natur auf der Atzenberger Höhe. gekennzeichnet durch viele Toteislöcher und Feuchtgebiete, wäre in der Folge ernsthaft gefährdet. Auch können bei Erdarbeiten und Fundamentgründungen Schadstoffe ins Grundwasser eindringen.
  • Naturschutz wie auch die Trinkwasserversorgung sind mit einem Windkraftstandort unvereinbar.

Der Albverein Ortsgruppe Bad Schussenried bittet darum, dass sich viele Bürger an der Unterschriftenaktion beteiligen.

Unterschriften werden im Bäckerstüble gesammelt

Der Vorsitzende des Bad Schussenrieder Albvereines, Paul Koch, ist an den beiden kommenden Samstagen (29. November und 6. Dezember) zwischen 10 und 12 Uhr im Bäckerstüble am Marktplatz. Hier können die Bürger mir ihrer Unterschriften die Aktion unterstützen. Kontakt: [email protected]. Die Unterschriften werden an den Regionalverband Donau-Iller 89073 Ulm weitergeleitet. Das Beteiligungsverfahren endet am 9. Dezember 2025.

Weitere Erläuterungen

Schon seit über 25 Jahre engagiert sich Otto Minsch, Mitglied im Schwäbischen Albverein, mit der Geologie der Gegend. Als langjähriges Mitglied des Biberacher Geologiezirkels, hat er mit der damaligen Leiterin, Dipl.-Ing. Altenschmidt, bereits 2009 den Schussenrieder Geologischen Lehrpfad erstellt. 2016 wurde vom Albverein eine Panoramatafel errichtet. Über die Landschaft veröffentlichte Minsch im BC-Heft Artikel zur Geologie: „Die Landumformung in der Würmeiszeit; (2017/2) Der Mühlbach von Hopferbach bis Buchau, eine großartiges Wasserbauwerk und Hauptader eines komplexen Wasserversorgungssystems (BC2022/2); Schussenried-ein Brunnenort (BC2024/2).“