Lindau plant weitere Maßnahmen gegen zunehmende Sommerhitze auf der Insel. Vorgesehen sind unter anderem neue Bäume, Trinkwasserbrunnen und Wetterstationen.
Eine kleinräumige Hitzekarte zeigt deutliche Temperaturunterschiede auf der Lindauer Insel. Besonders hohe Werte wurden nicht nur auf stark sonnenexponierten und versiegelten Flächen festgestellt. Auch dicht bebaute Bereiche, die weniger von der kühlenden Wirkung des Sees und der Seewinde profitieren, weisen teilweise hohe Temperaturen auf.
Der Stadtrat hat deshalb in seiner Sitzung am Mittwoch, 30. September, weitere Schritte zur Klimawandelanpassung beschlossen. Grundlage ist das Integrierte Energetische Quartierskonzept für die denkmalgeschützte Insel, das neben der künftigen Energie- und Wärmeversorgung auch Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels untersucht.
Baum und Trinkwasserbrunnen geplant
Um die Datengrundlage zur Hitzebelastung zu verbessern, soll die Verwaltung die Installation von Wetterstationen vorbereiten. Zunächst werden geeignete und repräsentative Standorte definiert und anschließend dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt. Dabei soll auch geprüft werden, inwieweit bereits vorhandene Wetterdaten genutzt werden können.
Parallel sind konkrete Maßnahmen vorgesehen. Am Therese-von-Bayern-Platz soll im Herbst oder Winter 2026 ein Baum gepflanzt werden. Zwei Trinkwasserbrunnen sind für das Frühjahr 2027 geplant: einer am Sportband auf der Hinteren Insel und einer am Seehafen.
Wärmeversorgung bleibt offen
Das Energetische Quartierskonzept kommt zu dem Ergebnis, dass eine schrittweise Energiewende auf der Insel trotz der besonderen Anforderungen des Denkmalschutzes grundsätzlich möglich ist. Als eine Möglichkeit für eine treibhausgasarme Wärmeversorgung wurde die Nutzung von Seethermie untersucht.
Das Konzept liefert dazu erste datenbasierte Erkenntnisse, unter anderem zur Wärmebedarfsdichte und zu möglichen Anschlussquoten. Ob Seethermie technisch und wirtschaftlich geeignet ist, soll im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung weiter untersucht werden. Diese wird von den Stadtwerken Lindau im Auftrag der Stadt vorangetrieben und betrachtet das gesamte Stadtgebiet.
Eine Entscheidung für eine bestimmte künftige Wärmeversorgung der Insel ist mit den aktuellen Beschlüssen ausdrücklich nicht verbunden. Die weitere Planung soll technologieoffen erfolgen.
Denkmalschutz spielt wichtige Rolle
Klimaschutz und Klimaanpassung müssen auf der Insel zugleich mit Denkmalschutz, historischer Stadtstruktur und archäologischen Besonderheiten vereinbart werden. Gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) soll deshalb ein Kommunales Denkmalkonzept entstehen.
Dieses soll städtebauliche Leitlinien und konkrete bauliche Lösungen für die künftige Wärme- und Energieversorgung sowie die Klimawandelanpassung entwickeln. Auch Hitzevorsorge und Solarenergie sollen berücksichtigt werden.
„Mit dem Kommunalen Denkmalkonzept wollen wir die verschiedenen Themen zusammenbringen: Energieversorgung, Klimawandelanpassung, Photovoltaik, Städtebau, Denkmalschutz und Archäologie. Ziel ist es, frühzeitig Leitplanken zu schaffen, damit notwendige Maßnahmen später nicht an ungeklärten Rahmenbedingungen scheitern“, so Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons.
Eine besondere Rolle spielt die Archäologie, da sich auf der Insel flächendeckend ein Bodendenkmal befindet. Eine frühzeitige Abstimmung soll Konflikte bei späteren Leitungs- und Infrastrukturmaßnahmen vermeiden. Zudem ist ein denkmalfachliches Solarflächenkataster als Grundlage für die Beurteilung von Photovoltaikanlagen im historischen Ensemble vorgesehen.
Die nächsten Schritte der Kommunalen Wärmeplanung sollen regelmäßig im Bau- und Umweltausschuss vorgestellt werden. Eine öffentliche Auftaktveranstaltung soll in Abstimmung mit den übrigen Gemeinden im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Lindau zeitnah terminiert werden.
Langfristig verfolgt Lindau mit dem Quartierskonzept das Ziel, die Insel klimaneutral zu entwickeln und damit zur angestrebten Klimaneutralität bis 2035 beizutragen. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite der Stadt Lindau.
(Quelle: Stadt Lindau)