Hitze und Trockenheit setzen Stadtbäumen in Deutschland stark zu. Der BUND erklärt, wann zusätzliches Gießen sinnvoll ist und was Bürger dabei beachten sollten.
Für Bäume ist der Lebensraum Stadt ein Extremstandort. Viele haben mit verdichteten Böden, zu kleinen Baumscheiben – dem freien Bereich rund um den Baum –, Nährstoffarmut und Schadstoffen zu kämpfen. In den vergangenen Monaten kamen starke Hitze und Trockenheit hinzu.
Insbesondere junge Bäume und Flachwurzler erreichen das Grundwasser nicht und sind deshalb häufig auf eine zusätzliche Wasserversorgung angewiesen.
So lässt sich Trockenstress erkennen
Erlebt ein Baum mehrere Trockensommer hintereinander, wird er geschwächt. Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig zu handeln. Erste Anzeichen für Trockenstress sind eingerollte und vergilbte Blätter. In diesem Stadium kann Gießen noch helfen.
In letzter Konsequenz wirft der Baum seine Blätter ab. Ab diesem Zeitpunkt ist eine Wasserzufuhr laut BUND nicht mehr sinnvoll, da mit dem Laub auch das Potenzial zur Wasseraufnahme verloren geht und der Baum höchstwahrscheinlich abstirbt.
„Durch die anhaltende Trockenheit werfen selbst gesunde Bäume ganze Äste ab, sogenannte Grünastbrüche. Das kann zu einer Gefahr für Menschen und Tiere werden“, beschreibt Daniel Hoffmann, Forstwirt und BUND-Ehrenamtlicher aus Straubenhardt.
Wann zusätzliche Hilfe sinnvoll ist
Bei langanhaltender Trockenheit benötigen vor allem jüngere Bäume Unterstützung, weil sie sich noch nicht über tiefe Wurzeln mit Wasser versorgen können. Stehen noch Pflanzstäbe am Baum, kümmert sich allerdings bereits eine Pflegefirma um die jungen Bäume.
Auch ältere Stadtbäume können unter Umständen Hilfe benötigen. Das gilt insbesondere, wenn ihnen für ihre Größe zu wenig Platz für die Wurzeln zur Verfügung steht oder sie schlecht an Wasser herankommen. Eine sehr kleine Baumscheibe kann darauf hinweisen.
„Bevor Naturschützer*innen auf eigene Faust Stadtbäume gießen, sollten sie beim städtischen Grünflächenamt nachfragen, ob Unterstützung gewünscht ist und ob es etwas zu beachten gibt“, rät Daniel Hoffmann, „beispielsweise darf bei Lehmböden nicht zu viel gewässert werden.“
So werden Straßenbäume richtig gegossen
Nach Rücksprache können Bürger Kommunen und Städte während besonders trockener Perioden zeitweise beim Gießen unterstützen. Einige Orte und Bezirke organisieren dafür offizielle Gießpatenschaften. Informationen zu den Empfehlungen vor Ort finden sich meist auf den Internetseiten der Grünflächenämter.
Während einer Trockenphase sollte etwa einmal pro Woche regelmäßig gegossen werden. Wie viel Wasser die jeweilige Baumart benötigt, können die Grünflächenämter mitteilen.
Häufig kleine Mengen zu gießen, ist dagegen nicht sinnvoll. Das Wasser sickert dann nicht tief genug ein und der Baum wird angeregt, oberflächlich zu wurzeln. Hilfreich ist es, die Erde rund um den Baum zunächst langsam anzufeuchten, damit sie das Wasser besser aufnehmen kann.
Gießringe können das Wasser länger in Baumnähe halten. Oft reicht bereits ein Ring aus Erde, der einige Handbreit vom Stamm entfernt rund um den Baum angelegt wird.
Am besten wird frühmorgens oder spät am Abend gewässert, wenn es nicht mehr so heiß ist. Nach Möglichkeit sollten Regen- und Brauchwasser genutzt werden. Einige Städte verfügen zusätzlich über öffentliche Wasserpumpen. Mit Trinkwasser sollte sparsam umgegangen werden.
Kommunen können Bedingungen verbessern
Der Erhalt von Straßen- und Parkbäumen durch Städte und Kommunen gehört laut BUND zu den wichtigsten Anpassungsmaßnahmen an die Klimaerwärmung. Neben kurzfristiger Hilfe empfiehlt der Umweltverband, Verbesserungsvorschläge für den langfristigen Schutz grüner Infrastruktur direkt an Abgeordnete, Bürgermeister und Gemeinderäte zu schicken. Auch Vermieter verwalten große Flächen und können angesprochen werden.
Mögliche Maßnahmen sind die Entsiegelung von Wegen und Plätzen, damit mehr Wasser im Boden gespeichert werden kann, sowie das Aufstellen von Regenwassertanks zum Gießen. Größere Baumscheiben und Grünstreifen können Bäumen mehr Raum geben.
Der BUND empfiehlt außerdem eine dauerhafte Bepflanzung mit geeigneten heimischen Bodendeckern. Diese schützen den Boden vor Verdunstung und bieten Insekten Nahrung und Lebensraum.
Klimawandel verstärkt Hitze und Trockenheit
Durch den sich beschleunigenden Klimawandel werden die Sommer in Deutschland langfristig immer trockener und heißer, warnt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.
„Es ist wichtig, die Folgen der Erderhitzung für Menschen, Tiere und Pflanzen abzumildern“, erklärt Daniel Hoffmann. „Um langfristig die Lebensbedingungen auf der Erde zu erhalten, müssen wir Menschen unbedingt dafür sorgen, dass die globale Temperaturerhöhung 1,5 Grad nicht überschreitet.“
(Quelle: BUND Baden-Württemberg)