Im Herbst sind Igel häufiger auch tagsüber unterwegs und suchen nach Nahrung. Der BUND erklärt, wann die Tiere Hilfe brauchen und wie sich Gärten igelfreundlich gestalten lassen.
Beim BUND-Umweltzentrum Ulm gehen derzeit vermehrt Anfragen von Menschen ein, die einen Igel gefunden haben und wissen möchten, wie sie sich richtig verhalten sollen. Die nachtaktiven Insektenfresser sind im Herbst besonders mit der Nahrungssuche beschäftigt, um ausreichend Energiereserven für den bevorstehenden Winter anzulegen.
Dabei stehen vor allem Käfer, Engerlinge, Raupen, Spinnen und Regenwürmer auf ihrem Speiseplan. Schnecken fressen Igel dagegen seltener. Diese können zudem als Zwischenwirte gefährliche Lungenwürmer übertragen.
Wann brauchen Igel im Herbst Hilfe?
Besonders untergewichtige Igel können im Spätherbst auf zusätzliche Nahrung angewiesen sein. Als Richtwert nennt der BUND ein Gewicht von weniger als 500 Gramm. Eine gezielte Zufütterung kann diesen Tieren helfen, den Winter zu überstehen.
Geeignet sind beispielsweise ungewürztes Rührei oder hochwertiges, insektenhaltiges Igelfertigfutter. Produkte mit Flocken, Rosinen oder Nüssen sollten dagegen nicht verwendet werden.
Wichtig: Milch und Milchbrei sind für Igel tabu. Sie können lebensgefährlichen Durchfall verursachen.
Wer Igel zufüttert, sollte außerdem auf Hygiene achten. Statt einer großen Futterstelle empfiehlt es sich, mehrere kleine Futterschalen aufzustellen und diese regelmäßig zu reinigen. So lässt sich das Risiko einer Parasitenübertragung zwischen den Tieren verringern.
Eine flache Schale mit frischem Wasser hilft den Tieren zudem, trockene Perioden zu überstehen.
Warum immer mehr Igel gefährdet sind
Jana Rettig vom BUND-Umweltzentrum Ulm weist darauf hin, dass die Versorgung einzelner Tiere allein nicht ausreicht, um den Rückgang der Igelpopulation aufzuhalten.
Zwar können Fütterung, Aufpäppeln und Überwintern einzelnen Igeln das Leben retten. Die grundlegenden Probleme bleiben jedoch bestehen: Geeignete und miteinander verbundene Lebensräume verschwinden zunehmend, gleichzeitig fehlt es vielerorts an natürlicher Nahrung.
Der Igel steht inzwischen auf der Roten Liste der bedrohten Arten.
Naturnahe Gärten bieten Igeln Schutz
Besonders wohl fühlen sich Igel in naturnahen Gärten, Streuobstwiesen, wenig intensiv gepflegten Parks und Grünstreifen sowie in Hecken mit heimischen Sträuchern. Entscheidend ist, dass diese Lebensräume miteinander verbunden sind.
Stark aufgeräumte, insektenarme Grünflächen bieten dagegen kaum geeignete Bedingungen. Auch geschlossene Abgrenzungen stellen ein Problem dar, da Igel schlechte Kletterer sind.
Hinzu kommt die zunehmende Bebauung von Wohn- und Gewerbegebieten. Wenn zwischen Asphalt und Beton nur noch voneinander getrennte Grünflächen übrig bleiben, verlieren die Tiere wichtige Lebensräume.
Der BUND empfiehlt deshalb, Gärten und öffentliche Grünanlagen weniger intensiv zu pflegen. Insektenfreundliche Stauden sollten über den Winter stehen bleiben. Auch Laub- und Totholzhaufen sind wichtig, da sie Igeln als Winterquartier dienen können.
Diese Gefahren lauern im Garten
Neben fehlenden Lebensräumen können auch alltägliche Gartenarbeiten zur Gefahr für Igel werden.
Besonders problematisch sind Schnittgut- und Laubhaufen, in denen sich Tiere verstecken. Bevor solche Haufen verbrannt oder abtransportiert werden, sollte deshalb kontrolliert werden, ob sich darin Igel oder andere Kleintiere befinden.
Auch Swimmingpools und Kellerschächte können zu tödlichen Fallen werden. Der BUND empfiehlt, diese Bereiche abzudecken oder zumindest geeignete Ausstiegshilfen anzubringen.
Eine weitere Belastung stellt künstliche Beleuchtung dar. Bodenleuchten und Strahler im Garten können nachtaktive Tiere wie den Igel irritieren.
Vorsicht bei Heckenschnitt und Gartenpflege
Besonders gefährdet sind überwinternde Igel und Jungtiere in ihren Nestern. Sie werden laut BUND immer wieder bei maschinellen Rückschnitten oder anderen Pflege- und Räumarbeiten verletzt oder getötet.
Der Umweltverband appelliert deshalb an Kommunen und Bauträger, mögliche Lebensräume vor einer Umgestaltung auf Igel zu kontrollieren. Das betrifft beispielsweise verwilderte Gärten oder ungenutzte Grünflächen in Gewerbegebieten.
Auch beim Einsatz von Freischneidern und Motorsensen zur Hecken- und Grünflächenpflege sollten die betroffenen Bereiche zuvor auf die gesetzlich geschützten Tiere überprüft werden.
Weitere Informationen zum Schutz von Igeln gibt es beim BUND-Regionalverband Donau-Iller unter bund-ulm.de