Architektur Riedlingen lässt den Verfall des Hauses Sorger zu

Riedlingen lässt den Verfall des Hauses Sorger zu
Das ehemalige Haus Sorger, eigentlich ein echter Blickfang, wird dem Verfall preisgegeben. (Bild: Maximilian Kohler)

Leidgeprüfte Verkehrsteilnehmer müssen sich derzeit wegen der einseitig gesperrten Nordtangente (B312) durch Unterried/Oberried in die Innenstadt von Riedlingen kämpfen.

Aufmerksamen Menschen ist dabei sicher ein architektonisches Kleinod zwischen Viehzentrale und Stadthalle aufgefallen, das allerdings dem Verfall entgegen dämmert. Schade, denn dieses markante Gebäude wäre eigentlich erhaltenswert, stellt es doch eine echte Schönheit dar, fernab vom Mainstream der Architektur des 20./21. Jahrhunderts. Ohne Zweifel würde das schindelverkleidete Haus die Fachwerkstadt Riedlingen mehr als nur schmücken.

Zu diesem Thema erreichte uns ein Leserbrief von Uli Widmann (Grüningen):

„Das alte Haus hat vieles schon erlebt, s’ist halb verfallen und es knarrt und stöhnt und weint“. Seit ich statt auf der Hindenburgstraße Umleitung durch die Alte Unlinger Straße fahre, fällt mir jedes Mal der Song von Bruce Low (Das alte Haus von Rocky Docky, Anm. der Red.) ein. Da fahre ich nämlich am einst schönen schindelverkleideten Haus des letzten Bewohners dieses Hauses, des aus einer uralten Riedlinger Familie stammenden Friedrich Sorger vorbei und sehe, wie es systematisch kaputt gemacht wird. Die Scheiben sind schon lange eingeschlagen, der früher gepflegte Garten eine Wildnis.

Die Stadt Riedlingen hat das Haus einmal geerbt und es kurz danach an die Schlachthausgesellschaft verkauft. Wahrscheinlich für Parkplätze für den dahinter liegenden Betrieb! Das Schlachthaus ist schon lange weg, das Gelände liegt brach. Es gibt zwar Interessenten, die wieder eine Wohnnutzung herstellen wollten, aber die Besitzer wollen das denkmalwürdige Haus nur zusammen mit dem ganzen restlichen Gelände für einen Millionenbetrag verkaufen. Ortsfremden kann man das nicht mal vorwerfen, sie schauen halt auf ihre Rendite!

Aber eigentlich müsste die Stadt an dem Ensemble interessiert sein, nicht nur wegen der Garten-schau. Die Stadt müsste einer solchen Verschandelung entgegentreten. Eigentlich! Früher hat die Stadt in ähnlichen Fällen Sicherungsmaßnahmen angeordnet, Bußgelder verhängt, alle rechtlichen Mittel (notfalls den Artikel 14,2 des Grundgesetzes „Eigentum verpflichtet …“ ausgeschöpft“. Die Stadt Stuttgart hat in ähnlichen Fällen so gehandelt!

Aber vielleicht hat die Verwaltung ja zu viel damit zu tun, Riedlingen zur „Genuss-Stadt“ umzugestalten: Den Graben mit einer Betonrinne „aufzuwerten“, die noch freie Landschaft zuzupflastern oder Bodendenkmäler an Investoren zu verscherbeln.

Es ist leider nicht das erste Beispiel dafür, wie Riedlingen sein „freundliches Gesicht“ (lt. Stadtprospekt) verunstaltet, sein kulturelles Erbe verschleudert oder einfach verkommen lässt. Hauptsache, man kann sich im Stadtprospekt als „Fachwerkstadt“ rühmen, als „Schöne“ an der Donau“. Noch hat man’s ja! Wie lang noch?