Landwirtschaft im Klimawandel Biberacher Bodentag: Wie Böden dem Klimawandel trotzen
Beim Biberacher Bodentag informierten sich rund 90 Teilnehmer über nachhaltige Bodenbewirtschaftung. Im Fokus standen Hitze, Trockenheit und der Schutz fruchtbarer Böden.

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Seit 30 Jahren untersucht ein Systemversuch zwischen Rißegg und Rindenmoos, wie sich unterschiedliche Verfahren der Bodenbearbeitung auswirken. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass die boden- und wasserschonendere Mulchsaat im Durchschnitt keine Ertragseinbußen gegenüber der klassischen Pflugsaat verursacht.
Welche Bedeutung eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung angesichts zunehmender Hitze- und Trockenheitsperioden hat, stand im Mittelpunkt des Biberacher Bodentags. Rund 90 Teilnehmer informierten sich bei der Veranstaltung des Landwirtschaftsamts Biberach über Möglichkeiten, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und landwirtschaftliche Flächen widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Veränderungen zu machen. Nach dem Extremsommer 2026 war das Interesse an den vorgestellten Ansätzen groß.
Pflanzenbewuchs schützt vor Hitze und Starkregen
Zum Auftakt erläuterte der Schweizer Bodenwissenschaftler Dr. Hans-Peter Liniger, weshalb eine dauerhafte Bodenbedeckung für den Schutz landwirtschaftlicher Flächen wichtig ist. Anhand von Bildern zeigte er, dass sich unbedeckte Ackerböden im Sommer stärker aufheizen können als Asphalt. Das kann sich negativ auf das Bodengefüge, den Wasserkreislauf und die Bodenorganismen auswirken.
Ein möglichst durchgehender Pflanzenbewuchs kann diesen Folgen entgegenwirken. Gleichzeitig verbessert er die Fähigkeit des Bodens, bei Starkregen größere Wassermengen aufzunehmen.
Regenwürmer und Humus als Grundlage gesunder Böden
Mit der Bedeutung von Regenwürmern für die Landwirtschaft beschäftigte sich Dr. Otto Ehrmann. Die Tiere tragen wesentlich zur Bodenfruchtbarkeit bei. Landwirte können ihre Entwicklung durch verschiedene Maßnahmen fördern. Dazu zählen eine angepasste Bodenbearbeitung, die Vermeidung von Bodenverdichtungen sowie die Berücksichtigung des pH-Werts und der Fruchtfolge.
Dr. Tobias Hartmann, Leiter des Referats Agrarökologie am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ), widmete sich der Humusdynamik unter veränderten Klimabedingungen. Eine ausreichende Humusversorgung sei entscheidend für gesunde Böden und einen erfolgreichen Pflanzenbau.
Gleichzeitig warnte Hartmann vor möglichen Folgen steigender Temperaturen. Klimamodelle sagen einen Rückgang der Humusvorräte im Boden voraus. Maßnahmen zum Humuserhalt und zur Humusanreicherung dürften deshalb künftig weiter an Bedeutung gewinnen.
30 Jahre Forschung zur Bodenbearbeitung
Neben den Fachvorträgen boten vier Feldstationen die Möglichkeit, unterschiedliche Ansätze zur nachhaltigen Bodenbewirtschaftung unmittelbar vor Ort kennenzulernen.
Alexander Schneider und Michael Ziesel vom Landwirtschaftsamt Biberach präsentierten zentrale Ergebnisse des Biberacher Systemversuchs. Seit drei Jahrzehnten werden am Standort zwischen Rißegg und Rindenmoos verschiedene Verfahren der Bodenbearbeitung untersucht.
Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass die Mulchsaat im langjährigen Durchschnitt vergleichbare Erträge wie die klassische Pflugsaat ermöglicht. Gleichzeitig gilt das Verfahren als boden- und wasserschonender.
Tobias Schiller, ebenfalls vom Landwirtschaftsamt Biberach, berichtete über bisherige Erfahrungen mit Beisaaten im Raps.
Bodenprofil und Regensimulator machen Unterschiede sichtbar
Wie Böden entstehen und welchen Einfluss die Bewirtschaftung auf ihre Struktur hat, erläuterte Katja Keppler vom Hofgut Dettenberg. Anhand eines begehbaren Bodenprofils erklärte sie den Prozess der Pedogenese, also der Bodenbildung. Zudem stellte sie die unterschiedlichen Auswirkungen von Pflugsaat und Direktsaat auf das Bodengefüge dar.
Stefanie Hotz vom Landwirtschaftsamt Biberach demonstrierte mit einem selbstgebauten Regensimulator den Zusammenhang zwischen Pflanzenbewuchs und Bodenerosion. Der Versuch verdeutlichte, dass bewachsene Böden bei Regen deutlich weniger anfällig für Erosion sind.
Neben den Vorträgen und praktischen Demonstrationen nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit zum fachlichen Austausch. Die Veranstaltung vermittelte damit auch Anregungen, wie sich Maßnahmen zum Bodenschutz in landwirtschaftlichen Betrieben umsetzen lassen.
(Quelle: Landratsamt Biberach)
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- Erstmals veröffentlicht
- 04.11.2026, 17:18 Uhr





