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Profikletterer im Einsatz Sensation nach 116 Jahren: Fischadler-Nachwuchs im Ländle

Lesezeit 2 Minuten
Der Fischadler-Nachwuchs wurde beringt.
Der Fischadler-Nachwuchs wurde beringt. (Bild: NABU/Ann Kathrin Mertz)

Der NABU und die Vogelszene im Südwesten jubeln und heißen Balbü und Kju willkommen. Seit 116 Jahren ist es die erste erfolgreiche Brut im Ländle. Um den Fischadler-Nachwuchs in Rastsatt zu beringen musste ein Profi-Kletterer die Jungvögel aus 25 Metern Höhe vorsichtig runterholen.

Seit 1907 ist das die erste nachweislich erfolgreiche Brut der imposanten Greifvögel im Südwesten. „Die Spannung war groß, wir wussten nicht, wie viele Jungvögel uns oben im Horst erwarten. Umso größer war die Erleichterung darüber, dass sich Balbü und Kju bester Gesundheit erfreuten“, berichtet Daniel Schmidt-Rothmund. Der Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums setzt sich seit Jahrzehnten für die Rückkehr der Greifvögel ein.

Abseilen, wiegen, vermessen, beringen

Profi-Kletterer Georg Bürk holte die Jungvögel unter Anleitung aus ihrem Nest in luftigen 25 Metern Höhe und ließ sie vorsichtig in einem Sack an einem Seil herunter. Dabei sind die knapp fünf Wochen alten Adler in eine natürliche Schreckstarre gefallen.

Die Elterntiere flogen auf, kreisten über dem Horstbaum und beobachteten aufmerksam das Procedere. Dabei stießen sie aufgeregte Warnrufe aus. „Diese charakteristischen Rufe haben eine beruhigende Wirkung auf den Nachwuchs“, so Schmidt-Rothmund.

Behutsamer Empfang

Am Waldboden wurden die Jungvögel behutsam von einem Ornithologen in Empfang genommen. Als erstes stand der Gesundheitscheck auf dem Programm: untersuchen, wiegen und vermessen. „Wir haben hier ein 1.458 Gramm schweres Weibchen und ein 1.178 Gramm schweres Männchen – sehr guter Durchschnitt für die Altersklasse“, erklärt der NABU-Fachmann.

Daniel Schmidt-Rothmund, Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums, mit Balbü.
Daniel Schmidt-Rothmund, Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums, mit Balbü. (Bild: NABU/Ann Kathrin Mertz)

Anschließend wurden die Jungadler doppelt beringt, mit je einem etwa fünf Gramm leichten Ring an jedem Bein. Damit kann man sie eindeutig identifizieren. Mit der Beringung erhielten die kleinen Fischadler ihre Namen: „Balbü ist eine Kurzform des französischen Worts für Fischadler, Balbuzard. Kju nimmt Bezug auf den charakteristischen ‚kju-kju-kju‘-Warnruf“, so Schmidt-Rothmund.

Fliegen lernen – und dann ab ins Winterquartier

Nach wenigen Minuten ging es mit dem Seillift wieder sicher in die Baumkrone. nach oben. Kletterer Bürk setzten die beiden Jungadler wohlbehalten in ihrer Kinderstube mit Rundblick ab. Im Horst, den Schmidt-Rothmund vor zwei Jahren dort im Landkreis Rastatt installiert hatte, kehrte binnen weniger Minuten wieder Familien-Normalität ein. In rund drei Wochen, etwa Mitte Juli, werden Balbü und Kju ihre ersten Flugübungen machen. Im August verlassen sie die badische Oberrheinebene und legen rund 5.000 Kilometer bis ins westliche Afrika zurück, wo sie überwintern.

Beringung

In ganz Deutschland wird der Fischadlernachwuchs beobachtet und beringt. Ziel ist es, ein umfassendes Bild von Population und Bestandsentwicklung zu gewinnen. Der eine Ring trägt eine kleine individuelle Nummer, wie im Personalausweis, der andere einen großen alphanumerischen Code, ähnlich einem Autokennzeichen, den man auch aus der Entfernung erkennen kann. Die Ringnummern sind in einer Datenbank hinterlegt. Mit ihnen lassen sich die Fischadler eindeutig identifizieren. Mittels Spektiv oder Teleobjektiv kann man die Codes aus bis zu 250 Metern Entfernung ablesen.

(Quelle: NABU/Presse)

Schlagwörter

Transparenz

Erstmals veröffentlicht
26.06.2023, 13:57 Uhr
Letzte Aktualisierung
26.06.2023, 16:48 Uhr

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