Die Wirtschaft in der IHK-Region Ulm zeigt erste Anzeichen einer Erholung. Dennoch planen mehr Unternehmen einen Personalabbau als Neueinstellungen, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.
Mehr als 26 Prozent der befragten Unternehmen wollen ihre Belegschaft verkleinern, während lediglich 15 Prozent zusätzliche Mitarbeiter einstellen möchten. Das geht aus dem Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm für den Herbst 2026 hervor. Grundlage ist eine Unternehmensbefragung vom September.
Umsätze steigen, Kosten belasten Unternehmen
Die wirtschaftliche Lage hat sich in den vergangenen Monaten teilweise stabilisiert. Ein Drittel der Betriebe konnte seine Umsätze steigern, drei Prozentpunkte mehr als im Frühjahr. Gleichzeitig sank der Anteil der Unternehmen mit Umsatzrückgängen um vier Prozentpunkte.
Dennoch beurteilen die Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage schlechter als im Frühjahr. Der entsprechende IHK-Indikator fiel von 16 auf neun Punkte. Als Grund nennt die Kammer steigende Kosten für Energie, Personal, Finanzierung und Bürokratie, die erneut stärker zugenommen hätten als die Umsätze.
Besonders schwierig bleibt die Situation im Einzelhandel. Inflation, Arbeitsplatzunsicherheit und hohe Kraftstoffpreise sorgen laut IHK für Kaufzurückhaltung. Auch in der Industrie und im Großhandel überwiegen leicht die negativen Lagebewertungen. Am besten schneiden weiterhin die Dienstleistungsunternehmen ab.
Für die weitere Entwicklung sehen 65 Prozent der Betriebe in den Energiepreisen ein Risiko, 58 Prozent in den Arbeitskosten.
Exporte machen Hoffnung – Investitionen bleiben aus
Positive Signale kommen aus dem Ausland. Inzwischen rechnen 44 Prozent der Unternehmen mit steigenden Exporten, im Frühjahr waren es knapp 38 Prozent. Besonders die Nachfrage aus Europa entwickelt sich positiv. Auch das Geschäft mit den USA stabilisiert sich allmählich, während für China überwiegend rückläufige Exporte erwartet werden.
Insgesamt blicken 28 Prozent der Unternehmen optimistisch auf die kommenden zwölf Monate, knapp 22 Prozent pessimistisch. Der Erwartungsindikator stieg von minus vier auf plus sechs Punkte.
Trotzdem bleibt die Investitionsbereitschaft gering. 85 Prozent der Betriebe sehen in der Entwicklung ihrer Inlandsgeschäfte weiterhin ein Risiko. Nur 17 Prozent planen Investitionen zur Erweiterung ihres Unternehmens. Der langfristige Durchschnitt liegt bei 24 Prozent.
Stattdessen stehen Ersatzinvestitionen (70 Prozent), Digitalisierung (58 Prozent) und Kosteneinsparungen durch Rationalisierung (42 Prozent) im Vordergrund.
IHK fordert bessere Rahmenbedingungen
IHK-Präsident Dr. Jan Stefan Roell sieht vor allem bei Infrastruktur, Arbeitskosten, Bürokratieabbau und Energiepreisen Handlungsbedarf. Verbesserungen in diesen Bereichen seien entscheidend, um das Vertrauen der Unternehmen in den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken.
Trotz der verbesserten Konjunkturaussichten bleibt die Personalplanung zurückhaltend. Die Arbeitslosenquote in der IHK-Region Ulm lag Ende September bei 3,4 Prozent und damit 0,1 Prozentpunkte unter dem Augustwert.
Für den Konjunkturbericht wurden aus mehr als 38.000 IHK-Mitgliedsunternehmen 363 Betriebe ausgewählt. An der Befragung beteiligten sich 128 Unternehmen (35,3 Prozent).
Weitere Ergebnisse und Grafiken sind unter konjunkturboard-bw.de abrufbar.
(Quelle: IHK Ulm)