Das Handwerk fühlt den Bundestagskandidaten auf den Zahn

Das Handwerk fühlt den Bundestagskandidaten auf den Zahn
Bringen sich mit ihren Argumenten in Stellung (von links): Maria Heubuch (Grüne), Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, Volker Mayer-Lay (CDU), Wolfgang Künze, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis, Leon Hahn (SPD), Sander Frank (LINKE) und Christian Steffen-Stiehl (FDP). (Bild: Handwerkskammer Ulm)
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Redaktion

Friedrichshafen – In einer online übertragenen Podiumsdiskussion hat sich das Handwerk in Friedrichshafen mit den Kandidaten für die Bundestagswahl am 26. September ausgetauscht. Der Einladung von Handwerkskammer Ulm und Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis sind Kandidaten der Parteien gefolgt, die nach aktuellem Stand der Umfragen in den deutschen Bundestag einziehen.

Für die Grünen will Maria Heubuch in den Bundestag einziehen, für die CDU kandidiert Volker Mayer-Lay, für die SPD Leon Hahn, für die FDP Christian Steffen-Stiehl und für DIE LINKE Sander Frank. Dr. Alice Weidel tritt für die AfD an und konnte – laut Pressemitteilung der Handwerkskammer Ulm – der Einladung nicht folgen.

Allein im Bodenseekreis gibt es rund 2800 Betriebe mit knapp 17.000 Beschäftigten. Deshalb wollte das Handwerk von den Bundestagskandidaten wissen, wo Mittelstand und Handwerksbetriebe in ihren Wahlprogrammen vorkommen.

Grünen-Kandidatin Maria Heubuch betonte, dass ihre Partei dem Handwerk ein komplettes Kapitel gewidmet hat: „Wir müssen viel tun.“ Dazu gehöre es – so die Handwerkskammer weiter – beispielsweise, die Berichtspflicht zu vereinfachen, die Ausbildung zu stärken und die Digitalisierung voranzutreiben.

Auch CDU-Kandidat Volker Mayer-Lay sieht das Handwerk mit seiner Partei gut aufgestellt: „Wir finden in unserem Wahlprogramm in jedem Themenkomplex etwas für das Handwerk.“ Als Beispiele nannte er die Zuwanderung als Chance, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, Lohnzusatzkosten zu deckeln und außerdem die Betriebe bei Dokumentationspflichten zu entlasten.

Damit Handwerker nicht mehr Zeit hinter dem Schreibtisch, als in ihrer Werkstatt verbringen, möchte auch die SPD aktiv werden. So sollen etwa Planungs- und Genehmigungsverfahren erleichtert und im Bereich der digitalen Verwaltung die Schnittstellen verbessert werden. Leon Hahn sagt: „Wir machen uns Gedanken, wie wir den Druck für Handwerker reduzieren können, damit sie ihrem Beruf nachgehen können und nicht nur Papiere ausfüllen müssen.“

Auch die FDP setzt sich für Entlastungen für Handwerksbetriebe ein: „Wir wollen unternehmerisch unterstützen: Sei es durch Steuersenkungen, die Abschaffung des Solidaritätszuschlags oder bei den Energiekosten.“ Die Kosten der Corona-Krise zu bezahlen, wird eine Herausforderung – darin sind sich alle anwesenden Politiker einig. LINKEN-Kandidat Sander Frank stellt klar: „Nicht die Leute mit einem mittleren Einkommen, wie etwa im Handwerk, sollen die Kosten tragen.“

Stattdessen wolle die Partei eine Vermögenssteuer für Reiche einführen. Wirtschaftlicher Erfolg und soziale Machbarkeit von Klimaschutzzielen müssten im Einklang stehen – auch hier herrscht allgemeiner Konsens. Steffen-Stiehl von der FDP fordert: „Diejenigen, die weiterhin viel CO2 produzieren, haben durch den Handel mit CO2-Zertifikaten automatisch höhere Betriebskosten.“

Frank gab zu bedenken, dass der Markt allein den Umweltschutz nicht regeln könne: „Wir möchten keine Kosten für die Verbraucher.“ Stattdessen wolle DIE LINKE investieren: den ÖPNV ausbauen und Unternehmen unterstützen, die bereits nachhaltig sind. Um die Klimakrise bekämpfen zu können, müssten zunächst die Rahmenbedingungen geschaffen werden, betont die SPD.

„Wenn wir die Menschen beim Umweltschutz mitnehmen wollen, dann müssen wir auch Alternativen bieten und die Infrastruktur schaffen“, fügte Hahn hinzu. Dass es einen sozial gerechten Ausgleich zum Erreichen der Klimaschutzziele geben muss, stellt auch Grünen-Kandidatin Heubuch klar: „Wir wollen das Geld über die CO2-Bepreisung auch wieder an die Bevölkerung zurückgeben.“

Bürgerinnen und Bürger mit strengen Regeln umzuerziehen, sieht CDU-Kandidat Mayer-Lay kritisch. „Wir müssen alle Chancen bewahren, um alternative Technologien für die Zukunft fit zu machen“, wusste er. Etwa jeder dritte Azubi in Deutschland lernt ein Handwerk. Allein im Bodenseekreis haben zum Start dieses Ausbildungsjahres 293 junge Menschen eine Lehre begonnen.

Da beruflich qualifizierte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren stark gefragt sind, wünscht sich das Handwerk, dass akademische und berufliche Ausbildung gleichwertiger werden und damit denselben Stellenwert haben. Um das zu erreichen, wollen die Parteien die Attraktivität der dualen Ausbildung stärken. Bessere Wohnangebote für Azubis und kostengünstiger ÖPNV sollen dabei etwa helfen.

Die vollständige Diskussion der Kandidaten aus dem Bodenseekreis sei noch bis zum Wahlwochenende am 26. September online auf dem YouTube-Kanal der Handwerkskammer Ulm unter https://youtu.be/GTbu-4G5kD4 einzusehen.