Zwei in der Wilhelma geborene Alpensteinböcke werden Ende Juli in den Hohen Tauern in Österreich ausgewildert. Gemeinsam mit acht weiteren Tieren sollen sie die genetische Vielfalt der Bestände stärken.
Für zwei Alpensteinböcke aus der Wilhelma begann Ende Juli ein neuer Lebensabschnitt. Die beiden weiblichen Tiere, die 2024 im Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgart geboren wurden, wurden am Donnerstag, 30. Juli 2026, in den Hohen Tauern in Österreich ausgewildert. Gemeinsam mit acht weiteren Steinböcken aus drei europäischen Zoos wurden sie in die Natur entlassen. Die Aktion wurde von einer lokalen Initiative in Österreich initiiert und koordiniert.
Gesundheitscheck vor der Reise
Die Vorbereitungen für die Auswilderung begannen bereits mehrere Wochen zuvor. Am 1. Juli wurden die beiden Geißen tierärztlich untersucht, Blutproben entnommen und die vorgeschriebenen Ohrmarken angebracht.
Am Vormittag des 29. Juli brachten die zuständigen Tierpflegerinnen die Tiere jeweils in eine Transportkiste und verluden sie in einen klimatisierten Transporter. Nach einer Zwischenübernachtung in Österreich setzte sich der Konvoi am folgenden Morgen in Richtung Gebirge in Bewegung. Am Ort der Auswilderung wurden die zehn Transportkisten der vier beteiligten Zoos nebeneinander aufgestellt und gleichzeitig geöffnet. Die Freilassung aller Tiere verlief erfolgreich.
Beitrag zur genetischen Vielfalt
Dr. Ulrike Rademacher, Kuratorin für Huftiere in der Wilhelma, sagte: „Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir zusammen mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus anderen Zoos zu dieser gelungenen Aktion beitragen durften. Zwar gelten Steinböcke heutzutage nicht mehr als gefährdet. Oft leben sie aber in Inselpopulationen, die nicht miteinander verbunden sind. Seit 1994 haben wir daher nun insgesamt 25 unserer eigenen Nachzuchten für bestandsstützende Maßnahmen in Österreich zur Verfügung gestellt. Sie helfen dabei, Populationslücken zu schließen und genetische Vielfalt in den Beständen zu sichern.“
Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin ergänzte: „Der Alpensteinbock ist eine Art, bei der schon seit langer Zeit erfolgreich ausgewildert wird. Möglich ist das, da seine Lebensräume weitgehend intakt sind und er nicht mehr verfolgt wird. Das sind die Grundvoraussetzungen für jede Auswilderung: Zunächst müssen die Ursachen behoben sein, die einst zur Dezimierung einer Art in der Natur geführt haben. Bei vielen in Zoos gehaltenen Arten ist dieser Zeitpunkt aber noch nicht erreicht. Artenschutz ist darum eine langfristige, oft generationenübergreifende Aufgabe.“

Alpensteinbock war fast ausgerottet
Noch bis ins 16. Jahrhundert war der Alpensteinbock in den Hochgebirgslagen der Alpen weit verbreitet. Durch intensive Bejagung galt die Art Mitte des 19. Jahrhunderts nahezu als ausgerottet.
Im Gran-Paradiso-Nationalpark in Italien überlebte eine kleine Restpopulation, die 1821 auf rund 60 Tiere geschätzt wurde. Dank strenger Schutzmaßnahmen wuchs der Bestand bis Ende des 19. Jahrhunderts wieder auf rund 3.000 Tiere an. Gezielte Wiederansiedlungen mit Tieren aus dieser Population sowie aus Wildparks und Zoos sorgten dafür, dass heute wieder mehr als 50.000 Alpensteinböcke im gesamten Alpenraum leben.
(Quelle: Wilhelma Stuttgart)