Nahost Wie geht es nach Beginn eines neuen Iran-Kriegs weiter?

Wie geht es nach Beginn eines neuen Iran-Kriegs weiter?
Israel und die USA greifen den Iran an. (Bild: Vahid Salemi/AP/dpa)
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Deutsche Presse-Agentur
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Israel und die USA greifen Ziele im Iran an, Teheran reagiert mit Gegenangriffen. Die Lage im Nahen Osten spitzt sich weiter zu und birgt das Risiko einer umfassenden Eskalation.

Am frühen Morgen haben Israel und die USA koordinierte Luft- und Raketenangriffe gegen Ziele im Iran geflogen. Als Reaktion meldete Teheran Attacken auf mehrere US-Militärstützpunkte in der Golfregion. Israel bezeichnet seine Offensive als «Brüllen des Löwen», die USA sprechen vom «Einsatz gewaltiger Zorn».

UPDATE: 24 Schülerinnen bei Raketenangriff getötet

Bei einem Raketenangriff im Süden Irans sind nach Angaben aus Teheran mindestens 24 Schülerinnen getötet worden. Ziel soll eine Grundschule für Mädchen in der Provinz Hormusgan gewesen sein.

Wie die Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf den dortigen Vizegouverneur berichtete, sei die Schule direkt von dem Angriff getroffen worden. «Diese Schule war ein direktes Ziel dieses Angriffs», hieß es in dem Bericht. Die Bergung von Trümmern sowie Rettungsmaßnahmen für die betroffenen Schülerinnen dauerten an.

Der Vorfall ereignete sich demnach im Kreis Minab nahe der Küste am Persischen Golf. Zum Zeitpunkt des Angriffs sollen sich rund 170 Schülerinnen in dem Schulgebäude aufgehalten haben.

In der Provinz Hormusgan befinden sich mehrere Marinestützpunkte der iranischen Streitkräfte. Weitere Informationen zu den Hintergründen oder zum Ablauf des Angriffs lagen zunächst nicht vor.

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Welche Ziele wurden getroffen?

Explosionen wurden neben der Hauptstadt Teheran auch aus Ghom, Lorestan, Kermanschah, Karadsch und Tabris gemeldet. Ebenso gab es Detonationen nahe Isfahan, wo sich ein zentrales Nuklearzentrum befindet, das bereits im vergangenen Jahr Ziel von US-Bombardierungen war. Berichten zufolge trafen die Angriffe Raketendepots, Luftabwehrsysteme sowie Ziele in der Nähe von Regierungsgebäuden.

Nach Angaben der iranischen Streitkräfte wurden als Vergeltung vier US-Militärstützpunkte attackiert: Al-Udeid in Katar, Al-Salem in Kuwait, der Luftwaffenstützpunkt Al-Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie die US-Flotte in Bahrain, wie die Nachrichtenagentur Fars berichtete.

Ziele Israels und der USA

Israels Ministerpräsident Netanjahu begründete das Vorgehen mit dem Schutz vor einer existenziellen Bedrohung durch Teheran, insbesondere durch das iranische Atom- und Raketenprogramm. Es dürfe «nicht zugelassen werden, dass sich das mörderische Terrorregime mit Atomwaffen ausrüstet, die es ihm ermöglichen würden, die gesamte Menschheit zu bedrohen», sagte Netanjahu.

Laut «New York Times» richtet Israel seine Angriffe vor allem gegen Raketenlager, Produktionsstätten und Abschussanlagen.

US-Präsident Donald Trump erklärte, er wolle Amerikanerinnen und Amerikaner vor einer Bedrohung durch die iranische Führung schützen. Mit Blick auf das Atomprogramm sagte er: «Sie dürfen nie eine Atomwaffe besitzen.» In einer Videobotschaft forderte er zudem einen Machtwechsel in Teheran. «Die Stunde eurer Freiheit ist gekommen», sagte Trump. «Das wird wahrscheinlich für Generationen eure einzige Chance sein.» Weiter fügte er hinzu: «Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung.» Er rief die Revolutionsgarden, die Streitkräfte und auch die Polizei dazu auf, ihre Waffen niederzulegen.

Experten für Iran-Politik bezweifeln jedoch, dass ein Sturz der Führung realistisch ist. Sie verweisen auf eine uneinheitliche Opposition sowie fehlende sichtbare Brüche innerhalb der Machtelite oder der Revolutionsgarden.

Lage im Iran

Aus dem Land dringen nur wenige Informationen nach außen. Die Behörden verhängten eine Internetsperre; die Organisation Netblocks sprach von einem «fast vollständigen Internetausfall».

Ein Video der Nachrichtenagentur Mehr zeigte erhebliche Zerstörungen in Teheran, darunter ein komplett zerstörtes Gebäude und Rettungskräfte an den Trümmern.

Augenzeugen berichteten per SMS von langen Warteschlangen an Tankstellen in der Hauptstadt. Viele Menschen versuchten demnach, die Stadt zu verlassen. Zahlreiche Geschäfte blieben geschlossen, im Norden Teherans herrschte ungewöhnliche Stille. Das Bildungsministerium teilte mit, Schulen seien in Abstimmung mit Verwaltung und Polizei geschlossen worden.

Regierung und Militär äußerten sich bislang nicht ausführlich zu den Angriffen. Das Außenministerium und der Sicherheitsrat verurteilten das Vorgehen der USA und Israels und riefen die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf.

Warum jetzt?

Die Gespräche in Genf über das iranische Atomprogramm blieben ohne Durchbruch. In den vergangenen Wochen hatten die USA ihre Marine- und Luftstreitkräfte im Persischen Golf deutlich verstärkt. Präsident Trump hatte Teheran ein Ultimatum bis Anfang März gestellt. Die Angriffe begannen am Morgen des 28. Februar.

Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X, die der Operation zugrunde liegende Annahme sei, das iranische «Regime» sei schwach und anfällig. Eine gezielte und breit angelegte israelisch-amerikanische Kampagne könne es erheblich schwächen und möglicherweise interne Veränderungen auslösen. Das zentrale Risiko sei jedoch, was geschehe, falls diese Annahme falsch sei.

Droht ein größerer Krieg?

Der Iran hatte seit Wochen vor einem Angriff gewarnt und eine «vernichtende Antwort» angekündigt. Nach Angaben von US-Regierungsvertretern, zitiert vom Sender CNN, könnte die Operation Tage oder Wochen dauern; es handele sich «kein kleiner Schlag».

Es besteht die Gefahr eines «umfassenden Regionalkriegs», vor dem Irans Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei gewarnt hatte. Auch die Hisbollah im Libanon, die Huthi-Miliz im Jemen sowie Milizen im Irak könnten in den Konflikt eingreifen.

Dieser Beitrag wurde unter Mitwirkung eines KI-Systems erstellt und von der Redaktion geprüft.