Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland wächst rasant. Ohne weitere helfende Hände aus dem Ausland wird es daher nicht gehen. Doch ein Selbstläufer ist auch dieses Modell nicht, da die bürokratischen Hürden hoch sind und die Pfleger unbedingt eines beherrschen sollten: die deutsche Sprache.
Die Zahlen sind eindeutig und lassen sich mit einem Wort zusammenfassen: „schonungslos“. Laut Vorhersagen des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland bis zum Jahr 2055 um 37 Prozent steigen. Rund 80 Prozent der Pflege in Deutschland erfolgt in den vertrauten Wohnungen oder Häusern. Aus Sicht der Betroffenen ist das nachvollziehbar. Sie wollen ungern die eigenen vier Wände verlassen und stattdessen in einem anonymen Heim, und sei es noch so gut ausgestattet, versorgt werden.
Neue Wertschätzung für die Pflege hat noch keine Trendwende am Arbeitsmarkt gebracht
Doch gerade die Pflege in den eigenen Wohnungen und Häusern ist betreuungsintensiv. Die Pflegekräfte verbringen nicht nur Zeit bei den meist älteren Menschen, sondern eilen auch in ihren Autos von Einsatzort zu Einsatzort – immer die Zeit und den Stress im Nacken. Ein wertvoller, aber auch sehr fordernder Job, für den sich hierzulande immer weniger junge Menschen begeistern können. Die Politik hat sich in den vergangenen Jahren das Thema angenommen, die Arbeits- und auch die Verdienstmöglichkeiten in der Pflege haben sich massiv verbessert.
Dennoch gibt es weiter zu wenige Pflegekräfte – ob in der stationären oder der ambulanten Pflege. Und das Problem nimmt an Schärfe zu, denn eine große Gruppe der Pflegekräfte befindet sich selbst auf der Zielgeraden ihrer beruflichen Laufbahn und geht in den kommenden Jahren in Rente. Seit Jahren wird daher versucht, mit ausländischen Pflegekräften die Lücke zu schließen. Klar ist: Ohne ausländische Beschäftigte würde das Pflegesystem vermutlich schon heute zusammenbrechen. Das ergibt eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Bereits heute kommt jede sechste Pflegekraft aus dem Ausland, Tendenz: weiter steigend. Denn die Zahl der deutschen Pflegekräfte sinkt seit Jahren. IAB-Forscher Holger Seibert: „Viele von ihnen erreichen in den nächsten Jahren das Rentenalter.“ Im Jahr 2023 waren nach Recherchen des IAB mehr ausländische Pflegekräfte aus Nicht-EU-Ländern als aus der EU in Deutschland tätig, darunter vor allem Pflegekräfte aus der Türkei und Serbien, aus Bosnien-Herzegowina, den Philippinen, Indien, Tunesien und Vietnam.

„Ohne ausländische Kräfte würden pflegebedürftige Menschen in ihren Wohnungen verwahrlosen“
Arun Ananth ist Geschäftsführer des Deutschen Pflegehilfswerks und vermittelt kompetente Fachkräfte für die Betreuung in den eigenen vier Wänden. Er gilt als Vordenker in der Branche, der sich auch für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Pflege- und Betreuungskräften einsetzt. Ananth hat eine klare Meinung zur Bedeutung ausländischer Pflegekräfte für unser Land: „Ohne ausländische Pflege- und Betreuungskräfte stünden wir vor einer katastrophalen Pflegenotlage. Es wäre nicht übertrieben zu sagen: Ohne sie müssten tausende Angehörige in Teilzeit wechseln, oder die pflegebedürftigen Menschen würden in ihren Wohnungen verwahrlosen.“
Doch obwohl ausländische Pflegekräfte eine zentrale Rolle für die Betreuung von Millionen Menschen spielen, werden sie häufig mit bürokratischen Hürden und mangelnder gesellschaftlicher Wertschätzung konfrontiert. Deutschland muss nicht nur die Arbeitsbedingungen verbessern, sondern auch den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern und die Willkommenskultur stärken.
Ohne ausreichende Deutschkenntnisse keine angemessene Pflege
Dringendes Umdenken und weniger Bürokratismus wären also wichtig. Doch zugleich warnt Steven Stoltze vom renommierten Personaldienstleister DIEPA davor, in jedem Arbeitnehmer und jeder Arbeitnehmerin aus dem Ausland gleich eine geeignete Pflegekraft zu sehen. Stoltze leitet die Pflegeabteilung bei DIEPA und weiß, wie wichtig das richtige Wissen und die richtigen Vorkenntnisse sind, wenn es darum geht, einen Menschen zu pflegen. Er warnt besonders davor, dass mangelnde Sprachkenntnisse ausländischer Fachkräfte die Pflegequalität gefährden könnten: „Wenn die Pflegequalität von mangelnden Sprachkenntnissen gefährdet wird, stehen wir vor einem ernsthaften Problem. Pflegekräfte ohne ausreichende Deutschkenntnisse riskieren, lebenswichtige Informationen zu übersehen.“
Viele Familien versuchen sich in ihrer Not nach der Suche nach einer geeigneten Pflegekraft für Mutter, Vater oder Oma auch selbst zu helfen – und werden zu Arbeitgebern. Dann ziehen etwa die Pflegekräfte meist in den Häusern der zu Pflegenden ein – und aus den Patientinnen und Patienten sowie deren Familien werden Arbeitgeber. Manche ganz offiziell, andere operieren hier im steuerlichen oder sozialrechtlichen Graubereich. Ein immenses Risiko, denn was passiert und wer haftet, wenn sich die Pflegerin beim Toilettengang mit dem Patienten oder auf dem Weg in den Keller den Knöchel bricht? Doch auch die offizielle und damit ganz legale Festanstellung bringt viele Herausforderungen mit sich. Eine empfehlenswerte Alternative sind daher Agenturen und Personalvermittler wie DIEPA und das Deutsche Pflegehilfswerk. Hier müssen sich die Auftraggeber nicht mit den meist tückischen Details des deutschen Arbeits- und Sozialrechts auseinandersetzen, sondern können die entsprechende und gut ausgebildete Pflegekraft über den jeweiligen Anbieter direkt buchen.