Hätten Sie gewusst, was Harpyien sind? Sie zählen zu den größten und stärksten Greifvögeln der Welt. Ihre Flügelspannweite beträgt bis zu zwei Meter und ihr Bestand ist stark gefährdet. Im Tiergarten in Nürnberg gibt es nun Nachwuchs.
In der griechischen Mythologie war die Harpyie eine Mischung aus Greifvogel und Frau, sie stand meist für das Böse, insbesondere die Habsucht. Sie verkörperte die Sturmwinde und war somit schneller als der Wind. Das alles nutzt den Vögeln aber nichts, da ihr Bestand in der Natur sinkt. Der Tiergarten Nürnberg setzt sich daher für ein koordiniertes Zuchtprogramm ein und freut sich wie Bolle über ein gesundes Harpyien-Jungtier.
Harpyien fressen Ameisenbären
Das Küken ist bereits Mitte Oktober 2023 geschlüpft. „In den ersten Tagen haben wir mit der Pinzette zugefüttert, weil die Mutter noch etwas unbeholfen war und die Fleischstückchen nicht ausreichend zerkleinert hatte“, erzählt Tierpflegerin Jessica Liebel. In der Natur ernähren sich Harpyien von größeren Säugetieren wie zum Beispiel verschiedenen Affenarten, Faultieren, Opossums, Baumstachlern oder Ameisenbären.
Im Tiergarten gibt es für sie Kaninchen, Meerschweinchen und andere Nagetiere sowie das Fleisch von Huftieren. Nach wenigen Tagen kümmerte sich Mutter Evita selbst um das Jungtier, das mittlerweile kräftig zugelegt hat und drei Kilogramm wiegt.
Die Zucht der Harpyien ist sehr anspruchsvoll
Es ist der erste Harpyien-Nachwuchs in Nürnberg seit 20 Jahren und der erste des Altvogelpaares Evita und Jorge, die seit 2020 zusammen sind. Seitdem hatte Evita 13 Eier gelegt, von denen sechs befruchtet waren. Fünf der Küken sind vor dem Schlupf gestorben. Die Zucht von Harpyien ist sehr anspruchsvoll. Ein Grund dafür ist die Luft: Anders als in den Regenwäldern Süd- und Mittelamerikas, wo Harpyien natürlicherweise leben, ist sie bei uns vergleichsweise trocken. „Das kann dazu führen, dass die Flüssigkeit im Ei zu schnell verdunstet“, sagt Tierpflegerin und Revierleiterin Susann Müller. „Deswegen kann eine Naturbrut heikel sein, da das Ei zu schnell an Gewicht und Feuchtigkeit verliert. Der Brüter ist oft der sicherere Weg.“

Mitarbeiter haben nachgeholfen
Im Brüter liegen die Eier bei 37 Grad Celsius und werden mehrmals täglich automatisch sowie zusätzlich von den Tierpflegern gewendet. Die Luftfeuchtigkeit kann dort je nach Bedarf angepasst werden. Das nun geschlüpfte Küken haben ausschließlich die Altvögel ausgebrütet. Doch auch hier haben die Tiergartenmitarbeitenden nachgeholfen: Mit Wachs haben sie ein kleines Loch in der Eierschale geschlossen und so verhindert, dass Keime eindringen und Feuchtigkeit entweicht.
Unbändige Kraft in den Krallen
Besonders beeindruckend ist der Kopf der Harpyie. Das Gefieder ist grau gefärbt und wenn der Vogel erregt ist, stellt er die dunklen Federn am Hinterkopf wie eine Krone auf. Der Schnabel ist sehr spitz und nach unten gebogen, die Augen sind groß und dunkel.
Die Flügelspannweite der Harpyie beträgt bis zu zwei Meter und die Weibchen, die schwerer als die Männchen sind, können bis zu neun Kilo wiegen. Die Hinterkralle einer Harpyie wird bis zu sieben Zentimeter lang. Die Kraft in den Krallen ist so groß, dass sie Beutetiere mit einer Stärke von über 50 Kilogramm packen und töten können. Weitere Infos zu den Tieren gibt`s im Tiergarten Nürnberg.
(Quelle: Tiergarten Nürnberg/Presse – Vögel & Natur)