Fast Food der besonderen Art Kalorien-Exzess, Kater-Killer: Hype um den «Taxi-Teller»

Kalorien-Exzess, Kater-Killer: Hype um den «Taxi-Teller»
Beliebt auch bei Schülern und Studenten: Der «Taxi-Teller» ist im Trend. (Bild: Christoph Reichwein/dpa)
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Deutsche Presse-Agentur
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Pommes, Currywurst und reichlich Gyros mit Zwiebeln: Im Ruhrgebiet begeistert der sogenannte Taxi-Teller schon seit Jahren viele Fast-Food-Fans. Inzwischen hat das Gericht auch in den sozialen Netzwerken für einen regelrechten Hype gesorgt.

Während sich Feinschmecker mit Grausen abwenden, geraten Fast-Food-Liebhaber ins Schwärmen: Der «Taxi-Teller» ist ein ganz besonderes Gericht aus dem Ruhrgebiet. Er vereint Pommes mit Soße, Mayonnaise und Currywurst – die klassische «Manta-Platte» – mit Gyros, Zwiebeln und Zaziki. Serviert wird alles auf einem prall gefüllten Teller.

Die kalorienreiche Sättigungsbombe mit vierstelligem Kalorienwert wird in der Region schon seit vielen Jahren angeboten. Seit einiger Zeit sorgt jedoch Social Media für einen neuen «Taxi-Teller»-Boom, der das Gericht auch weit über das Ruhrgebiet hinaus bekannt gemacht hat.

«Taxi-Teller»-Test: «Dat Ding is mächtig»

Auf Tiktok und Instagram finden sich zahlreiche Beiträge, etwa auf der Seite «Taxi_Teller». Dort gibt es Imbisstipps, Wettbewerbe, eine «Taxi-Teller»-Weltkarte und sogar KI-Fakes wie einen pseudo-medizinischen Kurzvortrag über den angeblich heilenden Einfluss der Kalorien-Bombe auf den menschlichen Körper.

Der Ruhrgebiets-Comedian Ryko, der sich selbst als «Außenminister des Ruhrgebiets» bezeichnet, startete ein «Taxi-Teller»-Tasting. Sein Fazit: «Dat Ding is mächtig, auf jeden Fall».

Zu einem von Ryko und seinem Influencer-Kollegen Jan Schlappen organisierten «Taxi-Teller»-Treffen im ostwestfälischen Porta Westfalica kamen Anfang der Woche Hunderte Fans, teilweise sogar aus Stuttgart, wie die «Neue Westfälische» berichtete. Ordner regelten wegen des großen Andrangs den Verkehr rund um einen Grill-Imbiss.

«Taxi-Teller» gefragt – inzwischen auch in der Schweiz

Längst ist das Gericht kein reines Ruhrgebiets-Phänomen mehr. Nicht nur in NRW, sondern auch in Niedersachsen seien die Bestellungen seit 2024 um fast 170 Prozent gestiegen, teilte ein Sprecher der Bestellplattform Lieferando mit. Zuwächse gab es demnach auch in Baden-Württemberg, Hessen und Hamburg.

Der Exil-Ruhrgebietler Alessandro Reintges serviert die Fast-Food-Spezialität seit Anfang Februar auch in Zürich in seinem Imbiss «Oder Wat», wie er auf Instagram mitteilte – angeblich als erster Anbieter eines «Taxi-Tellers» in der Schweiz.

Auch die Taxi-Branche zeigt Interesse: Im Portal «Taxi-heute» erschien ein ausführlicher Beitrag inklusive Anleitung zum Selbermachen.

Ein hungriger Taxifahrer als Namensgeber

Der Name «Taxi-Teller» entstand der Legende nach, als ein Taxifahrer spätabends in seinem Stammimbiss nicht mehr genug Gyros bekam. Der Wirt ergänzte kurzerhand Currywurst und Pommes als Sättigungsbeilage.

Seitdem gehört das Gericht zum festen Angebot vieler Imbissbuden und – wegen des Gyros – auch griechischer Restaurants. Besonders bei Jugendlichen ist die salzige Fett- und Fleischkombination beliebt, etwa als Grundlage vor einer Kneipentour oder als Kater-Killer danach.

«Wir gehen so alle zwei Wochen „Taxi-Teller“ essen», berichtet die 19-jährige Studentin Antonija Dreznjak im «Nikolaus-Grill» in Essen-Stoppenberg. «Das ist ’ne gute Grundlage, wenn wir in der Kneipe feiern gehen. Meistens kriege ich ihn gut weg, sonst hilft mir ein Freund».

Aufessen ist oft eine Herausforderung

Den Teller leer zu essen, ist keine Selbstverständlichkeit. Allein 120 Gramm Wurst und mindestens genauso viel Gyros liegen darauf, dazu kommen Pommes, Zwiebeln und Soßen. 12,90 Euro verlangt Grill-Chef Stergios Angelou für die komplette Portion. «Das sind locker 300 Gramm Fleisch – muss man erst mal schaffen», sagt der 43-Jährige.

Seit dem Social-Media-Hype ist die Zahl der Bestellungen deutlich gestiegen. «Ich verkaufe inzwischen 30 bis 35 Taxi-Teller pro Tag – viel mehr als früher», berichtet Angelou.

Zur Stammkundschaft gehören unter anderem drei Bauarbeiter, die an einem Freitagmittag schon vor der Öffnung warten und gleich dreimal «Taxi-Teller» bestellen. Wenige Tische weiter sitzt Studentin Dreznjak mit zwei Kommilitonen vor jeweils einer großen Portion. «Schlecht ist mir nicht, aber ich könnte jetzt ein Nickerchen machen», sagt sie nach dem Essen.

Kritik von Ernährungsfachleuten

Ernährungswissenschaftler sehen den Trend kritisch. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt maximal 120 Gramm Fleisch ein- bis höchstens zweimal pro Woche. Mit einem «Taxi-Teller» sei diese Menge bereits auf einmal erreicht, erklärt Sprecherin Claudia Müller – von fetten Soßen, Pommes und hohem Salzgehalt ganz abgesehen.

«Das ist schon reichlich energiereich, keine tolle Entwicklung.» Wer solche Fast-Food-Gerichte dauerhaft esse, riskiere je nach sonstiger Ernährung Übergewicht und damit verbundene Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

«Taxi-Teller» – Fans wollen mehr

Die mahnenden Worte schrecken viele Anhänger jedoch nicht ab. In sozialen Netzwerken wird bereits über neue Varianten diskutiert. Ein Nutzer empfiehlt bei Instagram etwa die Kombination mit einem zusätzlichen Zwiebel-Mett-Brötchen als «Taxi-Teller 2.0».

Im «Nikolaus-Grill» bestellt ein Stammkunde laut Angelou zweimal pro Woche eine besonders üppige Version: mit doppelten Pommes, reichlich Gyros, zwei Würsten sowie doppelt Mayo und Zwiebeln. «Das würde ich nie aufkriegen», sagt der Imbisschef, «obwohl ich jeden Tag Gyros esse».

Dieser Beitrag wurde unter Mitwirkung eines KI-Systems erstellt und von der Redaktion geprüft.