E-Zigarette und Rauchstopp: Aktueller Forschungsüberblick

E-Zigarette und Rauchstopp: Aktueller Forschungsüberblick
E-Zigaretten stehen im Fokus aktueller Studien zur Tabakentwöhnung und ihren gesundheitlichen Folgen. (Symbolbild: AND-ONE // iStock / Getty Images Plus)
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In wenigen Jahren hat die E-Zigarette den Weg vom Nischenprodukt zum viel diskutierten Instrument der Tabakentwöhnung zurückgelegt. Ihr Potenzial zur Senkung der gesundheitlichen Risiken des herkömmlichen Rauchens wird intensiv erforscht. Der Status als wissenschaftlich wie gesellschaftlich anerkannte Methode bleibt jedoch umstritten.

Die Debatte ist dynamisch und polarisiert. Während einige klinische Studien darauf hindeuten, dass nikotinhaltige E-Zigaretten manchen Rauchern beim Ausstieg helfen können, warnen Fachgesellschaften und Behörden vor der Attraktivität für Jugendliche sowie vor ungeklärten Langzeitfolgen. Ein Blick auf die aktuelle Forschungslage zeigt positive Tendenzen, die bei der Gesamtbetrachtung ausreichend berücksichtigt werden sollten.

Was die aktuellste Evidenz zeigt: Cochrane-Living-Review

Die Cochrane-Living-Systematic-Review bewertet die Evidenz zur Tabakentwöhnung mit E-Zigaretten kontinuierlich und kommt im Update vom Januar 2025 zu einem klaren Fazit: Nikotinhaltige E-Zigaretten helfen mehr Menschen, mindestens sechs Monate rauchfrei zu werden, als klassische Nikotinersatztherapien in Form von Pflastern oder Kaugummis. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz stuft das Review als hoch ein. Im Vergleich zu nikotinfreien E-Zigaretten sind nikotinhaltige Geräte wahrscheinlich überlegen, wenn auch mit etwas geringerer Sicherheitseinstufung. Diese Ergebnisse basieren auf aggregierten Daten aus randomisierten Studien und werden im Rahmen der fortlaufenden Cochrane-Überprüfung regelmäßig aktualisiert.

Wichtig ist, dass Cochrane die methodische Qualität streng bewertet und Risiken systematischer Fehler transparent darstellt. Dadurch wird die Schlussfolgerung gestärkt, dass nikotinhaltige E-Zigaretten als wirksame Option im Repertoire evidenzbasierter Rauchstopp-Hilfen gelten können und in klinischen Empfehlungen berücksichtigt werden sollten, ohne andere wirksame Mittel zu verdrängen.

Finnische Studie aus 2024: E-Zigarette versus Vareniclin

In einer placebokontrollierten, doppelblinden, dreiarmigen RCT (randomized controlled trial = randomisierte kontrollierte Studie) aus Finnland mit 458 Teilnehmenden wurden drei Behandlungen zur Raucherentwöhnung verglichen: nikotinhaltige E-Zigaretten, Vareniclin und Placebo. Nach 26 Wochen betrug die CO-bestätigte 7-Tage-Abstinenzrate 40,4 % in der E-Zigaretten-Gruppe und 43,8 % in der Vareniclin-Gruppe. Beide waren deutlich höher als unter Placebo (19,7 %). Auch in weiteren, vordefinierten Bewertungskategorien schnitten E-Zigaretten und Vareniclin besser ab als Placebo.

Vareniclin verursachte – im Einklang mit seinem bekannten Nebenwirkungsprofil – häufiger Übelkeit. Andere Nebenwirkungen wie Schlafstörungen und ungewöhnliche Träume kamen in moderaten Raten vor. Schwere Nebenwirkungen wurden aber nicht beobachtet.

Umsetzung im Versorgungskontext: Starter-Kits in britischen Notaufnahmen

Die multizentrische COSTED-Studie prüfte einen niedrigschwelligen Ansatz in britischen Notaufnahmen: Kurzberatung, ein kostenloses E-Zigaretten-Starter-Kit und die aktive Vermittlung an Stop-Smoking-Services wurden mit üblichen Hinweisen verglichen. Nach sechs Monaten lag die Abstinenzrate in der Interventionsgruppe bei 23,3 % und damit klar über der Kontrollgruppe mit 12,9 %. Studienbedingte unerwünschte Ereignisse blieben selten. Eine ökonomische Bewertung zeigte, dass der Ansatz mit hoher Wahrscheinlichkeit kosteneffektiv ist, gemessen an den üblichen Schwellenwerten des britischen Gesundheitssystems.

Besonders profitieren konnten Patienten mit hoher Nikotinabhängigkeit, die zuvor keine Entwöhnungshilfe genutzt hatten.

Alltagstauglichkeit und Gerätegruppen: Erkenntnisse aus der PATH-Kohorte 2024

Eine im Jahr 2024 in „JAMA Network Open” veröffentlichte Auswertung der US-weiten PATH-Studie (Population Assessment of Tobacco and Health) untersuchte den Zusammenhang zwischen den Merkmalen moderner E-Zigaretten, der Nutzungsintensität und dem Aufhören des Zigarettenrauchens. Zentrales Ergebnis: Wer täglich vapte – insbesondere mit neueren Gerätemodellen (2019–2021) – hatte eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Rauchstopp.

Da es sich bei PATH um eine Beobachtungsstudie handelt, sind Kausalaussagen jedoch nicht möglich. Die sogenannte Residualkonfundierung, also nicht vollständig erfasste Unterschiede zwischen den Nutzergruppen, kann die beobachteten Effekte verzerren.

Zigarette vs. E-Zigarette – die Auswirkungen auf die Gesundheit

Die gesundheitlichen Unterschiede beruhen vor allem auf der Art der Stoffzufuhr: Bei verbrennenden Tabakzigaretten entsteht Rauch, der Tausende Verbrennungsprodukte enthält, darunter Teer, Kohlenmonoxid und zahlreiche krebserzeugende Substanzen. Sie gelten als maßgebliche Risikofaktoren für Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. E-Zigaretten verdampfen eine Flüssigkeit und vermeiden dadurch viele, aber nicht alle toxischen Komponenten. Biomarkerstudien zeigen bei Umsteigern in der Regel eine geringere Belastung mit typischen Rauchgiften sowie eine schnelle Abnahme von Kohlenmonoxid. Dies deutet auf ein geringeres kurzfristiges Risiko für Gefäße und Lunge hin. Gleichwohl gelangen ultrafeine Partikel, Aldehyde und aromastoffspezifische Reizstoffe in die Atemwege. Dies kann Husten, Reizungen der Bronchien und eine Verschlimmerung bestehender Atemwegserkrankungen begünstigen.

Bei Herzpatienten deuten kurzfristige Messungen auf eine geringere akute Gefäßschädigung hin als beim Zigarettenrauch. Es fehlen jedoch robuste Langzeitdaten zu Infarkten und Schlaganfällen.