Landwirtschaft unter Druck Bauernverband fordert Kurswechsel in Baden-Württemberg

Bauernverband fordert Kurswechsel in Baden-Württemberg
LBV-Präsident Joachim Rukwied fordert beim Bauerntag mehr unternehmerischen Freiraum und schnelle Entlastungen für landwirtschaftliche Betriebe. (Bild: Alexander Klarmann)
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Der Landesbauernverband fordert schnelle Entlastungen für landwirtschaftliche Betriebe. Präsident Joachim Rukwied verlangt zudem langfristig mehr Freiraum.

Hohe Kosten und aus Sicht des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg (LBV) vielerorts unzureichende Erzeugerpreise setzen zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich unter Druck. Beim traditionellen Bauerntag nahm LBV-Präsident Joachim Rukwied deshalb Bundes- und Landesregierung in die Pflicht.

„Unsere Bäuerinnen und Bauern wollen ihre Höfe weiterentwickeln und Zukunft gestalten. Aber dafür muss sich ihre Arbeit rechnen. Auf vielen Betrieben geht es inzwischen um die wirtschaftliche Existenz. Wir brauchen jetzt schnelle Entlastungen und gleichzeitig den Mut, endlich die grundlegenden Herausforderungen anzugehen“, sagte Rukwied.

Lebensmittelproduktion soll sich wieder rechnen

Der Bauernpräsident verwies auf die wirtschaftlichen Bedingungen bei der Erzeugung von Lebensmitteln. Landwirte könnten ihre Produktion aufgrund natürlicher Vegetationsverläufe nicht beliebig aufschieben oder einstellen.

„Wenn ein Landwirt heute Weizen anbaut und schon bei der Aussaat damit rechnen muss, dass er ein Minusgeschäft macht, dann läuft etwas grundlegend falsch. Kein Unternehmer würde dauerhaft ein Produkt herstellen, mit dem er Geld verliert. Aber wir produzieren Lebensmittel und sichern die Ernährung der Menschen. Wir arbeiten mit der Natur und ihren Vegetationsverläufen. Feldarbeiten lassen sich nicht beliebig aufschieben, die Lebensmittelproduktion nicht einfach einstellen. Gerade in unsicheren Zeiten sehen wir, welchen Wert eine verlässliche heimische Lebensmittelerzeugung hat“, sagte Rukwied.

Er ergänzte: „Wir Bauern geben auch in schwierigen Jahren nicht einfach auf. Wir machen lange weiter. Aber auch der beste Betrieb kann auf Dauer nicht gegen die wirtschaftliche Realität anarbeiten. Wer Lebensmittel erzeugt, muss damit Geld verdienen können.“

Um die Betriebe kurzfristig finanziell zu entlasten, fordert der Bauernverband eine Aufstockung des Düngemittelhilfspakets auf 180 Millionen Euro. Zudem sollen 80 Prozent der Direktzahlungen bereits im Oktober ausgezahlt und die Restzahlungen bis spätestens Ende Dezember 2026 abgesichert werden.

„Jetzt zählt Geschwindigkeit. Wir müssen Liquidität auf die Höfe bringen. Das löst die grundlegenden Probleme nicht, aber es hilft unseren Betrieben jetzt unmittelbar“, so Rukwied.

Weniger Bürokratie und mehr unternehmerischer Freiraum

Über kurzfristige Hilfen hinaus fordert der LBV-Präsident einen grundsätzlichen Kurswechsel und mehr Raum für unternehmerische Entscheidungen. Dazu gehöre insbesondere ein Abbau von Bürokratie.

„Wir Landwirte tragen für unsere Tiere, unsere Böden, unsere Mitarbeiter und unsere Familien jeden Tag Verantwortung. Wir denken nicht bis zur nächsten Wahl, sondern in Generationen. Die Politik muss uns Unternehmern wieder mehr vertrauen. Gebt uns klare Leitplanken, die über Jahre Bestand haben, und dann lasst uns machen“, forderte Rukwied.

Zugleich verlangte er einen Stopp bei neuen gesetzlichen Vorgaben sowie die Streichung aus seiner Sicht unnötiger Auflagen. Seit Jahren werde über Entlastungen gesprochen, auf den Höfen komme davon jedoch zu wenig an.

Betriebe sollen widerstandsfähiger werden

Nach Ansicht des Bauernverbandes müssen landwirtschaftliche Betriebe zudem besser auf Krisen sowie wirtschaftliche und klimatische Risiken vorbereitet werden. Als mögliche Maßnahmen nennt Rukwied eine bessere einzelbetriebliche Risikovorsorge, einfachere Baugenehmigungen und Investitionsanreize für die Tierhaltung.

Hinzu kommen die Stärkung erneuerbarer Energien wie Biogas sowie eine nationale Strategie für Wassermanagement und Bewässerung in der Landwirtschaft. „Die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Jetzt muss die Politik sie umsetzen. Dann werden sich unsere Betriebe so aufstellen, dass sie auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig bleiben“, sagte Rukwied.

Eine langfristige Perspektive sei auch für die nächste Generation entscheidend. „Wir haben eine junge, top ausgebildete Generation, die Landwirtschaft machen und Verantwortung übernehmen will. Aber sie kann unsere Höfe nur übernehmen, wenn sie dort auch eine wirtschaftliche Zukunft sieht. Es liegt auch in der Verantwortung der Regierung, ihr ein Fundament zu geben, auf dem sie ihre Zukunft bauen kann“, erklärte der LBV-Präsident.

Bauernverband betont Bedeutung ländlicher Räume

Der Verband verweist zudem auf die Bedeutung der Landwirtschaft für regionale Wertschöpfung und ländliche Räume. Rukwied fordert von der Bundesregierung deshalb Veränderungen bei den politischen Rahmenbedingungen.

„Jetzt braucht es Mut und den Willen, wirklich etwas zu verändern. Wir müssen den Menschen, die anpacken und etwas bewegen wollen, wieder Perspektiven geben. Wir haben in Deutschland hervorragend ausgebildete Menschen, viel Know-how und enorme Tatkraft. Wenn wir das gemeinsam in die Waagschale werfen, können wir Deutschland wieder nach vorne bringen. Davon bin ich fest überzeugt.“

(Quelle: Landesbauernverband in Baden-Württemberg e.V.)

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