Trockenheit und Hitze führen 2026 zu deutlichen Ertragseinbußen in Baden-Württemberg. Neben der Ernte verschärfen niedrige Preise und hohe Kosten die Lage der Betriebe.
Die anhaltende Trockenheit hat in diesem Jahr tiefe Spuren auf den Äckern und Wiesen hinterlassen. Regional kamen Hagel und Unwetter hinzu. Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV) zieht deshalb eine schwierige Bilanz zur Ernte 2026.
„Die Dürre trifft unsere Landwirtschaft mit voller Wucht. Auf vielen Betrieben fehlt seit Monaten das Wasser. Die Folgen sehen wir jetzt bei der Ernte. Auf zahlreichen Standorten werden sie noch weit über dieses Jahr hinaus zu spüren sein“, erklärt Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg.
Deutliche Einbußen im Ackerbau
Während die früh geerntete Wintergerste noch vergleichsweise glimpflich durch das Anbaujahr gekommen ist, zeigen sich bei Winterweizen und Raps erhebliche Einbußen. Auch bei Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben hat der Wassermangel das Wachstum massiv beeinträchtigt.
Beim Winterweizen liegt der Ertrag mit 67,2 Dezitonnen pro Hektar 8,2 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Sommergerste kommt auf 49,6 Dezitonnen und liegt 9,7 Prozent darunter. Beim Raps beträgt das Minus 10,3 Prozent, beim Hafer 19,4 Prozent. Lediglich die Wintergerste liegt mit 70 Dezitonnen pro Hektar 1,3 Prozent über dem Mittel. Insgesamt rechnet der LBV mit einer Getreideernte von 2,57 Millionen Tonnen.
Trockenheit trifft auch Kartoffelbetrieb
Wie sich die Situation auf einzelne Betriebe auswirkt, zeigt der Hof von Sarah Escher-Gauß in Remseck-Aldingen. Die 30-Jährige übernahm 2025 die Betriebsführung von ihrem Vater. Auf rund 40 Hektar eigener Fläche sowie zusätzlichen Tauschflächen baut die Familie vor allem Kartoffeln an. Rund 18 Hektar entfallen auf die Knollen.
In diesem Jahr können die Eschers ihre Flächen nicht ausreichend bewässern. An einer Lösung arbeitet die Familie bereits. Für die Kartoffelernte rechnet Escher-Gauß deshalb mit einem unterdurchschnittlichen Ergebnis. „Fürs Wetter kann niemand etwas“, sagt sie. Gleichzeitig fordert sie verlässliche Rahmenbedingungen für den Pflanzenschutz und einen Abbau von Bürokratie.
Futtermangel trifft Tierhalter
Noch gravierender sind laut Landesbauernverband die Folgen auf dem Grünland und im Futterbau. In fast allen Regionen Baden-Württembergs sind seit dem zweiten Schnitt kaum noch nennenswerte Aufwüchse zu verzeichnen. Teilweise fielen der dritte und vierte Schnitt vollständig aus. Landesweit geht der Verband von mindestens 30 bis 40 Prozent weniger Futter aus, lokal liegen die Ausfälle bei bis zu 50 Prozent.
Viele Betriebe verfüttern bereits Reserven, die eigentlich für den Winter vorgesehen waren. Der regionale Markt für Heu, Öhmd und Stroh ist vielerorts wie leergefegt. Für noch verfügbare Ware werden teilweise Preise verlangt, die rund 50 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen.
Auch Direktvermarkter spüren Preisdruck
Neben den Folgen der Trockenheit belasten niedrige Erzeugerpreise und hohe Kosten die Landwirtschaft. Auch Direktvermarktung schützt davor nicht. Familie Escher verkauft einen Teil ihrer Kartoffeln im eigenen Hofladen, weitere Mengen gehen an Gaststätten, Metzgereien und über einen Partner auf dem Stuttgarter Großmarkt in den Lebensmitteleinzelhandel.
„Wir stehen genauso unter Preisdruck wie andere landwirtschaftliche Betriebe“, sagt Escher-Gauß. Zwar kann die Familie im Hofladen ihre Preise selbst festlegen, doch auch dort gibt der Lebensmitteleinzelhandel eine wichtige Orientierung vor. Bei anderen Vermarktungswegen orientieren sich die Preise an Marktpreisen und Notierungen.
Landesbauernverband fordert Unterstützung
Der LBV begrüßt die vom Land angekündigten Futtermittelhilfen einschließlich der Unterstützung von Transportkosten sowie weitere Erleichterungen zur Futtergewinnung. Vom Bund fordert der Verband unter anderem eine Aufstockung des Düngemittelhilfspakets auf 180 Millionen Euro, eine frühere Auszahlung der Direktzahlungen und eine Reduktion der Steuer auf Diesel. Hinzu kommen Zinszuschüsse für Liquiditätsdarlehen und die Aussetzung von Steuervorauszahlungen.
Langfristig fordert der Verband unter anderem eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage, staatliche Unterstützung einer umfassenden Mehrgefahrenversicherung einschließlich Trockenheit sowie eine bessere Förderung von Investitionen in die Klimaanpassung, insbesondere in Bewässerung.
(Quelle: Landesbauernverband in Baden-Württemberg e.V)