Ausbildung neu denken Design Thinking kommt ins Handwerk

Design Thinking kommt ins Handwerk
Roland Aicheler, Geschäftsführer der Beruflichen Bildungsstätte in Tuttlingen, und Ulrich Starke, Mitarbeiter von Strohm Einrichtungen, im Kreativraum vor dem Schriftzug der Machbar. (Foto: BBT Tuttlingen/Carmen Kaupp)
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Das Handwerk steht vor großen Herausforderungen: Fachkräftemangel, stei-gende Kundenanforderungen, Digitalisierung und immer komplexere Aufträge. Wer als Betrieb zukunftsfähig bleiben will, muss nicht nur gut arbeiten, sondern auch anders denken lernen. Genau hier setzt das vom Bundesbildungsministe-rium geförderte Projekt DTM-Handwerk an, das die Design Thinking Methode schon in die Ausbildung im Handwerk bringen will.

Ziel des Projekts ist es, den angehenden Fachkräften in der überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) eine zusätzliche Kompetenz zu vermitteln, die in modernen Betrieben immer wichtiger wird: systematisches, gewerkeübergreifendes, kreati-ves Problemlösen. Design Thinking ist dafür eine international bewährte Me-thode, die nun auch in der Ausbildung im Handwerk erprobt werden soll.

Neue Methoden für die überbetriebliche Ausbildung

„Das Handwerk war schon immer ein Motor für Innovation. Aber heute reicht Erfahrung allein nicht mehr aus. Wir müssen junge Menschen gezielt befähigen, neue Lösungen zu entwickeln“, sagt Dr. Maria Kreiner, Projektleiterin von der Handwerkskammer Konstanz. „Design Thinking stärkt genau diese Kompetenz und soll ein Impuls dafür sein, die überbetriebliche Ausbildung langfristig neu zu gestalten.“

In einem Kreativraum, der derzeit in der Beruflichen Bildungsstätte in Tuttlingen (BBT) entsteht, sollen künftig Auszubildende gewerkeübergreifend an realen Fra-gestellungen aus dem Berufsalltag arbeiten. Sie analysieren Kundenaufträge, entwickeln Ideen und bauen Prototypen oder entwerfen neue Prozesse – ein Training, das direkt auf betriebliche Herausforderungen übertragbar ist.

Doch zunächst geht es im Projekt darum, Ausbilderinnen und Ausbilder für das Thema Design Thinking zu begeistern. In speziellen Train-the-Trainer-Formaten lernen sie im neuen Kreativraum die Methode kennen und können sie künftig selbst im Ausbildungsalltag einsetzen.

In dem Kreativraum, der Machbar, können Auszubildende künftig an drei Stationen („Denk-Mach-Zeig“) gewerkeübergreifend kreative Lösungen für Fragestellungen aus dem Arbeitsalltag finden.
In dem Kreativraum, der Machbar, können Auszubildende künftig an drei Stationen („Denk-Mach-Zeig“) gewerkeübergreifend kreative Lösungen für Fragestellungen aus dem Arbeitsalltag finden.(Foto: BBT Tuttlingen/Carmen Kaupp)

Innovationskraft für Betriebe

„Betriebe profitieren doppelt“, erklärt Roland Aicheler, Geschäftsführer der Be-ruflichen Bildungsstätte in Tuttlingen. „Die Auszubildenden gewinnen zusätzliche Kompetenzen, und Ausbildende erweitern ihr methodisches Repertoire. Das stärkt die Innovationskraft des gesamten Unternehmens.“

Das Projekt wird von der Handwerkskammer Konstanz, der Handwerkskammer Aachen und der Beruflichen Bildungsstätte Tuttlingen umgesetzt und mit 1,3 Millionen Euro Bundesmitteln gefördert. Über drei Jahre hinweg soll Design Thinking für die überbetriebliche Ausbildung erprobt werden.

Wissenschaftlich-konzeptionell begleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Jürgen Wagenmann vom Institut für KMU und Handwerk an der Allensbach Hochschule Konstanz. Laufende Evaluationen stellen sicher, dass die Methode zielgruppen-gerecht für die Auszubildenden im Handwerk konzipiert wird und den Bedarf der Handwerksbetriebe gewerkeübergreifend erfüllt. Ziel ist es, Design Thinking langfristig in die überbetriebliche Ausbildung zu integrieren.

Im April starten die ersten Informationsveranstaltungen für interessierte Be-triebe, Ausbildende und Multiplikatoren. Sie bieten einen praxisnahen Einblick in die Methode, ohne Theorieballast, dafür mit konkreten Anwendungsbeispielen aus dem Handwerk.

Informationen zu den Veranstaltungen und zum Projekt:
www.hwk-konstanz.de/dtm

Hinweis

Das Projekt „DTM-Handwerk“ wird gefördert im Rahmen der „Initiative für eine exzellente überbetriebliche Ausbildung (INex-ÜBA)“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). INex-ÜBA wird durch-geführt vom Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BIBB).

(Quelle: Handwerkskammer Konstanz)