Die Weidesaison an der Donau beginnt

Seit 2022 bringt Schäfer Stefan Fauser im Auftrag der Naturschutzverwaltung mehrere hundert Schafe und einige Esel auf die Weide unterhalb der Heuneburg.
Seit 2022 bringt Schäfer Stefan Fauser im Auftrag der Naturschutzverwaltung mehrere hundert Schafe und einige Esel auf die Weide unterhalb der Heuneburg. (Bild: pixabay)

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Nach Ostern beginnt die Weidesaison an der Donau unterhalb der Heuneburg. Die Schafe und Esel werden vom Schäfer aus ihren Winterquartieren geholt. Die Tore im Weidezaun für Fußgänger werden bis Oktober geschlossen.

Seit 2022 bringt Schäfer Stefan Fauser im Auftrag der Naturschutzverwaltung mehrere hundert Schafe und einige Esel auf die Weide unterhalb der Heuneburg. Die Eselherde ist inzwischen auf 16 Tiere angewachsen. Die Weidetiere halten die Magerwiesen offen und schaffen eine wilde Weidelandschaft, wie sie früher weit verbreitet war.

Mangels Schnee gab es an der Donau dieses Frühjahr kein Hochwasserereignis. Dafür sorgten die vielen Niederschläge seit Herbst für dauerhaft erhöhte Wasserstände. Die dadurch verursachten Uferabbrüche und Kiesumlagerungen sind derzeit gut zu erkennen. Die Weidetiere sorgen dafür, dass die vorhandenen Kiesbänke und Ufer nicht mit Gehölzen zuwachsen und der Fluss seine Dynamik behält. An diesen Uferabbrüchen und Kiesbänken finden Insekten, Wasser- und Watvögel beste Lebensbedingungen – so auch der Flussregenpfeifer, der die Kiesbänke als Brutflächen nutzt. Mitte März dieses Jahres wurden bereits wieder die ersten Paare gesichtet. Die Tiere und deren Gelege, die Kieselsteine zum Verwechseln ähnlich sehen, können Spazierende vom Weg aus entdecken.

Der freie Blick auf die Donau ermöglicht aber auch Beobachtungen anderer seltener Vogelarten wie dem Kiebitz – Vogel des Jahres 2024. Er kommt zur Nahrungssuche öfters vorbei und brütet seit zwei Jahren wieder im südlich von Hundersingen gelegenen Gebiet „Neunbrunnen“.

Flussregenpfeifer mit Gelege.
Flussregenpfeifer mit Gelege. (Bild: Helmut Emrich)

Die Weide selbst ist für Besucher gesperrt, wenn die Schafe und Esel auf der Fläche sind. Spaziergänger können den außerhalb der Weide gelegenen Wegen folgen. Der abseits angelegte Parkplatz an der Verbindungsstraße von Hundersingen nach Binzwangen wird rege genutzt und trägt sehr zur Beruhigung des Gebiets bei. Von hier können Besucherinnen und Besucher zu Fuß oder mit dem Rad weiterhin an den Aussichtspunkt an der Donau gelangen.

Die Wegeführung ist auf den Informationstafeln an allen Zugängen zur Weide dargestellt. Da das Füttern der Tiere der Tiergesundheit schaden und dazu führen kann, dass sich die Tiere gegenüber den Menschen zudringlich verhalten, sind Besucherinnen und Besucher ausschließlich als beobachtende Gäste herzlich willkommen. Hunde müssen angeleint werden, um nicht vorhersehbare Folgen für Hunde und Weidetiere zu vermeiden.

Das Naturschutzzentrum Obere Donau bietet Interessierten am 17. Mai 2024 eine Führung mit Informationen zur Donaurenaturierung und zum Weideprojekt an. Weitere Details zur Führung sowie die erforderliche Anmeldung sind über das Naturschutzzentrum möglich.

Renaturierung „Donau zwischen Hundersingen und Binzwangen“

Das Regierungspräsidium Tübingen hat im Rahmen des Integrierten Donauprogramms sowie zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in den Jahren 2009 bis 2011 das Renaturierungsvorhaben „Donausanierung zwischen Hundersingen und Binzwangen” realisiert. Dabei wurde zwischen Hundersingen und Ertingen-Binzwangen auf einer Länge von knapp drei Kilometern die Donau durch Ausleitung in ein neues Flussbett saniert. Mittels Geländeabtrag wurde ein neues Gewässerbett geschaffen, das sich vom Hochwasser noch überformt. Die Talaue wird der natürlichen Sukzession und der morphologischen Selbstentwicklung überlassen.

Ziele der Maßnahme sind die Revitalisierung der Flussaue, die Regeneration der Flusslandschaft, Reaktivierung der Hochwasserretention sowie Schaffung eines vielgestaltigen Flussbettes. Dabei ist eine natürliche Flusslandschaft entstanden, die sich mit ständig verlagernden Kiesbänken und Uferabbrüchen in immer neuer Gestalt präsentiert. Die Prozesse von Abtragung und Ablagerung von Kiesinseln lassen sich vor Ort erkennen. Sie führen dazu, dass sich Flächen mit frühen Sukzessionsstadien im Bereich der Donau erhalten.

Auf den Kiesflächen beidseits des Flusses haben sich artenreiche Magerrasen entwickelt. Um diese offene Flusslandschaft mit ihren charakteristischen Lebensräumen und seltenen Arten zu erhalten, wird an der Donau eine großräumige Weidelandschaft entwickelt. Die Weidetiere sind in vielfältiger Hinsicht förderlich für die Naturschutzziele im Gebiet. Sie halten nicht nur das Gras kurz, sie sorgen auch dafür, dass die Ufer gehölzfrei bleiben und ihre Dynamik behalten. Zudem bereichern Tritt und Verbiss durch die Weidetiere die Struktur und damit auch die Artenvielfalt der Magerrasen.

Exkurs Flussregenpfeifer

Kiesinseln in und an Flussläufen sind der ursprüngliche Lebensraum der Flussregenpfeifer. Hier legen sie ihre gut getarnten Eier in den Kies. Durch den Rückgang dieser Lebensräume ist auch die Vogelart selten geworden. In der renaturierten Flusslandschaft unterhalb der Heuneburg finden sie eine neue Heimat.

Die Weidetiere helfen, diesen Lebensraum für den Flussregenpfeifer zu erhalten. Die Anzahl der Weidetiere wird begrenzt, damit sie den Gelegen nicht zu nahekommen und die brütenden Altvögel nicht aufstören. Naturschützer und Schäfer achten in der Brutzeit auf die Gelege und zäunen sie – wo dies nötig scheint – aus.

(Pressemitteilung: Regierungspräsidium Tübingen)