Niedrigwasser am Bodensee – Ausnahmezustand für Mensch und Tier

Niedrigwasser am Bodensee – Ausnahmezustand für Mensch und Tier
Der Bodensee hat einen historischen Tiefstand erreicht: Der aktuelle Wasserstand in Konstanz liegt bei 265 Zentimetern und damit 110 Zentimeter unter dem langjährigen Mittelwert. (Bild: MSchauer / iStock / Getty Images Plus)
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Der Bodensee hat einen historischen Tiefstand erreicht. Noch nie war der Sommer-Pegelstand so niedrig wie in diesem Jahr, heißt es von den Bodensee-Schiffsbetrieben. Die Folgen sind nicht nur für Tiere erheblich.

Der aktuelle Wasserstand des Bodensees in Konstanz liegt bei 265 cm und damit 110 cm unter dem langjährigen Mittelwert. Auf Grund des niedrigen Wasserstands kommen Boote schlechter ins Wasser und viele Flächen liegen trocken. Für eine Entspannung der Situation fehlt Regen und der ist laut Meteorologen nicht in Sicht.

Teilweise erschwerte Bedingungen für Fahrgäste

Die Zugangsbrücken zu den Schiffen sind an vielen Landestellen sehr steil. Fahrgäste müssen daher ihre Fahrräder, Anhänger und E-Bikes selbst an Bord bzw. von Bord bringen, Mobilitätseingeschränkte Gäste sind auf die Unterstützung ihrer Begleitpersonen angewiesen. Die Besatzungen der Bodensee-Schiffsbetriebe können nur sehr eingeschränkt Hilfestellungen leisten, heißt es auf der Seite der BSB. Genaue Infos zu allen Landestellen gibt es unter bsb.de

Auch der September soll deutlich zu wenig Regen bringen. Der Bodensee erreicht normalerweise seinen niedrigsten Wasserstand im Februar oder März. Dass der Tiefstand schon jetzt unterschritten werde, hat allerdings verschiedene Gründe, so die Experten der LUBW (Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg). In den Alpen gab es schneearme Winter, dadurch fehlte das Schmelzwasser im Frühjahr. Hinzu kommt die starke Verdunstung durch die langanhaltende Hitze im Hochsommer und der fehlende Regen.

Ausnahmezustand für Tier- und Pflanzenzwelt

Für Tiere und Pflanzen herrscht am Bodensee ein Ausnahmezustand. Fische, Kleinlebewesen und Wasserpflanzen leiden unter dem aktuellen Niedrigwasser. Für Fische ist nicht nur der Platzmangel ein Problem, sondern die Kombination aus einem niedrigen Wasserstand, Hitze und akutem Sauerstoffmangel. Wo unzählige Wasservögel normalerweise in überfluteten Schilfzonen ihre sicheren Lebensräume haben, sitzen sie in diesem Sommer wortwörtlich auf dem Trockenen, so zum Beispiel im Ermatinger Becken, schreibt das NABU-Bodenseezentrum.

„Der extreme Pegel war für Wasservögel wie Blässhühner und Haubentaucher bereits in der Brutzeit sehr herausfordernd“, erläutert Lisa Maier, Ornithologin am NABU-Bodenseezentrum. Daher wird es auch etwas weiter draußen zunehmend eng auf dem See: Weil die Flachwasserzonen trocken liegen, ziehen die mausernden Schwäne, Enten und Blässhühner weiter aufs Wasser hinaus, wo sie sich den Raum mit unzähligen Freizeit- und Paddelbooten teilen müssen.

Viele Gruppen und Branchen sind betroffen

Das Niedrigwasser des Bodensees hat auch die Pfahlbauen in Unteruhldingen erreicht. Wie der SWR berichtet, stehen aktuell fast alle Pfahlbauten im Trockenen. Was für die Nachbauten unproblematisch ist, kann für die Original-Pfähle gefährlich werden. Durch die Luft könnte der normale Zersetzungsprozess einsetzen. Noch liegen diese Holzpfähle aus der Bronzezeit allerdings geschützt unter Wasser, heißt es weiter.

Die durch das Niedrigwasser am Bodensee am stärksten betroffenen Gruppen und Branchen sind neben vielen Tieren private Bootsbesitzer, Werften, Berufsfischer (besonders am Untersee), Touristen und die Bodensee-Schifffahrt.

(Quelle: LUBW/BSB/NABU/SWR)

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