Munition aus Kriegszeiten Niedrigwasser Bodensee: Gefahr von Kampfmittelfunden

Niedrigwasser Bodensee: Gefahr von Kampfmittelfunden
Die Aufnahme zeigt zwei alte Handgranaten und verdeutlicht, welche gefährlichen Munitionsrelikte aus Kriegszeiten noch heute gefunden werden können. (Bild: KMBD)

Das anhaltende Niedrigwasser am Bodensee führt zu spürbaren Problemen, nicht nur im Bereich Schifffahrt und Tourismus. Am Uferbereich können auch alte Bomben und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt werden. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst warnt, einen Fund auf keinen Fall zu berühren

Die Pegelstände liegen deutlich unter dem Durchschnitt und immer wieder werden Sandbänke am Ufer des Bodensees freigelegt. Die Möglichkeit besteht, dass Spaziergänger stark verrostete Hinterlassenschaften aus Kriegszeiten entdecken. Diese sind extrem gefährlich. Laut Experten sollen Kampfmittel nicht berührt und unter keinen Umständen angefasst oder bewegt werden.

Munitionsrelikte sofort melden

Die Bodenseeregion war im Zweiten Weltkrieg – insbesondere Friedrichshafen mit seiner Rüstungsindustrie – das Ziel schwerer alliierter Luftangriffe. Bis heute werden im See und am Ufer immer wieder Munitionsrelikte oder Flugzeugteile aus dieser Zeit entdeckt. Im November 1993 wurde vor Friedrichshafen im Bodensee sogar das Wrackteil eines britischen Bombers aus dem Zweiten Weltkrieg geborgen. Die spektakuläre Bergung zog unzählige Schaulustige an.

Trotz des aktuell historischen Tiefstands des Bodenseepegels wurden dem Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) in diesem Sommer lediglich fünf Kampfmittelfunde im Wasser aus der Bodenseeregion gemeldet. Hierbei handelte es sich um drei Stabbrandbomben (brit.), eine deutsche Handgranate und eine Wurfgranate (US).

Eine US-Wurfgranate: Ein solcher Munitionsfund wurde in diesem Sommer aus dem Wasser der Bodenseeregion gemeldet.
Eine US-Wurfgranate: Ein solcher Munitionsfund wurde in diesem Sommer aus dem Wasser der Bodenseeregion gemeldet. (Bild: KMBD)

Stabbrandbomben sollten ganze Städte zerstören

Stabbrandbomben wurden im Zweiten Weltkrieg zu Tausenden von Flugzeugen abgeworfen, um ganze Städte durch Feuerstürme zu zerstören. Handgranate sind kleine tragbare Explosionswaffen, die von Hand geworfen worden sind. Meist dienten sie als Nahkampfwaffe, um den Gegner in Deckungen oder Gräben zu bekämpfen. US-Wurfgranaten wurden für den Einsatz aus einem Infanteriegeschütz oder Mörser (Wurfgerät) konzipiert.

Eine Stabbrandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg: Drei solcher Kampfmittel wurden in diesem Sommer aus der Bodenseeregion gemeldet.
Eine Stabbrandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg: Drei solcher Kampfmittel wurden in diesem Sommer aus der Bodenseeregion gemeldet. (Bild: KMBD)

Gezielte Überprüfung erfolgt nicht

Auf Nachfrage des WOCHENBLATTS beim Regierungspräsidium Stuttgart würden sich die Fundmengen im normalen Rahmen bewegen. „Wir haben nur einen kleinen Anstieg in den anderen Gewässern in Baden-Württemberg. Dies könnte sich aber jeder Zeit noch ändern“, heißt es weiter. „Eine gezielte Überprüfung der jetzt wasserfreien Flächen am Bodensee bzw. der jetzigen Flachwasserbereiche erfolgt nicht“.

„Kampfmittel aus den beiden Weltkriegen sind auch noch nach Jahrzenten bei falscher Handhabung gefährlich“, betont der KMBD. Daher ist das richtige Verhalten bei einem Fund wichtig.

Wer Kampfmittel findet:

  • nicht berühren
  • den Gegenstand unter keinen Umständen anfassen, bewegen, aufheben oder etwa zur Polizei bringen
  • Fundort sichern, den Bereich großräumig meiden und absperren, um andere Personen zu warnen
  • Polizei unverzüglich informieren oder die zuständige Ordnungsbehörde

Weitere Infos zum richtigen Verhalten gibt es in einem Flyer des KMBD: rp.baden-wuerttemberg.de

(Quelle: Regierungspräsidium Stuttgart/Presse/KMBD)