Mit Dr. Silke Nowak (Bad Saulgau) stellen wir heute die Zweite der drei Krimiautoren aus der Region vor. Nach Michael Boenke, bei dem sich die Bücher über Mord und Todschlag im Großraum Pfrunger Ried abspielen, zieht sich die Spur des Verbrechens bei Nowak von Sigmaringen über Ravensburg und den Bodensee bis in die ganze Welt. Bei vielen Menschen in der Region ist Nowak noch nicht so bekannt, wohl aber einer großen Anhängerschaft, die ihre spannenden Krimis in digitaler Form verfolgen. Auf diesem Gebiet zählt Sie zu den Pionieren und startete vor 12 Jahren erfolgreich durch und ist in den Bestsellerlisten ganz vorne dabei.
Frau Nowak, Sie hatten eine akademische Ausbildung, promovierten, waren wissenschaftlich tätig und lehrten an einer Universität. Wie kamen Sie dazu die Seiten zu wechseln und „profane“ Krimis zu schreiben?
Wissenschaftliches Arbeiten liegt mir. Ich analysiere gerne Menschen und Texte. So geriet ich während meines Studiums der Germanistik und Philosophie, daneben auch der Kunstgeschichte und Psychologie, früh ins Fahrwasser einer akademischen Laufbahn.
Tiefer geht allerdings mein Bedürfnis, selbst schöpferisch produktiv zu sein. Der Entschluss zum Schreiben stand lange bevor sich mir die Gelegenheit bot, ernsthaft anzufangen. In meiner Elternzeit vor vierzehn Jahren begann ich, mein erstes nicht-wissenschaftliches Buch zu schreiben. Es wurde ein Krimi. Da ich als Krimischriftstellerin schnell Erfolg hatte, blieb ich zunächst dabei. Soweit liegt der Krimi von meiner akademischen Tätigkeit aber nicht entfernt. Von der Philosophie der Aufklärung und einer Schule des kritischen Denkens führt eine direkte Linie zum Kriminalroman. Im Kern ist er ein intellektuelles Rätselspiel der Tarnung und Enttarnung, Täuschung und Enttäuschung. Zum Verbrechen gehört die Fassade, die Verstellung, Maske, hinter der es sich verbirgt. Das Zur-Sprache-Bringen der Wahrheit ist dem Krimi wesentlich.
Sie haben mittlerweile 13 Krimis veröffentlicht. Hatten alle Fälle durchgängig denselben Ermittler?
Nein. Lediglich meine frühen Krimis Auserwählt, Die schwarze Lilie und Spielende haben mit der Berliner Kriminalpsychologin Clara Schwarzenbach dieselbe Ermittlerin. Auch die Fälle in meinen beiden Ravensburg-Krimis – das sind Alinas Grab und Nocturna – werden von denselben Ermittlern der Privatdetektei Fuchs & Bentwood aufgeklärt. Ansonsten habe ich mit jedem Buch die Ermittler und ihre Welt wieder neu erfunden.
Ist es nicht schwer, sich immer wieder eine neue Vita für einen Ermittler aufzubauen?
Ja. Ökonomisch ist das nicht. Aber beim Schreiben interessiert mich auch das, was mich selbst weiterbringt. Und wenn das etwas ist, das ich noch nicht kenne, dann entsteht etwas Neues.
Sind Ihre Ermittler wirkliche „Helden“, oder gibt es dabei auch Wölfe im Schafspelz?
Helden mit einem eindimensional guten oder naiven Charakter gibt es bei mir tatsächlich nicht. Allerdings wären das auch keine Helden, sondern wirklich Schafe. Meine Ermittler sind allerdings immer insofern Helden, als sie sich trotz Schwierigkeiten und Abgründen bewusst für das Gute, Schöne und Wahre entscheiden – und dafür kämpfen.
Viele Krimis sind auf eine Region zugeschnitten, wir beispielsweise die Kluftinger Krimis, die im Allgäu spielen. Ist das bei Ihnen auch der Fall?
Nein. Meine Krimis erforschen keine geographische Region, sondern die Natur des Menschen. Sie könnten überall auf der Welt spielen und tun das auch. Seit ich wieder in Bad Saulgau lebe, wird die Region Oberschwaben und der Bodensee allerdings häufiger zum Ort des Verbrechens als es statistisch wahrscheinlich zutreffend ist.
Sie haben überwiegend die digitale Form der Veröffentlichung für Ihre Krimis gewählt. Können Sie uns verraten, was Sie dazu bewog und vor allem, war der Weg erfolgreich?
Für neue und noch unbekannte Autoren war es schon immer schwer, einen guten Verlag und einen guten Vertrag zu bekommen. Als ich 2013 anfing, war der digitale Vertriebsweg über das E-Book gerade in den Anfängen. Da ich schnell zu den erfolgreichsten Selfpublishern in Deutschland gehörte, blieb ich dabei. (Anm. der Redaktion: Selfpublisher sind Autoren, die ihre Bücher selbst veröffentlichen, ohne einen traditionellen Verlag zu nutzen).
Meine Krimis standen auf der internationalen E-Book-Bestsellerliste meist monatelang ganz oben. In den letzten Jahren ist es auf dem digitalen Markt allerdings so eng geworden, dass es kaum mehr möglich ist, sich als Einzelkämpferin gegen große Firmen und Verlage auf den oberen Verkaufsrängen zu behaupten.
Welche weiteren Veröffentlichungen haben Sie aktuell geplant?
Drei Krimis liegen halbfertig in meiner Schublade, denn zurzeit schreibe ich an meinem ersten „richtigen“ Roman, der mich nicht mehr loslässt.
Vermarkten Sie sich selbst, oder übernimmt dies ein professionelles Team?
Ich mache alles selbst. Aber der Wunsch nach einem professionellen Team wächst, damit ich mich auf das konzentrieren kann, weshalb ich Schriftstellerin geworden bin: das Schreiben.
Mit Ihren Kollegen Michael Boenke und Uli Herzog bieten Sie Lesungen bei Krimi-Abenden an. Wie ist die Reaktion der Besucher auf die unterschiedlichen Charaktere der Autoren und ihrer Werke?
Das Spannende an unseren Krimi-Abenden ist tatsächlich die Vielfalt. Jeder von uns bringt seinen eigenen Ton mit – mal abgründig und leise, mal augenzwinkernde Provinzposse, liebevoll pointiert, dann wieder tiefgründig oder humorvoll und voller Action – und genau das scheint beim Publikum gut anzukommen. Vielleicht ist es wie bei einem guten Krimi: Es sind die Kontraste, die Spannung erzeugen.
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