Das Turmfalkenprojekt ist eine Erfolgsgeschichte. Seit im Jahr 2021 die ersten Turmfalken in der Altstadt Wangen angesiedelt wurden, sind es inzwischen fünf Paare, die Nachwuchs hervorbringen. Im vergangenen Jahr wurden 27 Jungfalken beringt. Wer sehen möchte, wie die Jungtiere schlüpfen, kann jetzt im Internet über www.wangen.de/turmfalken zuschauen.
Über Gerhard Lang hat der Wangener NABU die Kamera zur Verfügung gestellt, die jetzt im Pfaffenturm das Nest der Turmfalken in den Blick rückt. Am 16. April 2024 legte das Turmfalkenweibchen das erste Ei. Deshalb ist Lang zuversichtlich, dass in den nächsten Tagen die Jungen schlüpfen. „Einen Monat brüten die Turmfalken, einen Monat lang versorgen sie ihre Jungvögel im Nest und dann füttern sie die Jungen noch etwa einen weiteren Monat draußen in der Natur“, erklärt der Vogelexperte. Manche kehrten zum Übernachten noch ins bekannte Nest zurück, andere säßen in Bäumen oder unter Dachvorsprüngen.
Im Übrigen sind die Turmfalken klug genug, Vorräte aufzubauen. Beim Besuch im Lindauer Tor zeigte sich, dass in einer der Turmöffnungen neben bereits abgenagten Mäuseknochen auch eine ganze Maus lag. Für den Vogelkundler ist völlig klar: „Die Turmfalken fangen Mäuse, besonders gern Wühlmäuse, und wenn sie diese nicht sofort verzehren, lassen sie sie für den nächsten Hunger liegen“, sagt Lang.
Im Übrigen sei die Größe des Geleges auch ein Indiz für das mehr oder weniger große Futterangebot. Offenkundig sind die werdenden Vogeleltern davon überzeugt, dass sie genügend Mäuse finden werden, um einen stattlichen Nachwuchs aufzuziehen.
Im Ravensburger Tor hat sich derweil schon ein Vogeldrama abgespielt. Ein anderes Tier muss das erste Gelege geraubt haben. „Das können Dohlen, Krähen oder sogar Marder gewesen sein“, erklärt Lang. Inzwischen wurde ein Ei nachgelegt. Viel mehr werden es wohl nicht, denn ein zweites Gelege bleibe immer kleiner als das erste.
Von städtischer Seite kümmern sich Stefan Gufler vom Bauhof und Siegfried Stampfer von der Stadtbildpflege um das Projekt. Gufler ist einmal wöchentlich in der Altstadt, um das Wasserrad an der Eselmühle zu warten, nach den fünf Turmfalkennestern in den Türmen und dem Bauhofsilo zu sehen. Außerdem liegen die beiden Taubentürme an der Gallusbrücke und an der Fischtreppe an seiner Route. Sie werden von ihm gereinigt.
Um den Menschen das Turmfalkenprojekt nahezubringen, hat sich Projektleiter Siegfried Stampfer entschieden, die Aufnahmen der Kamera per Livestream übertragen zu lassen. Hier unterstützen Holger Sonntag und Stefanie Küfer aus dem Amt für Wirtschaft, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. So können jetzt Besucher der Landesgartenschau im Treffpunkt Wangen im Comptoirgebäude den Vögeln ins Nest schauen. Selbstverständlich ist die Beobachtung auch von jedem anderen Computer oder Handy aus möglich. Außerdem wird Stampfer in der Woche vom 24. bis 30. Juni, wenn sich das Amt für Prüfung und Datenschutz, dem er angehört, im Comptoirgebäude vorstellt, auch das Turmfalkenprojekt präsentieren. Dazu hat er eigens aus dem Naturkundemuseum in Stuttgart ein Vogelpräparat ausgeliehen.
Oberbürgermeister Michael Lang freut sich über den Erfolg der Vogelfreunde. „Das Projekt dient dem Naturschutz in der Stadt. Deshalb danke ich allen, die sich in den Dienst der guten Sache stellen“, sagt OB Lang.
(Pressemitteilung: Landesgartenschau Wangen im Allgäu)