In Europa toben Waldbrände. Tausende Einsatzkräfte sind in Griechenland, Frankreich und Spanien im Einsatz, um die riesigen Feuer zu bekämpfen. Wie hoch ist die Gefahr für den Landkreis Ravensburg und wie gut sind die Feuerwehren darauf vorbereitet?
Die anhaltende Hitzewelle und Trockenheit in Europa setzen Mensch und Natur zu. Zahlreiche Wald- und Vegetationsbrände halten die Feuerwehren in Atem. Auch in der Region um Ravensburg und den Bodensee brennt es immer wieder auf landwirtschaftlichen Flächen. Der Kreisbrandmeister des Landkreises Ravensburg, Oliver Surbeck, sieht die Städte und Gemeinden gut auf etwaige Einsatzlagen vorbereitet. „Der Landkreis Ravensburg ist kein klassisches Waldbrandgebiet, wie wir es beispielsweise aus Teilen Nord- und Ostdeutschlands oder aktuell aus Südeuropa kennen. Unsere Waldstrukturen und klimatischen Rahmenbedingungen sind andere“, sagt der erfahrene Feuerwehrmann. Aber trotz der vergleichsweise guten Bedingungen für den Landkreis solle man sich laut Surbeck auf jeden Fall an das Rauchverbot im Wald halten, Hinweise des Forstamtes beachten und auf einen sorgsamen Umgang mit offenem Feuer achten. „Auch im Landkreis Ravensburg ist bei Trockenheit große Umsicht erforderlich“, ist er überzeugt.
Eine besondere Gefahr für die Region seien jedoch Vegetations- und Flächenbrände, die ebenfalls drastische Dimensionen annehmen und für hohe Sachschäden sorgen können. Am vergangenen Donnerstag brannte es in Bad Wurzach auf einem landwirtschaftlichen Feld. Dort konnte das Feuer vergleichsweise schnell unter Kontrolle gebracht und gelöscht werden. „Es zeigt sich bei solchen Einsätzen immer wieder, wie wertvoll die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft ist“, sagt Kreisbrandmeister Oliver Surbeck, der sich bei dem Brand am Donnerstag auch ein Bild der Lage verschaffte. Häufig kommen bei solchen Bränden, wie auch in Bad Wurzach, Drohnen zum Einsatz, die vom Landkreis in den Gemeinden Baindt und Wangen im Allgäu stationiert und von den örtlichen Feuerwehren betrieben werden. Auch das Technische Hilfswerk hält etwaige Drohnen vor, auf die man im Einsatzfall zurückgreifen kann. Laut Surbeck erleichtere dies den Einsatzleitern bei Vegetations- und Flächenbränden, sich eine Übersicht aus der Vogelperspektive zu verschaffen.

Doch nicht jeder Brand geht so glimpflich aus wie jener in Bad Wurzach. Für größere Vegetations- und Flächenbrände haben Gemeinden und Städte im Kreis bereits viel Geld in die Hand genommen, um entsprechendes Gerät anzuschaffen. „Unsere Kommunen im Landkreis Ravensburg kommen dieser Aufgabe sehr verantwortungsvoll nach“, so Surbeck, der dabei auch insbesondere den Gemeinderäten und Bürgermeistern dankt. Auch der Landkreis habe bereits zwei weitere große Unimog-Fahrzeuge für etwaige Flächenbrände, aber auch für Hochwasserlagen angeschafft. Diese sind inHorgenzell und Amtzell stationiert, die beiden neuen Unimogs folgen laut Surbeck in Bad Wurzach und Argenbühl.
In langwierigen und großen Einsatzlagen könne man zudem auf Hubschrauber der Polizei oder der Bundeswehr zurückgreifen. Ein Einsatz dieser Mittel benötige aber häufig Zeit. „Man darf allerdings nicht glauben, dass ein Löschhubschrauber auf Knopfdruck innerhalb weniger Minuten zur Verfügung steht. Ein solcher Einsatz benötigt Vorbereitung: geeignete Wasserentnahmestellen müssen festgelegt und abgesichert, Flugbewegungen koordiniert und gegebenenfalls beispielsweise Badegewässer durch Einsatzkräfte der DLRG gesichert werden“, erklärt Surbeck.
Warum jene Brände für die Einsatzkräfte so gefährlich sind
Auch wenn Waldbrände im Ausmaß wie in Südeuropa für den Landkreis Ravensburg als eher unwahrscheinlich gelten, stellen Vegetations- und Flächenbrände für die Einsatzkräfte eine mitunter große Gefahr dar. Mit der Schutzausrüstung und hohen Außentemperaturen sind diese Einsatzlagen mit einer hohen körperlichen Belastung für Feuerwehrleute verbunden. Flüssigkeitsmangel, kilometerlange Schlauchleitungen und dynamische Brandentwicklungen aufgrund vonWind und Topografie sind dabei besondere Gefahren, sagt Surbeck. Umso wichtiger sei es, die Einsatzkräfte dabei zu beobachten und auch Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen, wenn sich Einsatzlagen verändern.
Damit die Einsatzkräfte auf diese dynamischen Einsatzlagen auch gut vorbereitet sind, werden Schulungen und Fortbildungen auf den verschiedenen Ebenen der Behörden umgesetzt. Auch ein Erfahrungsaustausch unter den Feuerwehren und über die Landkreisgrenzen hinaus sei für Surbeck ein bereits gut funktionierender und wichtiger Part dabei.

„An erster Stelle denke ich tatsächlich an die Einsatzkräfte vor Ort.“
Wenn man die Bilder aus Südeuropa sieht, treibt Kreisbrandmeister Oliver Surbeck besonders ein Gedanke um: „Ich wünsche den Kolleginnen und Kollegen vor Ort, dass sie ihren Auftrag erfüllen können und anschließend alle gesund zu ihren Familien zurückkehren.“
Er habe großen Respekt vor deren Arbeit. Unter großen Gefahren arbeiten haupt- und ehrenamtliche Feuerwehrleute am Boden und in der Luft daran, Menschen, Ortschaften und Naturflächen in den betroffenen Ländern zu schützen. Allein in Frankreich brannten seit Jahresbeginn bereits 116.000 Hektar. Zum Vergleich: Der Landkreis Ravensburg macht eine Fläche von rund 163.000 Hektar aus.
Surbeck erinnert in der deutschen Feuerwehrgeschichte an das Jahr 1975, als bei der größten Waldbrandkatastrophe Deutschlands in der Lüneburger Heide (Niedersachsen) sieben Menschen, darunter fünf Feuerwehrleute, starben. Rund 13.000 Hektar Wald wurden von den Flammen zerstört und viele Menschen verloren ihr Zuhause.
Für den Landkreis Ravensburg und die Region gilt die höchste Waldbrandstufe (Stand 31.07.2026). Wer etwa ein Feuer oder Rauch im Wald bemerkt, soll umgehend den Notruf 112 informieren.