Rund 500 Aussteller, Zehntausende Besucher und ein fester Platz im Veranstaltungskalender der Region: Die Oberschwabenschau ist seit 1965 ein wichtiger Treffpunkt für Verbraucher, Landwirtschaft und Unternehmen. Doch nach dem Beschluss des Ravensburger Gemeinderates, die Oberschwabenhalle in eine Sporthalle umzubauen, steht die Veranstaltung vor großen Veränderungen. Veranstalter Stephan Drescher im Interview.
Während die Vorbereitungen für die diesjährige Ausgabe auf Hochtouren laufen, beschäftigt eine andere Frage bereits viele Aussteller: Wie geht es mit der Oberschwabenschau ab 2029 weiter? Der Ravensburger Gemeinderat hat im Juli 2026 den Umbau der Oberschwabenhalle ab 2029 beschlossen. Für die Ravensburger Veranstaltungsgesellschaft mbH (RVG), die die Oberschwabenschau veranstaltet, bedeutet das eine drastische Veränderung der bisherigen Rahmenbedingungen.
RVG-Geschäftsführer Stephan Drescher spricht im Interview mit dem WOCHENBLATT über die Stimmung unter den Ausstellern, die Zukunft der Messe und erste Überlegungen für die Zeit ab 2029.
Keine Wehmut vor der diesjährigen Messe
Von Wehmut angesichts der bevorstehenden Veränderungen will Drescher derzeit nichts wissen. „Für Wehmut wäre gerade die total falsche Zeit“, sagt er. Sein Team befinde sich mitten in der heißen Phase der Messevorbereitung.
„Da ist viel zu tun. Für uns als Team eine ganz intensive Phase, sehr lebendig und energiereich“, beschreibt Drescher die Tage vor dem Messebeginn. Das Team habe den sprichwörtlichen „Messe-Virus“ und genieße diese intensive Zeit. Die Vorfreude auf die Oberschwabenschau 2026 sei entsprechend groß. „Wir freuen uns alle sehr auf die aktuelle Oberschwabenschau, denn die wird richtig gut“, sagt der Geschäftsführer.
Auch die kommenden beiden Jahre sollen zunächst noch unter den bekannten Bedingungen stattfinden. „2027 und 2028 folgen noch zwei weitere Messen in der vertrauten Form am angestammten Ort, und auch die gehen wir frohen Mutes an.“
Aussteller sorgen sich um ihren Marktplatz
Trotz der Vorfreude beschäftigt die Zukunftsfrage die RVG bereits jetzt. Drescher berichtet von zahlreichen Gesprächen mit Ausstellern, die wissen wollen, wie es nach 2028 weitergeht.
„Tatsächlich verbringen wir etliche Zeit mit Fragen zur Zukunft unserer Messen“, sagt er. Gleichzeitig kursierten derzeit zahlreiche Gerüchte. Nicht alle Informationen, die im Umlauf seien, entsprächen dem aktuellen Stand.
Die Stimmung unter den Ausstellern beschreibt Drescher als gemischt. Vor allem von regionalen Ausstellern bekomme die RVG „viel Unverständnis und auch Bestürzung“ über die Entscheidung des Gemeinderats mit.
Viele machten sich Sorgen und fragten sich, wie es künftig weitergehen könne. Das gelte auch für die Partner aus dem Agrarbereich. „Sie und auch unsere Partner aus dem Agrar-Bereich haben jetzt Angst um ihren Marktplatz – diesen besonderen Marktplatz, den ihnen die Oberschwabenschau nun jahrzehntelang geboten hat“, sagt Drescher.
Auch aus anderen Bereichen erreichten die Veranstaltungsgesellschaft entsprechende Rückmeldungen. „Unverständnis und Frust hören wir außerdem auch von vielen Kulturschaffenden und aus dem Netzwerk der Veranstalter, die jetzt auf uns zukommen.“
Drescher selbst wolle die Entscheidung möglichst sachlich betrachten. „Das ist eine Entscheidung des Gemeinderats und als solche zu akzeptieren.“ Gleichzeitig sei die RVG bereits damit beschäftigt, sich auf die Veränderungen ab 2029 einzustellen.
„Erlauben Sie mir an dieser Stelle bitte, freundlich zu schweigen“
Zur politischen Debatte, die dem Beschluss des Gemeinderats vorausging, hält sich Drescher zurück. Auf die Frage, ob sich die RVG als Veranstalter ausreichend in die Diskussion einbezogen gefühlt habe, wie sie die Entscheidung bewerte und inwiefern sie selbst auf die Debatte Einfluss genommen habe, antwortet er: „Erlauben Sie mir an dieser Stelle bitte, freundlich zu schweigen.“
Wie die Oberschwabenschau künftig aussehen könnte
Wie genau die Messe ab 2029 aussehen wird, lässt sich derzeit allerdings noch nicht sagen. Nach Angaben Dreschers fehlen dafür wichtige Grundlagen.
„Dazu können wir aktuell noch nichts Belastbares sagen“, erklärt er. Zunächst müsse die Planung der Stadtverwaltung für das Gelände neben der Oberschwabenhalle bekannt sein. Diese gebe es derzeit noch nicht.
Diese Planung werde entscheidend dafür sein, welche Möglichkeiten die RVG für die Veranstaltungen ab 2029 habe. Deshalb wolle man sich mit konkreten Aussagen zurückhalten. „Wir wollen die aktuelle Lage nicht mit weiteren Gerüchten befeuern“, sagt Drescher. Stattdessen wolle die Veranstaltungsgesellschaft auf belastbare Informationen warten und anschließend selbst mit konkreten Plänen an die Öffentlichkeit gehen.
In Medienberichten war bereits darüber spekuliert worden, ob die Oberschwabenschau künftig nach Weingarten oder Friedrichshafen ausweichen könnte. Das schloss Drescher in einem Interview mit der „Schwäbischen Zeitung“ aus. Mit der Stadt Ravensburg wolle man bis Mitte 2027 eine Lösung finden.
Eine Leichtbauhalle für die Wintermessen
Einen Punkt kann Drescher allerdings bereits nennen: Auch künftig soll es eine Halle für die Wintermessen geben. „Wir werden dafür ein Zelt aufstellen lassen, genauer gesagt eine Leichtbauhalle“, erklärt der RVG-Geschäftsführer.
„Am allerliebsten auf dem Gelände neben der Oberschwabenhalle, so dass die Messen an ihrem angestammten Ort bleiben.“ Sollte das künftig nicht möglich sein, habe die RVG bereits andere Lösungen im Blick.
Die Oberschwabenschau 2026 setzt auf Bewährtes – und Neues
Während die langfristige Zukunft also noch offen ist, konzentriert sich die RVG derzeit auf die nächste Ausgabe der Oberschwabenschau.
Die Messe ist seit 1965 fester Bestandteil des Ravensburger Veranstaltungskalenders. Mit rund 500 Ausstellern und etwa 62.000 Besuchern gehört sie zu den großen regionalen Verbrauchermessen im Südwesten. Landwirtschaft, Handel, Handwerk, Dienstleistungen und verschiedene Themen rund um das Leben in der Region prägen das Angebot.
2026 wartet die Messe zudem mit einem besonderen Programmpunkt auf: Die Gesichter der ZDF-Serie „Tschappel“ kommen live auf die Oberschwabenschau. Am Freitag, 16. Oktober, um 16 Uhr soll die Film-Crew auf der Bühne Einblicke in die neue Staffel geben und Geschichten hinter den Kulissen erzählen. Staffel 2 der beliebten Serie wird 2027 erscheinen. Das WOCHENBLATT berichtete über die Dreharbeiten in Zußdorf (Landkreis Ravensburg).
Für Drescher und sein Team steht damit zunächst die aktuelle Messe im Mittelpunkt. Die Frage, wie es danach weitergeht, bleibt dagegen offen.