Nach dem größeren Polizeieinsatz im Bereich der Waldbesetzung im Altdorfer Wald äußern sich nun die dort aktiven Klimaaktivisten zu den Ereignissen. Sie berichten von wiederholten Konflikten mit Motorradfahrern, Sachbeschädigungen, Feuerwerkskörpern, Hakenkreuz-Schmierereien und Drohanrufen. Die Polizei hat auf Nachfrage des WOCHENBLATTs nun eingeordnet, welche Vorgänge ihr aus der Vergangenheit bekannt sind.
Am 27. September war es gegen 19.20 Uhr auf der L317 zwischen Oberankenreute und Wolfegg, in unmittelbarer Nähe der Waldbesetzung, zu einer Auseinandersetzung gekommen. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Ravensburg wurden zwei 17-jährige Jugendliche als Geschädigte festgestellt. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung und Diebstahls. Tatverdächtige konnten bislang nicht ermittelt werden.
Unterschiedliche Schilderungen zum Vorfall am Sonntag
Die Polizei bestätigte, dass es in der Nähe der Waldbesetzung zu einer strafrechtlich relevanten Auseinandersetzung kam. Zwei 17-jährige Jugendliche wurden als Geschädigte festgestellt. Ermittelt wird wegen Körperverletzung und Diebstahls.
Einer der Jugendlichen schilderte gegenüber einem WOCHENBLATT-Reporter, dass er und sein Begleiter mit einem 125er-Motorrad im Bereich der Baustelle unterwegs gewesen seien. Die beiden Jugendlichen seien von mehreren Personen gestoppt worden, die teilweise Stöcke in der Hand gehalten hätten. Anschließend seien die beiden von ihren Motorrädern gezogen und körperlich angegriffen worden. Außerdem sei seinem Freund etwas entwendet worden. Eines der Motorräder wurde bei dem Angriff beschädigt, woraufhin Öl ausgelaufen war.
Bekannter Aktivist war während des Vorfalls im Baumcamp
Samuel Bosch, ein bekannter Aktivist der Waldbesetzung, erklärt gegenüber dem WOCHENBLATT, dass er sich zum Zeitpunkt des Vorfalls im Baumcamp aufgehalten und dort gearbeitet habe. Er habe die Auseinandersetzung selbst nach eigenen Angaben nicht beobachtet.
Nach seiner Einschätzung könnte der Vorfall jedoch mit Konflikten zusammenhängen, die es aus Sicht der Aktivisten bereits seit längerer Zeit mit Motorradfahrern gebe.
Zum Zeitpunkt des Polizeieinsatzes habe in der Waldbesetzung ein Workshop stattgefunden. Zuvor und während des Workshops seien mehrere Motorräder auf der gesperrten Straße und auf Waldwegen auf und ab gefahren. Schließlich seien die Fahrer mit laut aufheulenden Motoren bis zum Eingang der Waldbesetzung gekommen, sagt Bosch.
Ob diese Motorradfahrer mit der späteren Auseinandersetzung in Zusammenhang stehen, ist derzeit nicht geklärt.
Polizei kennt Auseinandersetzung mit Mopedfahrern aus dem vergangenen Jahr
Nach Angaben von Bosch habe sich seit diesem Sommer eine Gruppe von Motocross- und Motorradfahrern aus dem Bereich Unterankenreute, Oberankenreute und Hintermoos wiederholt im Umfeld der Waldbesetzung aufgehalten. Die Aktivisten werfen dieser vermeintlichen Gruppe unter anderem Provokationen und Sachbeschädigungen vor.
Auf Nachfrage des WOCHENBLATTs teilte Polizeisprecher Christian Sugg mit, dass der Polizei eine Auseinandersetzung mit Mopedfahrern aus dem vergangenen Jahr bekannt sei. Eine Verbindung zu dem Einsatz am vergangenen Sonntag gebe es jedoch nicht.
Feuerwerkskörper: Polizei ist Vorfall aus dem Jahr 2021 bekannt
Auch beim Thema Feuerwerkskörper gibt es einen zeitlich deutlich zurückliegenden polizeilich bekannten Vorgang.
Aktivist Samuel Bosch berichtet, dass aus Sicht der Aktivisten mehrfach bei hoher Waldbrandgefahr Feuerwerkskörper in Richtung der Baumhäuser und in das Unterholz abgefeuert worden seien.
Die Polizei teilte hierzu mit, dass ihr eine Meldung über Feuerwerkskörper aus dem Jahr 2021 bekannt sei.
Damit bestätigt die Polizei, dass vor fünf Jahren eine entsprechende Meldung gab. Einen aktuellen Vorfall mit Feuerwerkskörpern, wie ihn die Aktivisten für die jüngere Vergangenheit schildern, bestätigt die Polizei dagegen nicht.
Aktivisten berichten auch von Hakenkreuz-Schmierereien und Drohanrufen
Darüber hinaus berichtet Klimaaktivist Samuel Bosch von Hakenkreuz-Schmierereien im Bereich der Waldbesetzung. Die Aktivisten sehen darin mögliche Hinweise auf die Motivation hinter den Vorfällen.
Nach Angaben von Bosch habe es im Zusammenhang mit den Konflikten mehrfach Drohanrufe gegeben. Dabei seien Aktivisten beleidigt und bedroht worden.
Besonders schockierend sei für die Gruppe ein Anruf bei einem älteren Aktivisten gewesen. Dabei habe ein Anrufer behauptet, dessen Sohn sei getötet worden. Die Behauptung habe sich anschließend als falsch herausgestellt.
Die aktuelle Polizeiauskunft macht deutlich, dass es rund um die Waldbesetzung bereits in der Vergangenheit polizeilich bekannte Vorgänge gab.
Die weiteren von den Aktivisten geschilderten Vorfälle – darunter aktuelle Sachbeschädigungen, Hakenkreuz-Schmierereien und Drohanrufe – wurden bei der Polizei nach derzeitigen Informationen nicht angezeigt.
Die Ermittlungen zu den Vorfällen dauern an.