Das Radverkehrsnetz in Ravensburg wächst weiter und umfasst inzwischen rund 184 Kilometer. Neue Verbindungen schließen Lücken, weitere Projekte sind bereits geplant.
Mit der Hermann-Vogler-Brücke über die Wangener Straße und der neuen Verbindung zwischen Schwanenstraße und Escher-Wyss-Straße wurden 2026 zwei wichtige Netzlücken geschlossen. Gleichzeitig befinden sich weitere Vorhaben in Planung.
Die neue Hermann-Vogler-Brücke verbindet seit ihrer Eröffnung die Oststadt mit dem Mühlenviertel sowie die Lumper Höhe mit der Innenstadt. Radfahrende können dort die stark befahrene Wangener Straße queren und ohne größere Umwege in Richtung Veitsburgstraße, St. Christina und Innenstadt gelangen. Die Brücke ist ein zentraler Baustein des Radverkehrskonzepts des Gemeindeverbands Mittleres Schussental. Rund 70 Prozent der Kosten wurden durch das Land gefördert.
Neue Verbindung am Schussenpark
Auch am Schussenpark wurde das Netz erweitert. Die neue Geh- und Radwegeverbindung zwischen Schwanenstraße und Escher-Wyss-Straße ist freigegeben. Dadurch ist der Weg zum Schussenpark, zum Bahnhof und in die Innenstadt direkter geworden. Die Erschließungsstraße im Schussenpark wurde außerdem als Fahrradstraße ausgebaut. Neue Fahrradabstellanlagen im Bahnhofsumfeld ergänzen das Angebot.
Das Ravensburger Radverkehrsnetz umfasst aktuell rund 184 Kilometer. Bereits heute führen verschiedene durchgängige Routen aus den Stadtteilen und dem Umland in die Innenstadt. Entlang der Schussen besteht beispielsweise eine nahezu durchgehende Verbindung von Weißenau über den Schussenpark und Ravensburg bis nach Niederbiegen und Baindt. Sie verläuft überwiegend abseits stark befahrener Straßen.
Zwischen Ravensburg, Weingarten, Baienfurt und Baindt gibt es ebenfalls eine zusammenhängende Verbindung, die insbesondere von Pendlerinnen und Pendlern genutzt wird. In Richtung Grünkraut wurde das Netz zuletzt durch den neuen Radweg entlang der B 32 zwischen Grünkraut-Eggwald und Bodnegg-Rotheidlen erweitert.
Radschnellverbindung RS 9 soll Kommunen verbinden
Bei größeren Verbindungen arbeitet Ravensburg mit den weiteren Kommunen im Gemeindeverband Mittleres Schussental sowie dem Bodenseekreis zusammen. Das gemeinsame Radverkehrskonzept des GMS umfasst ein Netz von rund 362 Kilometern.
Eine zentrale Rolle soll künftig die Radschnellverbindung RS 9 spielen. Die rund 29 Kilometer lange Strecke soll Friedrichshafen über Meckenbeuren, Ravensburg, Weingarten und Baienfurt mit Baindt verbinden und insbesondere für Alltags- und Berufswege eine Alternative zum Pkw bieten. Derzeit wird die Ausschreibung der Vorplanung für die Gesamtstrecke vorbereitet.
Für die Planung stehen Fördermittel von Bund und Land Baden-Württemberg zur Verfügung. Der spätere Ausbau wird durch das Land über das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz unterstützt. Gefördert werden können unter anderem Radwege, Fahrradstraßen, Querungshilfen, Knotenpunktumbauten und Fahrradabstellanlagen. Die Förderquote liegt grundsätzlich bei bis zu 50 Prozent, bei besonders klimafreundlichen Maßnahmen sind bis zu 75 Prozent möglich.
Mehr als 2.000 Radfahrende gezählt
Verkehrszählungen zeigen, wie stark einige der bestehenden Verbindungen genutzt werden. An mehreren Straßen und Kreuzungen wurden mehr als 1.000 Radfahrende pro Tag gezählt. An der Meersburger Brücke und am Goetheplatz waren es während der Zählungen sogar mehr als 2.000 täglich – mit steigender Tendenz.
Zu den stark genutzten Verbindungen gehören unter anderem die Gartenstraße, die Seestraße und Tettnanger Straße sowie die Bahnhofstraße. Drei fest installierte Zählstellen liefern regelmäßig Daten zum Radverkehr. Seit 2023 kommen zusätzlich mobile, KI-basierte Verkehrszähler zum Einsatz. Sie erfassen verschiedene Verkehrsteilnehmende und ermöglichen eine detaillierte Analyse der Verkehrsströme.
Bestehende Strecken sollen verbessert werden
Noch entsprechen nicht alle Radverkehrsanlagen den aktuellen Standards. Teilweise sind Wege zu schmal, teilweise wird der Radverkehr an Knotenpunkten noch nicht ausreichend berücksichtigt. Neben neuen Verbindungen steht deshalb auch der schrittweise Um- und Ausbau bestehender Strecken an.
Weitere Vorhaben befinden sich bereits in Planung. Dazu gehören die Radverkehrsführung im Zuge der Alfons-Maurer-Straße, die Ortsmitte Oberhofen und eine Querungshilfe an der Wangener Straße. Auch weitere Abschnitte der Radschnellverbindung RS 9 zählen zu den geplanten Maßnahmen.
Wie schnell einzelne Projekte umgesetzt werden können, hängt von den verfügbaren finanziellen und personellen Ressourcen sowie den örtlichen Rahmenbedingungen ab. Innerorts stellen häufig die Platzverhältnisse eine Herausforderung dar, im Außenbereich kommen Fragen des Grunderwerbs hinzu.
Der Ausbau der Radinfrastruktur bleibt damit eine kontinuierliche Aufgabe. Neben neuen Verbindungen und dem Schließen von Netzlücken sollen bestehende Strecken weiter verbessert werden. Die Zusammenarbeit im Mittleren Schussental soll dazu beitragen, das Radverkehrsnetz in Ravensburg und darüber hinaus schrittweise weiterzuentwickeln.
(Quelle: Stadt Ravensburg)