Wie geht es mit der Oberschwabenklinik (OSK) weiter? Nachdem der Landkreis Ravensburg eine Markterkundung zur künftigen strategischen Ausrichtung des Klinikverbunds gestartet hat und dazu vertrauliche Gespräche mit möglichen Partnern aus dem Gesundheitswesen führt, äußert sich nun OSK-Geschäftsführer Dr. Jan-Ove Faust zu den aktuellen Herausforderungen und den geplanten Veränderungen innerhalb der Klinikgesellschaft.
Im Gespräch mit dem WOCHENBLATT macht Faust deutlich, dass die strategische Ausrichtung der OSK beim Landkreis als Träger liegt. Die Unternehmensleitung sei in den Prozess eingebunden und bringe ihre Expertise ein.
„Die strategische Ausrichtung der OSK ist die Aufgabe des Landkreises als Träger. Der Landkreis nimmt diese Aufgabe frühzeitig und verantwortungsvoll wahr“, erklärt Faust. „Wie die OSK langfristig aufgestellt werden soll, entscheidet aber letztlich der Landkreis.“
Faust formuliert zugleich das Ziel der Geschäftsführung: „Wir konzentrieren uns darauf, die OSK medizinisch stark und wirtschaftlich möglichst gut aufzustellen.“
23,19 Millionen Euro Fehlbetrag
Die wirtschaftliche Situation der OSK bleibt dabei eine zentrale Herausforderung. Für das Geschäftsjahr 2025 weist die Klinikgesellschaft einen Fehlbetrag von 23,19 Millionen Euro aus.
Faust sieht insbesondere bei den internen Abläufen Ansatzpunkte. „Entscheidend ist, dass wir unsere Prozesse insgesamt verbessern und unsere vorhandenen Ressourcen besser nutzen.“
Ein Ansatzpunkt liegt dabei bei der Dokumentation und Abrechnung. „Jetzt müssen wir darauf achten, dass wir für die Leistungen, die wir erbringen, auch die entsprechenden Erlöse erzielen“, sagt Faust. „Deshalb setzen wir unter anderem bei der Dokumentation und Abrechnung an.“
Gleichzeitig nehme die Geschäftsführung die Kosten genau in den Blick und prüfe, wo die OSK wirtschaftlicher werden könne.
Schwierige Rahmenbedingungen für Krankenhäuser
Faust sieht die wirtschaftlichen Probleme allerdings nicht ausschließlich innerhalb der OSK. „Die Rahmenbedingungen sind für Krankenhäuser schwierig und werden durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz noch herausfordernder.“
Das Gesetz werde zusätzliche finanzielle Belastungen bringen. Wie hoch diese für die OSK konkret ausfallen werden, könne derzeit noch nicht gesagt werden.
Auf die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen habe ein einzelnes Krankenhaus nur begrenzten Einfluss. „Deshalb müssen wir uns auf die Bereiche konzentrieren, die wir selbst beeinflussen können.“
Auch könne die OSK nicht davon ausgehen, dass Defizite dauerhaft von anderer Seite ausgeglichen würden. „Deshalb müssen wir unsere eigenen Strukturen und Abläufe verbessern und wirtschaftlicher werden.“
Gleichzeitig verweist Faust auf die besonderen Rahmenbedingungen eines Krankenhauses: „Wir haben einen Versorgungsauftrag und müssen zahlreiche Vorgaben bei Vergütung und Qualität erfüllen.“
Trotzdem gebe es Bereiche, in denen die OSK selbst ansetzen könne. „Und genau das tun wir.“
Was ist mit AMEOS?
Eine mögliche Zusammenarbeit mit dem privaten Krankenhausbetreiber AMEOS war bereits im Zusammenhang mit der Diskussion über die Zukunft der OSK thematisiert worden. Konkret geht es dabei um das AMEOS Klinikum Friedrichshafen.
Auf die Frage des WOCHENBLATT, welche Synergien zwischen dem Klinikum Friedrichshafen und der OSK genutzt werden könnten, zeigt sich Faust grundsätzlich offen für Kooperationen.
„Entscheidend ist für uns der Auftrag, die Menschen in der Region gut medizinisch zu versorgen. Wo eine Zusammenarbeit medizinisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, beiden Seiten nutzt und vor allem die Versorgung der Menschen verbessert, sind wir offen für Kooperationen“, erklärt der OSK-Geschäftsführer.
Das gelte „selbstverständlich auch für das Klinikum Friedrichshafen“. Gleichzeitig stellt Faust klar: „Konkrete Projekte gibt es aber nicht.“
Damit bestätigt die Geschäftsführung grundsätzlich ihre Offenheit für eine Zusammenarbeit mit dem Klinikum Friedrichshafen. Ein konkretes gemeinsames Vorhaben zwischen OSK und AMEOS gibt es nach Angaben von Faust derzeit jedoch nicht.
Kapazitätsmanagement soll zentral gesteuert werden
Gleichzeitig stehen innerhalb der OSK bereits konkrete Veränderungen an. Einen Wirtschaftsplan erstellt die Klinikgesellschaft nach Angaben von Faust jedes Jahr routinemäßig. Veränderungen hätten bereits begonnen.
„Wir haben die Unternehmensleitung neu aufgestellt und verstärken die betriebswirtschaftliche Steuerung, um auf die geänderten Rahmenbedingungen umfassend reagieren zu können.“
Ein wichtiger Schwerpunkt ist dabei das neue Kapazitätsmanagement. Künftig sollen die klinischen Kapazitäten stärker über eine zentrale Stelle gesteuert werden, die direkt Faust unterstellt ist.
Damit sollen Engpässe früher erkannt, vorhandene Möglichkeiten besser genutzt und die Abläufe besser aufeinander abgestimmt werden.
Gleichzeitig sollen Kosten und Erlöse konsequenter in den Blick genommen werden.
„Unser Ziel ist, die OSK schneller, effizienter und schlagkräftiger aufzustellen“, sagt Faust.
Grundsatzentscheidung des Landkreises steht noch aus
Damit laufen bei der OSK derzeit zwei Entwicklungen parallel: Der Landkreis prüft die langfristige strategische Ausrichtung des Klinikverbunds. Gleichzeitig arbeitet die Geschäftsführung an den Bereichen, die sie selbst beeinflussen kann.
Ob daraus letztlich eine Kooperation mit einem anderen Krankenhaus, eine strukturelle Veränderung oder eine andere Form der Zusammenarbeit entsteht, ist weiterhin offen.
Die laufende Markterkundung soll zunächst verschiedene Optionen beleuchten. Eine Richtungsentscheidung des Landkreises wird nach den bisherigen Angaben voraussichtlich nicht vor Anfang 2027 erwartet.
Für die OSK bedeutet das: Die grundsätzliche Entscheidung über ihre langfristige Ausrichtung liegt beim Landkreis. Die Geschäftsführung arbeitet unterdessen an der wirtschaftlichen und organisatorischen Weiterentwicklung des Klinikverbunds. Ob und in welcher Form dabei künftig mit anderen Akteuren des Gesundheitswesens zusammengearbeitet wird, bleibt offen. Für AMEOS gilt nach der aktuellen Auskunft von Faust: Eine Kooperation mit dem Klinikum Friedrichshafen ist grundsätzlich vorstellbar – konkrete Projekte gibt es derzeit aber nicht.
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