Wie geht es mit der Oberschwabenklinik weiter? Ein internes Schreiben von OSK-Geschäftsführer Dr. Jan-Ove Faust, das dem WOCHENBLATT vorliegt, gibt neue Einblicke. Demnach führt der Landkreis vertrauliche Gespräche mit möglichen Partnern aus dem Gesundheitswesen.
In dem Schreiben informiert Faust die Mitarbeiter über den aktuellen Stand der Überlegungen zur Zukunft der Klinikgesellschaft. Dabei stellt der Geschäftsführer ausdrücklich klar: „Der Prozess ist ergebnisoffen.“ Entscheidungen über konkrete Maßnahmen oder Partner seien bislang nicht getroffen worden. Dr. Jan-Ove Faust hatte am 1. September die Geschäftsführung der OSK übernommen.
Damit wird konkreter, was hinter den bislang öffentlich diskutierten Überlegungen zur künftigen Ausrichtung der OSK steht.
OSK vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen
Die Oberschwabenklinik steht wirtschaftlich unter erheblichem Druck. Nach Angaben der Geschäftsführung lag der Jahresfehlbetrag 2025 bei 23,2 Millionen Euro. Auch für die kommenden Jahre seien erhebliche finanzielle Belastungen absehbar. Mit dem Fehlbetrag bewegt sich die Oberschwabenklinik jedoch in einem üblichen Geschäftsumfeld. 2025 schrieben laut DKI-Krankenhausbarometer rund 70 Prozent aller Krankenhäuser in Deutschland rote Zahlen. Auch Privatkliniken sind mit Preissteigerungen und einem sich verändernden Geschäftsumfeld konfrontiert, berichtet der Bundesverband Deutscher Privatkliniken e.V.
Als Belastungen nennt die OSK unter anderem steigende Personal-, Energie- und Sachkosten, den Fachkräftemangel sowie strukturelle Defizite bei der Krankenhausfinanzierung. Hinzu kommen die Veränderungen durch die Krankenhausreform und weitere regulatorische Entwicklungen.
Der Landkreis Ravensburg prüft deshalb gemeinsam mit der OSK verschiedene Handlungsoptionen, wie das Unternehmen medizinisch und wirtschaftlich dauerhaft tragfähig aufgestellt werden kann.

Vertrauliche Gespräche mit möglichen Partnern
Besonders relevant ist dabei die sogenannte Markterkundung. Nach Angaben von Faust werden verschiedene Handlungsoptionen für die zukünftige Ausrichtung der OSK betrachtet und bewertet.
Dazu führt der Landkreis gemeinsam mit der OSK laut dem internen Schreiben „vertrauliche Sondierungsgespräche mit Partnern aus dem Gesundheitswesen“. Dabei würden mögliche Formen der Zusammenarbeit sowie deren Chancen und Herausforderungen erörtert.
Welche Unternehmen oder Einrichtungen konkret an diesen Gesprächen beteiligt sind, geht aus der Mitarbeiterinformation nicht hervor.
Auch lässt sich aus dem Schreiben nicht ableiten, dass bereits über einen Verkauf, eine Beteiligung oder eine Privatisierung entschieden worden wäre. Im Gegenteil: Faust betont mehrfach, dass der Prozess ergebnisoffen sei. Wie realistisch eine Privatisierung der OSK ist lässt sich derzeit nicht sagen – vielmehr aber, dass sich ein solcher Prozess als sehr schwierig darstellen würde.
Nach millionenschweren Investitionen von Steuergeldern in die OSK, dürfte zumindest in vielen politischen Kreisen eine eher verhaltene Stimmung gegenüber einer Privatisierung stehen.
MCB-Übernahme war gescheitert
Die aktuellen Überlegungen stehen auch im Zusammenhang mit der gescheiterten Übernahme des Medizin Campus Bodensee (MCB) durch die OSK. Anfang September hatte das WOCHENBLATT deshalb bei Politikern aus der Region nachgefragt, welche Perspektiven sie für die OSK sehen und ob sie eine mögliche Privatisierung befürchten.
Landrat Harald Sievers hatte mit Blick auf die schwierige Situation der Krankenhäuser betont, dass sich die Krankenhauslandschaft nach den politischen und finanziellen Veränderungen ohnehin in einem schwierigen Fahrwasser befinde. Bei der Neuausrichtung der OSK verwies er auf die zuständigen Gremien aus Aufsichtsrat, Kreistag und Mitarbeiterschaft.
Die Grünen-Landtagsabgeordnete Anna Wiech, die auch Mitglied des OSK-Aufsichtsrats und Kreisrätin ist, sprach sich für eine sachliche und fundierte Diskussion über die strategische Ausrichtung aus. Unterschiedliche Möglichkeiten müssten offen miteinander besprochen werden. Entscheidend sei eine tragfähige Lösung, die medizinisch sinnvoll sei und die Versorgung der Menschen langfristig sichere.
CDU-Landtagsabgeordnete Antje Rommelspacher betonte, eine mögliche Kooperation mit dem privaten Krankenhausbetreiber AMEOS dürfe nicht zulasten der kommunalen OSK gehen. Sie vertraue auf Aufsichtsrat und Kreistag, eine für Bevölkerung und kommunale Finanzen tragfähige Lösung zu finden.
Deutlicher gegen eine Privatisierung positionierte sich CDU-Kreisrat August Schuler. Er sagte dem WOCHENBLATT: „Die OSK muss und soll in den bewährten kommunalen Händen bleiben. Die Privatisierung sehe ich als CDU-Kreisrat nicht als Option.“
Schuler verwies zugleich auf die wirtschaftlichen Herausforderungen der OSK und nannte unter anderem die Senkung der jährlichen Defizite, die Sanierung und den Neubau des OSK-Klinikums in Wangen sowie die Zusammenarbeit mit dem Bodenseekreis und dem Landkreis Lindau als zentrale Aufgaben.
Noch keine Veränderungen für Standorte und Beschäftigte
Die laufende Markterkundung bedeutet nach den Angaben in der internen Mitarbeiterinformation zunächst keine unmittelbaren Veränderungen an den OSK-Standorten Ravensburg, Wangen und Bad Waldsee. Über konkrete Maßnahmen oder Veränderungen sei bislang nicht entschieden worden.
Auch für Beschäftigte, Patienten, bestehende Versorgungsangebote und die Standorte der OSK gebe es derzeit keine unmittelbaren Veränderungen.
Die Ergebnisse der Markterkundung sollen zunächst ausgewertet und anschließend dem Kreistag zur weiteren Beratung vorgelegt werden.
Entscheidung frühestens Anfang 2027
Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse soll der Kreistag über das weitere Vorgehen und die zukünftige Ausrichtung der OSK beraten. Eine entsprechende Richtungsentscheidung wird laut der Mitarbeiterinformation voraussichtlich nicht vor Anfang 2027 erwartet.
Erst danach würde gegebenenfalls ein konkretes Verfahren zur Weiterverfolgung einer der geprüften Varianten beginnen.
Damit bleibt derzeit offen, welchen Weg die Oberschwabenklinik künftig einschlagen wird. Fest steht nach dem internen Schreiben der Geschäftsführung jedoch: Der Landkreis und die OSK prüfen verschiedene Optionen und führen dazu vertrauliche Gespräche mit potenziellen Partnern aus dem Gesundheitswesen. Eine Entscheidung über einen konkreten Partner oder eine bestimmte Struktur ist bislang nicht getroffen.
Die Oberschwabenklinik äußerte sich auf telefonische Anfrage vorerst nicht zu den Vorgängen. Man wolle Ende September mit weiteren Informationen an die Öffentlichkeit gehen, so OSK-Pressesprecher Christian Metz. Das WOCHENBLATT berichtete als erstes Medium über das interne Schreiben.
Mitarbeiter sollen informiert werden
Dass die laufenden Gespräche und Überlegungen innerhalb der OSK Fragen und Sorgen auslösen können, ist auch der Geschäftsführung bewusst. In seinem Schreiben an die Mitarbeiter erklärt Faust, dass nicht alle Inhalte der laufenden Sondierungsgespräche unmittelbar veröffentlicht werden könnten.
Über wesentliche Entwicklungen und Entscheidungen wolle die OSK die Beschäftigten informieren, sobald belastbare Informationen vorliegen und veröffentlicht werden können. „Die Zukunft der OSK betrifft uns alle. Deshalb wollen wir den weiteren Prozess verantwortungsvoll, transparent und mit dem klaren Ziel gestalten, die Gesundheitsversorgung im Landkreis langfristig zu sichern“, sagt Faust in seinem Schreiben an die Belegschaft. Rund 3.300 Mitarbeiter arbeiten bei dem Klinikverbund.