In vier Landkreisen der Region wurden zuletzt deutlich weniger Wohnungen in neuen Eigenheimen gebaut als 2020 bis 2022. Laut Studie gingen dadurch 315,4 Millionen Euro Umsatz verloren.
Am stärksten fällt der Rückgang im Landkreis Biberach aus. Dort entstanden im vergangenen Jahr 303 Wohnungen in neu gebauten Ein- und Zweifamilienhäusern. Von 2020 bis 2022 waren es im Schnitt noch 607 Wohnungen pro Jahr.
Auch in den anderen untersuchten Landkreisen gingen die Zahlen zurück: Im Landkreis Ravensburg sank die Zahl von durchschnittlich 445 auf 311 Wohnungen, im Landkreis Tuttlingen von 227 auf 125 und im Bodenseekreis von 239 auf 176.
Die Zahlen stammen aus einer regionalen Wohnungsmarkt-Untersuchung des Pestel-Instituts. Sie ist Teil der Studie „Soziale Aspekte des Wohneigentums“, die das Forschungsinstitut im Auftrag der Schwäbisch Hall-Stiftung „bauen – wohnen – leben“ erstellt hat.
Millionenverluste für regionale Wirtschaft
Nach Angaben des Pestel-Instituts hat der Rückgang beim Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern erhebliche Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft. Die errechneten Umsatzverluste unterscheiden sich deutlich:
- Landkreis Biberach: 162,1 Millionen Euro
- Landkreis Ravensburg: 71,4 Millionen Euro
- Landkreis Tuttlingen: 53,7 Millionen Euro
- Bodenseekreis: 28,2 Millionen Euro
Betroffen seien vor allem Bauunternehmen sowie Handwerker, Architekten und Planer. „Insgesamt hängt daran aber noch mehr: Das fängt beim Grundstückskauf an und geht bis zum letzten Pinselstrich im Haus, bis zum Anpflanzen von Bäumen und Büschen im Garten“, erläutert Matthias Günther, Chef-Ökonom des Pestel-Instituts.
Vor allem 25- bis 45-Jährige betroffen
Nach Einschätzung von Mike Kammann, Vorsitzender des Kuratoriums der Schwäbisch Hall-Stiftung „bauen – wohnen – leben“ und Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall, betrifft die Entwicklung vor allem die 25- bis 45-Jährigen. Wohneigentum sei selbst bei einem durchschnittlichen Einkommen oft nur noch mit Unterstützung der Familie möglich, beispielsweise durch ein vorgezogenes Erbe. Aus der „Nestbauer-Generation“ drohe eine „Generation Miete“ zu werden.
Kammann fordert deshalb Gegenmaßnahmen: „Wohneigentum darf nicht zum Luxus werden. Genau da muss jetzt etwas passieren: Die Eigentumswohnung, das Reihenhaus, das Einfamilienhaus – die Menschen, die bereit sind, dafür zu arbeiten und zu sparen, müssen sich die eigenen vier Wände auch wieder leisten können“.
Pestel-Institut fordert Wohneigentumsplan
Das Pestel-Institut fordert eine stärkere staatliche Förderung und einen „Wohneigentumsplan des Bundes“. Dieser müsse mindestens auf Länderebene – und damit auch für Baden-Württemberg – Quoten als Zielmarken für die künftige Wohneigentumsentwicklung vorgeben. Davon sollten nach Vorstellung des Instituts auch Haushalte mit mittleren Einkommen profitieren.
Günther verweist dabei auf das frühere Baukindergeld: „Da hat jeder Förder-Euro 3,70 Euro an staatlichen Einnahmen nach sich gezogen – von der Umsatz- und Lohnsteuer auf dem Bau bis zur Grunderwerbsteuer. Dass der Bund ein Programm, das erfolgreich gelaufen ist, eingestellt hat, sorgt in der Branche für Kopfschütteln“, so Günther.
Das Pestel-Institut und die Schwäbisch Hall-Stiftung sehen Wohneigentum zudem als Faktor für die Altersvorsorge und soziale Sicherheit. Mehr Wohneigentum entlaste außerdem den angespannten Mietmarkt. Der Mangel an Wohnraum werde zunehmend zum Hindernis bei der Anwerbung spezialisierter Fachkräfte und damit zur Wachstumsbremse.
Die Wissenschaftler des Pestel-Instituts formulieren als langfristiges Ziel: „Der Bund muss langfristig das Ziel verfolgen, Baden-Württemberg und ganz Deutschland mehrheitlich vom Mieter- zum Eigentümerland zu machen.“
(Quelle: Schwäbisch Hall-Stiftung „bauen – wohnen – leben“)