Die Oberschwabenklinik baut die Zentrale Notaufnahme in Ravensburg aus. Mehr Räume, zusätzliches Personal und neue Abläufe sollen die steigende Zahl an Notfallpatienten bewältigen.
Die Zahl der medizinischen Notfälle in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) des St. Elisabethen-Klinikums Ravensburg ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Um die Versorgung auch künftig sicherzustellen, entwickelt die Oberschwabenklinik die Notaufnahme organisatorisch, personell und räumlich weiter.
Patientenzahlen steigen deutlich
Im Jahr 2025 wurden in der Zentralen Notaufnahme rund 46.000 Patientinnen und Patienten behandelt. Auf Grundlage der Zahlen des ersten Halbjahres rechnet die Oberschwabenklinik für 2026 mit rund 52.000 Patientenkontakten. Nach der Schließung der Notaufnahme des Krankenhauses Tettnang Ende Mai 2026 beschleunigte sich diese Entwicklung zusätzlich.
Bereits ab etwa 30 gleichzeitig anwesenden Patientinnen und Patienten stoßen die bisherigen Behandlungskapazitäten an ihre Grenzen. In Spitzenzeiten befinden sich jedoch bis zu 65 Patientinnen und Patienten gleichzeitig in der Zentralen Notaufnahme. Dadurch müssen Behandlungskapazitäten außerhalb der regulären Bereiche geschaffen werden. Fachleute sprechen dabei von sogenanntem Overcrowding. Eine solche Überlastungssituation sei auf Dauer weder für Patientinnen und Patienten noch für die Mitarbeitenden zufriedenstellend.
„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten unter teilweise sehr hoher Belastung hervorragende Arbeit“, sagt Dr. Alexander Pohle, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme Ravensburg. „Gleichzeitig zeigt die Entwicklung der vergangenen Monate und Jahre deutlich, dass die bisherigen Strukturen an ihre Grenzen stoßen. Deshalb müssen wir die Zentrale Notaufnahme jetzt weiterentwickeln – organisatorisch, personell und räumlich. Unser Ziel ist es, die Abläufe weiter zu verbessern und auch künftig eine schnelle und sichere Versorgung aller Notfallpatientinnen und -patienten sicherzustellen.“
Mehr Untersuchungsplätze und neue Abläufe
Die Weiterentwicklung erfolgt in zwei Schritten. Zum 1. Oktober 2026 werden Teile der bisherigen Kurzliegerstation C01 in die Zentrale Notaufnahme integriert. Dadurch entstehen sechs zusätzliche Untersuchungs- und Monitorplätze, sechs weitere Beobachtungsbetten sowie zusätzliche Triagekapazitäten. Die Räume werden technisch entsprechend ausgestattet und vollständig in die Abläufe der ZNA eingebunden.
Parallel dazu werden die organisatorischen Abläufe angepasst. Künftig sollen Patientinnen und Patienten der höchsten Dringlichkeitsstufen (Rot und Orange nach dem Manchester-Triage-System) direkt in den Schock- beziehungsweise Reanimationsbereich triagiert werden und nicht mehr ausschließlich über den bisherigen Triageraum des Rettungsdienstes. Gleichzeitig wird die Kapazität der Triageplätze für Rettungsdienstpatientinnen und -patienten der Dringlichkeitsstufen Gelb und Grün verdoppelt.
Die räumliche Erweiterung wird durch einen personellen Ausbau der Zentralen Notaufnahme begleitet.
In einem zweiten Schritt soll zum 1. Oktober 2027 die bisherige Station C01 vollständig in die Zentrale Notaufnahme integriert werden.
„Unsere Notaufnahmen übernehmen eine immer größere Verantwortung für die Gesundheitsversorgung der Region“, sagt Prof. Dr. Oliver Rentzsch, Ärztlicher Direktor der Oberschwabenklinik. „Mit der Weiterentwicklung der Zentralen Notaufnahme Ravensburg investieren wir gezielt in zusätzliche Behandlungskapazitäten, moderne Abläufe und mehr Personal. Davon profitieren unsere Patientinnen und Patienten ebenso wie unsere Mitarbeitenden.“
Klinik sieht Defizite bei der Finanzierung
Nach Angaben der Oberschwabenklinik ist der Ausbau der Zentralen Notaufnahme für die Versorgung der Bevölkerung notwendig. Gleichzeitig verweist das Krankenhaus auf strukturelle Probleme bei der Finanzierung der Notfallversorgung. Notaufnahmen müssten rund um die Uhr Personal, Räume, Diagnostik und Behandlungskapazitäten vorhalten. Diese Vorhaltekosten seien jedoch nicht ausreichend gegenfinanziert.
„Wir werden auch künftig jeden Menschen versorgen, der unsere Hilfe benötigt. Das ist unser Auftrag“, sagt Geschäftsführer Franz Huber. „Die Weiterentwicklung der Zentralen Notaufnahme Ravensburg ist deshalb für die Gesundheitsversorgung der Region unverzichtbar. Gleichzeitig zeigt sie aber auch ein grundsätzliches Problem unseres Finanzierungssystems: Jede zusätzliche Patientin und jeder zusätzliche Patient verbessert zwar die medizinische Versorgung der Region, verschärft wirtschaftlich jedoch die ohnehin angespannte Situation der Krankenhäuser. Die notwendigen Vorhaltekosten einer Notaufnahme werden bis heute nicht kostendeckend finanziert.“
Im Jahr 2025 versorgten die drei Notaufnahmen der Oberschwabenklinik – die Kindernotaufnahme Ravensburg, die Zentrale Notaufnahme Ravensburg und die Zentrale Notaufnahme Wangen – gemeinsam 76.532 medizinische Notfälle.
(Quelle: OSK)