Der Kreisausschuss befasst sich in öffentlicher Sitzung mit der Online-Petition „Wir brauchen wieder ein Krankenhaus im Westallgäu“. 4.546 Menschen unterstützen die Initiative, die nach der Schließung der Rotkreuzklinik in Lindenberg entstanden ist.
In seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 5. März 2026, berät der Kreisausschuss des Landkreises Lindau (Bodensee) über die Petition zur Krankenhausversorgung im Westallgäu. Die Initiative war Anfang Februar auf der Plattform Change.org gestartet und am 21. Februar an Landrat und Landkreis übergeben worden.
Sorgen nach Klinik-Schließung
Die Schließung der Rotkreuzklinik in Lindenberg habe bei vielen Bürgerinnen und Bürgern Sorgen und Ängste ausgelöst, heißt es aus dem Landratsamt. Landrat Elmar Stegmann betont: „Den Wunsch nach einer verlässlichen und wohnortnahen, medizinischen Versorgung kann ich voll und ganz nachvollziehen.“
Gleichzeitig verweist der Landkreis auf tiefgreifende Veränderungen in der bundesweiten Krankenhauslandschaft. Medizinischer Fortschritt ermögliche zunehmend ambulante Behandlungen oder kürzere Klinikaufenthalte. Zudem steigen Spezialisierungsanforderungen und Qualitätsvorgaben. Hinzu komme ein erheblicher Fachkräftemangel im ärztlichen und pflegerischen Bereich. Diese Entwicklungen setzen insbesondere kleinere Krankenhausstandorte unter Druck.
Gutachten sieht Bündelung als Lösung
Bereits zuvor hatte der Landkreis ein Gutachten zur künftigen Krankenhausstruktur in Auftrag gegeben. Demnach hätte eine zukunftsfähige Versorgung in einer Zusammenführung der Standorte Lindenberg, Lindau und Wangen in einem gemeinsamen Haus bestanden. Personal hätte gebündelt, Spezialisierungen ermöglicht und die Versorgungsqualität langfristig gesichert werden können.
Nach dem Rückzug des Landes Baden-Württemberg wird nun geprüft, wie durch verstärkte Kooperationen bestehender Kliniken das Angebot weiter gesichert und verbessert werden kann.
Ein zusätzliches Krankenhaus im Westallgäu – etwa am früheren Standort der Rotkreuzklinik – würde nach Einschätzung des Landkreises weder die angespannte Personalsituation berücksichtigen noch ausreichend Fallzahlen erreichen, um eine nachhaltige und qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen. Es bestünde vielmehr die Gefahr neuer Doppelstrukturen.
Ambulante Versorgung im Fokus
Parallel zur stationären Versorgung arbeitet der Landkreis an einem Konzept für eine nachhaltige ambulante Gesundheitsversorgung. Geplant ist unter anderem die Einrichtung mindestens eines hausärztlichen Medizinischen Versorgungszentrums in Lindenberg, um offene Hausarztsitze zu besetzen und die wohnortnahe Versorgung zu stärken.
Zudem ist eine Anlaufstelle für akute, nicht lebensbedrohliche Fälle mit erweiterten Öffnungszeiten vorgesehen. Ziel sei es, stationäre und ambulante Angebote besser zu verzahnen und die medizinische Versorgung im Westallgäu langfristig zu sichern.
Beratung am 5. März
Der Kreisausschuss tagt am Donnerstag, 5. März 2026, um 14:30 Uhr im Sitzungszimmer 332 in der Bregenzer Straße 35 in Lindau (Bodensee). Insgesamt wurden mit der Petition 4.546 Unterschriften eingereicht. Knapp 2.000 davon stammen aus dem Landkreis Lindau (Bodensee), rund 500 aus der Stadt Lindau sowie den Gemeinden im Einzugsgebiet der Asklepios Klinik Lindau. Weitere Stimmen verteilen sich bundesweit, eine Unterschrift kommt aus Wien.
(Quelle: Landratsamt Lindau, Bodensee)