Es hat schon eine lange Tradition, das sogenannte „Schülergespräch“ als grenzüberschreitendes Angebot für Schülerinnen und Schüler aus der Region, unter ihnen auch die der HTL Dornbirn, anlässlich der Lindauer Nobelpreisträgertagung.
Die Schülerinnen und Schüler bekommen so die einmalige Gelegenheit, einen waschechten Nobelpreisträger im kleinen Rahmen persönlich kennenzulernen und ihn mit Fragen zu löchern.
In diesem Jahr war Nobelpreisträger Stefan Hell, in Vertretung des ursprünglich geplanten Benjamin List, an der Reihe.
Hell stellte sich bei seinem Vortrag rasch als absolut unkompliziert und keinesfalls zu fachmännisch, eher fast „hemdsärmlig“ heraus.
Gelernter Physiker erhält den Chemie-Nobelpreis
Schmunzeln löste bei den jungen Zuschauern seine Erkenntnis aus, dass er selbst nicht genau wusste, warum ihm, als gelerntem Physiker der Nobelpreis für Chemie zuerkannt worden war. Er gestand, dass er heutzutage beim Abitur wohl durch jede Chemie-Prüfung fallen würde.
Hell langweilte in seinem Vortrag nicht mit technischen Details, sondern punktete eher mit Erzählungen aus seinem Berufsleben und den Erkenntnissen aus seiner Forschungsarbeit.
Weltweite Bekanntheit erlangte Hell vor allem durch die Entwicklung hochauflösender optischer Mikroskope jenseits der Beugungsgrenze (STED-Mikroskop). 2014 wurde ihm zusammen mit Eric Betzig und William Moerner der Nobelpreis für Chemie verliehen.
Ehrgeiz, immer einen Schritt weiter zu gehen
Angetrieben von der Neugier und dem Ehrgeiz, als wissenschaflich unverrückbar geltende Gesetze ( z.B. von Ernst Abbe aus Jena zum Ende des 19. Jahrhunderts) in Frage zu stellen und einen Schritt weiter zu gehen, gelang es ihm, die Leistungsfähigkeit althergebrachter Lichtmikroskope deutlich zu verbessern und damit in bisher nie gekannte winzige Sphären vorzudringen.
So konnten bislang unsichtbare Molekülstrukturen in sehr gute Auflösung sichtbar gemacht werden. Angetrieben von der Motivation, den Beweis zu erbringen, dass es besser geht, als lange Zeit angenommen.
Tiefenauflösung von Lichtmikroskopen wesentlich verbessert
Von 1991 bis 1993 arbeitete Hell im Heidelberger Hauptlabor des European Molecular Biology Laboratory. Es gelang ihm hier, das Prinzip der 4Pi-Mikroskopie praktisch zu demonstrieren und die Tiefenauflösung wesentlich zu verbessern.
Hell war anschließend ab 1993 als Gruppenleiter an der Universität Turku in Finnland angestellt, und zwar in der Abteilung für Medizinische Physik, wo er das Prinzip der STED-Mikroskopie (STED: Stimulated Emission Depletion) entwickelte.
Seine Habilitation für Physik erfolgte 1996 wiederum in Heidelberg. Im darauf folgenden Jahr wurde er Leiter einer Nachwuchsgruppe am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, die im Bereich optische Mikroskopie forschte.
Heute arbeitet und forscht er am Max.Planck-Institut in Göttingen und Heidelberg.
Hell: „Beharrlichkeit zahlt sich irgendwann aus“
Lange Zeit tat er sich mit seinen Forschungsergebnissen schwer, in einschlägigen Fachkreisen Fuß zu fassen. Aber seine Beharrlichkeit zahlte sich aus. Heute sind seine hochauflösenden Lichtmikroskope weltweit gefragt.
Nach seinem Erfolgsrezept gefragt, nannte er die Neugier und den Ehrgeiz, zu beweisen, dass Dinge möglich sind, die bislang unmöglich erschienen.
Als ihn 2014 die Nachricht erreichte, dass ihm der Nobelpreis für Chemie zuerkannt wurde, löste das dem gelernten Physiker erst mal Staunen aus. Aber oftmals sind die Grenzen zwischen den Wissenschaften fließend. Dazu gehört zweifelsohne auch die Fähigkeit, bestimmte Molekularstrukturen sichtbar zu machen.
Nobelpreis nicht überschätzen
Gleichzeitig überraschte er die Zuhörer mit der Erkenntnis, dass man einen Nobelpreis nicht überschätzen dürfe. Natürlich habe sich sein Leben danach verändert. Die Forschungsbedingungen und die dafür erforderlichen Finanzmittel seien deutlich besser geworden. Das öffentliche Interesse sei sprunghaft angestiegen.
Für die Zukunft erhofft er sich, dass es in einem Zeitraum von bis zu fünf Jahren gelingen möge, die Entwicklungszeiten für bestimmte Medikamente deutlich zu verringern und damit auch bezahlbar zu machen.
China kann uns bei der wissenschaftlichen Forschung den Rang ablaufen
Angesprochen auf die Entwicklung in den USA unter Präsident Trump sah er neben diversen gravierenden Fehlentwicklungen (insbesondere beim Gesundheitswesen) auch positive Tendenzen. Er war sich aber auch sicher, dass China der restlichen Welt bei der Forschung den Rang ablaufen werde, wenn nicht insbesondere hierzulande mehr Ressourcen ausgeschöpft würden, die zweifelsohne vorhanden seien.
Seine Credo war abschließend, dass unser Wohlstand hierzulande nur durch wissenschaftlichen Fortschritt gesichert werden könne.