Der Landkreis Lindau erweitert die App-basierte Ersthelferalarmierung und hat inzwischen 40 Feuerwehrdienstleistende dafür geschult. Ziel ist es, bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand die Zeit bis zum Beginn einer Wiederbelebung zu verkürzen.
Bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand entscheidet oft jede Minute über die Überlebenschancen. Noch bevor der Rettungsdienst eintrifft, können qualifizierte Ersthelfende über die App der „Region der Lebensretter“ alarmiert werden und unmittelbar mit lebensrettenden Maßnahmen beginnen.
40 Feuerwehrdienstleistende bereits geschult
Der Landkreis Lindau stärkt dieses System der präklinischen Notfallversorgung kontinuierlich. Nach einer Schulung am 12. Mai im Feuerwehrhaus Weißensberg und einer weiteren am 1. Juli in Weiler wurden inzwischen insgesamt 40 Feuerwehrdienstleistende ausgebildet. Sie engagieren sich freiwillig zusätzlich zu ihrem regulären Feuerwehrdienst als Ersthelfende.
Organisiert wurden die Schulungen von der Gesundheitsregion⁺ Landkreis Lindau gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK), der Kreisbrandinspektion Lindau und der Region der Lebensretter. Die praktische Ausbildung übernahmen Roman Gaißer vom Bayerischen Roten Kreuz sowie Thomas Kaleja von der Gesundheitsregion⁺. Den theoretischen Teil gestaltete Nick Traenkle von der Region der Lebensretter.
Erste Einsätze kurz nach der Ausbildung
Wie wichtig die Vorbereitung ist, zeigte sich bereits nach einer früheren Schulung im April. Nur wenige Tage später wurden erste ausgebildete Feuerwehrdienstleistende zu einem Reanimationseinsatz alarmiert und konnten ihr Wissen unmittelbar in der Praxis anwenden.
Landrat Elmar Stegmann unterstützt das Projekt auch persönlich: „Ich selbst bin von der Region der Lebensretter überzeugt und auch Teil dieses Netzwerks. Ich habe bereits mehrere Einsätze miterlebt und dabei gesehen, was dieses Projekt im Ernstfall bedeutet. Hier kommt Hilfe unmittelbar bei den Menschen an, die sie in diesem Moment dringend brauchen. Wenn ein geliebter Mensch nach einer Reanimation die Chance erhält, wieder zu seiner Familie zurückzukehren, dann wird spürbar, was dieses Projekt bedeutet – schnelle Hilfe im richtigen Moment, die Leben retten und Familien zusammenhalten kann. Deshalb liegt mir die Region der Lebensretter persönlich sehr am Herzen.“
Jede Minute erhöht die Überlebenschancen
Nach Angaben von Maximilian Mangold, Kreisbrandinspektor Fachbereich Ausbildung beim Kreisfeuerwehrverband Lindau (B.), ist die schnelle Alarmierung qualifizierter Helfender entscheidend: „Wenn bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand niemand mit der Wiederbelebung beginnt, geht mit jeder Minute wertvolle Überlebenschance verloren. Deshalb ist es so wichtig, dass qualifizierte Menschen aus der Nähe alarmiert werden können. Die Feuerwehrdienstleistenden sind über den gesamten Landkreis verteilt und damit oft genau dort, wo Hilfe gebraucht wird. Sie sind nah bei den Menschen, ortskundig, einsatzerfahren und bereit, Verantwortung zu übernehmen.“
Gerade im ländlich geprägten Landkreis Lindau könne die App wertvolle Zeit überbrücken, bis der Rettungsdienst den Einsatzort erreicht. Die Region der Lebensretter ergänzt dabei den Rettungsdienst sowie die bestehenden Helfer-vor-Ort-Gruppen und ist kein Ersatz für diese Strukturen.
Landkreis wirbt um weitere Ersthelfende
Roman Gaißer, Kreisgeschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Lindau, betont die Bedeutung des Projekts aus eigener Erfahrung: „Aus meiner Erfahrung im Rettungsdienst weiß ich, wie entscheidend die ersten Minuten bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sind. Gerade am Anfang ist unglaublich viel gleichzeitig zu tun. Wenn dann bereits qualifizierte Ersthelfende der Region der Lebensretter vor Ort sind und mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen haben, ist das eine enorme Hilfe. Bei den Einsätzen, die ich selbst miterlebt habe, war ich immer dankbar für diese Unterstützung. Man weiß: Da sind Menschen am Patienten, die geschult sind, die wissen, was sie tun, und die in diesen ersten Minuten einen entscheidenden Beitrag leisten können.“
Der Landkreis Lindau und die Gesundheitsregion⁺ rufen deshalb weitere qualifizierte Personen zur Registrierung auf. Angesprochen sind insbesondere Feuerwehrdienstleistende, Mitglieder von Hilfsorganisationen, des Technischen Hilfswerks (THW), der BRK-Bereitschaften, Mitarbeitende im Rettungsdienst, Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Klinikpersonal sowie weitere Menschen mit medizinischem oder rettungsdienstlichem Hintergrund.
Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann sich bei der Region der Lebensretter registrieren. Jede zusätzliche Helferin und jeder zusätzliche Helfer kann im Ernstfall dazu beitragen, die Überlebenschancen eines Menschen zu verbessern.
(Quelle: Landratsamt Lindau)