20-jähriges Jubiläum: Streuobstprojekt in Lindau ist der Renner schlechthin

Vertreter BN, Lindauer Fruchtsäfte und Streuobstbauern vor dem Tank des BUND Streuobstsaftes
Vertreter BN, Lindauer Fruchtsäfte und Streuobstbauern vor dem Tank des BUND Streuobstsaftes (Bild: BUND Naturschutz Kreisgruppe Lindau)

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Der BN-Streuobstapfelsaft, ist äußerst beliebt und wird bis München verkauft. Seit 20 Jahren wächst dieses Erfolgsprojekt stetig.

Am vergangenen Wochenende feierte der BUND Naturschutz (BN) in Lindau das 20-jährige Bestehen des Saftprojektes mit einer Festveranstaltung bei den Lindauer-Fruchtsäften. Die Gäste, Streuobstbauern des Projekts, Landrat Elmar Stegmann, Stadtrat Daniel Obermayer, und Aktive des BN wurden bei Betriebsbesichtigung über die Verarbeitung der Streuobstäpfel informiert und zu einem Austausch bei einer guten Brotzeit geladen.

Klaus Widemann und seine Mitarbeiter von den Lindauer Fruchtsäften freuten sich mit der BN-Vorstandschaft über die vielen Gäste.

Die für zwei Nachmittage geplanten Führungen durch die Streuobstwiesen in Scheidegg und Schönau mussten wegen des schlechten Wetters abgesagt werden.

Führung durch die Betriebsanlage der Lindauer Fruchtsäfte.
Führung durch die Betriebsanlage der Lindauer Fruchtsäfte. (Bild: BUND Naturschutz Kreisgruppe Lindau)

15 Landwirte, die 18,4 Hektar Streuobstwiese mit 624 Bäumen bewirtschafteten, hatten das Projekt 2003 zusammen mit dem BN begonnen. Damals wurden 61 Tonnen Äpfel zu 53000 Litern Saft von den Lindauer Fruchtsäften GmbH in Lindau gepresst. Diese Kooperation mit der Firma war eine wichtige Voraussetzung fürs Gelingen.

Denn Produktion und Vermarktung liegt in deren Händen und kann nur von einem erfahrenen Akteur geleistet werden. So erhielt der Streuobstsaft aus Lindau eine hohe Prämierung bei der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG): Er erhielt die Goldmedaille für Spitzenqualität. Und schon 2004 bedachte die Fa. Zöttler das Projekt mit dem Umweltpreis. Es sei ein Leuchtturmprojekt, so die einhellige Meinung.

Landrat Stegmann, hob die besondere Bedeutung der Streuobstwiesen für das bodenseespezifische Landschaftsbild hervor und betonte die Wertschöpfung vor Ort und die Vernetzung mit den Schulen durch die jährlich durchgeführten Streuobstschulwochen des BN.

Das Saftprojekt sei aber ohne das stete Engagement von Birgit Mäckle-Jansen, Obstbaumeisterin und Aktive des BN in Lindau nicht zu denken, darin waren sich Dr. Maximilian Schuff, Kreisvorsitzender BN und Daniel Obermayer einig. 20 Jahre war sie die treibende Kraft: sie prüfte die Wiesen, betreute die Landwirte und organisierte die Apfelannahme. Leider hat sie dieses Jubiläum nicht mehr erlebt, in diesem Frühjahr ist sie nach langer Krankheit verstorben.

Obermayer wies darüber hinaus auch auf die Bedeutung einer vielfältigen Landschaft für die Bewältigung der Herausforderung des Klimawandels hin. Streuobstwiesen könnten aber nur erhalten werden, wenn es sich für die Bauern auch lohne, so der Lindauer Stadtrat.

In den vergangenen Jahren wuchs das Projekt auf inzwischen 128 beteiligte Streuobstbauern an. Diese bewirtschaften etwa 70 Hektar Fläche mit über 2200 Hochstammapfelbäumen. Im Rekordjahr 2019 wurden 570 Tonnen erstklassige und saftig süße Streuobstäpfel abgegeben und direkt von der Lindauer Bodensee-Fruchtsäfte gepresst, so Klaus Widemann von den Lindauer Fruchtsäften. Nicht immer konnten solche Mengen verarbeitet werden, der Klimawandel mache es auch im Streuobstanbau den Akteuren nicht leicht. Frühe Blüte begleitet von Nachtfrösten und trockene Sommer setzen den Bäumen zu.

„Wo gibt es denn gute Bäume, ich will auf meiner Wiese nachpflanzen?“, so lautete die häufige Frage der Bauern an den BN. Um diesen Bedarf nach Hochstammbäumen alter Sorten zu decken, initiierte der BN regelmäßig Sammelbestellungen und vermittelte in den letzten 20 Jahren weit über 2000 neue Bäume im ganzen Landkreis. Birgit Mäckle-Jansen legte stets Wert auf ein breites Sortenangebot. Es kommen alte und moderne Obstsorten zum Zug, die robust, wuchsfreudig und für die verschiedenen Lagen vom See bis ins Allgäu geeignet sind. Mittlerweile findet die Hochstammsammelbestellung alle zwei Jahre statt, die nächste kommt im Herbst 2024.

Flankierend wurde in den vergangenen Jahren auch viel Öffentlichkeitsarbeit für die ökologische Bedeutung der Streuobstwiesen im Landkreis gemacht. Jedes Jahr werden 200-400 Schulkinder auf die Streuobstwiese eingeladen und erfahren wie Ökologie und Ökonomie regional vorankommen können. Auf vielen Ausstellungen und mit Vorträgen war die Kreisgruppe des BN in Sachen Streuobst unterwegs, ein besonders wichtiger Meilenstein war auch die Entwicklung der Streuobstwanderweg im Landkreis, die sich höchster Beliebtheit erfreuen. Hier steht eine Aktualisierung der Wege an, die nächster Zeit erfolgen soll.

Mit dem Beginn des Apfelsaftprojektes vor 20 Jahren erarbeitete sich die Kreisgruppe Lindau des BN eine derart hohe fachliche Expertise in Sachen Streuobst, dass sie nun auch im Rahmen des Streuobstpaktes von der bayerischen Staatsregierung für viele weitere Streuobstprojekte gefördert werde, so Claudia Grießer, Geschäftsführerin des BN.

In den kommenden vier Jahren sollen weitere Streuobstwiesen erhalten, gepflegt und ausgebaut werden, wertvolle Bestände kartiert und der Wiedehopf – eine Charakterart der Streuobstwiese – im Landkreis wieder angesiedelt werden. Auch die Aktualisierung der Wanderwege falle in dieses Projekt.

Damit kommt auf die BN-Kreisgruppe Lindau eine große Aufgabe in den nächsten Jahren zu, die Claudia Grießer aber gerne übernehmen wird. Die Kooperation mit allen Akteuren zum Thema Streuobst im Landkreis liegt ihr dabei besonders am Herzen. Streuobstmanagerin Leonie Funke von der Regierung von Schwaben, der Landschaftspflegeverband und Gartenfachberater Bernd Brunner gehören da an vorderster Stelle dazu.

„Wir stehen vor großen Herausforderungen in den nächsten Jahren. Unser landschaftsprägender Streuobstanbau ist klimawandelbedingt sehr gefährdet und muss unbedingt weiterentwickelt werden; höchst Zeit, dass wir Dank des Streuobstpaktes hier endlich vorankommen können“, so Diplombiologin Claudia Grießer.

(Pressemitteilung: BUND Naturschutz Kreisgruppe Lindau)