Wohnen im Alter: Was die Senioren möchten – Ergebnisse der Umfrage des Seniorenbeirates

Wohnen im Alter: Was die Senioren möchten – Ergebnisse der Umfrage des Seniorenbeirates
Der Seniorenbeirat engagiert sich aktiv für die Interessen der älteren Menschen in Friedrichshafen. Wichtig war ihm die Umfrage „Leben im Alter“, deren Ergebnis in der vhs Friedrichshafen vorgestellt wurde. Von links: Gerlinde Krauthause, Tanja Abele (Beauftragte für Familien und Senioren der Stadt Friedrichshafen), Dorothea Enkelmann, Margarete Bröcker, Eugen Lippus, Monka Seif, Angelika Lacher-Föhr, Bernhard Poten und Günter Marotzke. (Bild: Stadt Friedrichshafen)

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Wo drückt die Senioren der Schuh? Wie leben sie, was wünschen sie sich? Um das zu ermitteln, hatte der Seniorenbeirat eine Befragung zum „Wohnen im Alter“ durchgeführt.

Die Ergebnisse wurden nun im Rahmen des Vortrages von Michaela Groß „Mein Zuhause in allen Lebenslagen: Vordenken.Mitdenken.Umdenken“ vorgestellt. Rund 50 interessierte Senioren kamen dazu in die vhs Friedrichshafen.

Bürgermeister Andreas Hein begrüßte die Gäste und bedankte sich beim Seniorenbeirat für das besondere Engagement: „Sie haben Interesse, dass diese Stadt lebenswert bleibt. Wichtig ist es, dass sich alle Altersgruppen einbringen können. Durch die Ergebnisse der Umfrage haben wir als Stadt Impulse bekommen, was die ältere Generation sich wünscht und braucht“.

Insgesamt beteiligten sich 514 Senioren an der Umfrage. Die Seniorenbeiräte waren in den Ortschaften und an verschiedenen Stellen in der Innenstadt unterwegs, um Senioren zu befragen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Unabhängigkeit im Alter – das wünschten sich viele Senioren, auch wenn die Betreuung oft nicht einfach zu organisieren ist. Der Form des Wohnens im Ruhestand kommt dabei eine große Bedeutung zu.

16 Fragen zum Thema Wohnen im Alter umfasste der Fragebogen. Er befasste sich mit der aktuellen Wohnsituation der Senioren, ob sie in der bisherigen Wohnung verbleiben wollen, sowie den damit verbundenen Wünschen, Bedarfen und Problemstellungen. Konkret wurde auch nach der benötigten Infrastruktur und den gerne in Anspruch genommenen Hilfen gefragt. Auch sind die Senioren bereit, andere selbst zu unterstützen.

Die Erhebung erfolgte mittels Papierfragebogen: zum einen im persönlichen Gespräch bei verschiedenen Terminen, zum anderen konnte der Fragebogen im Rathaus abgeholt und zuhause ausgefüllt werden.

27,4 Prozent der Befragten waren älter als 78 Jahre, 25,3 Prozent zwischen 71 und 76 Jahren, 23,3 Prozent zwischen 63 und 70 Jahren sowie 22,6 Prozent jünger als 62 Jahre. Unter den Umfrageteilnehmenden waren 62,3 Prozent weiblich und 35,8 Prozent männlich.

Die Mehrheit der befragten Senioren, genauer gesagt 61,3 Prozent oder 315 Personen, lebt aktuell in einer Wohnung. 94 Senioren (18,3 Prozent) gaben an, dass sie in einem Einfamilienhaus leben. Fast ebenso viele Personen (18,8 Prozent oder 97 Personen) wohnen derzeit in einem Doppel- oder Reihenhaus.

Die Mehrheit der Befragten, 59,9 Prozent, gibt an, dass es sich bei dem Haus oder bei der Wohnung um Eigentum handelt. Die Umfrage ergab auch, dass 16,7 Prozent der Teilnehmenden seit 56 Jahren bis 65 Jahren in Friedrichshafen leben. Die durchschnittliche Wohndauer liegt bei 54 Jahren.

Der Großteil der Befragten (30,9 Prozent) lebt in der Stadtmitte, gefolgt vom Stadtteil Fischbach mit Manzell und Spaltenstein (15,4 Prozent), der Ortschaft Ailingen (14,8 Prozent) und Friedrichshafen-Nord (12,6 Prozent).

Über die Hälfte der befragten Senioren (54,9 Prozent) wohnen derzeit in einer Wohnung oder in einem Haus, das nicht barrierefrei ist. 49,2 Prozent der Befragten gaben an, dass sie an einem Zuschuss der Stadt interessiert sind, um die Wohnung oder das Haus barrierefrei zu machen. 42,6 Prozent haben kein Interesse an bezuschussten Umbauten.

250 Teilnehmende gaben an, dass eine Alternative zur jetzigen Wohnform, das Wohnen mit Service wäre. Altersdurchmischte Wohnlagen wären für 199 der Teilnehmenden eine alternative Wohnform. 123 Teilnehmende wünschten sich eine 24-Stunden-Hilfe im eigenen Haushalt. Für 79 der Befragten ist denkbar, in einer Wohngemeinschaft zu wohnen. Und 43 Teilnehmende können sich vorstellen, zu den Kindern oder jüngeren Familienmitgliedern zu ziehen.

Besonders wichtig war den Befragten die Infrastruktur. Mit deutlichem Abstand werden Einkaufmöglichkeiten am häufigsten als besonders wichtige Infrastruktur am Wohnort genannt (483 Personen). Ärzte und Apotheken (418 Senioren) sowie Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) (395 Personen) folgen als zweit- und dritthäufigste Antworten. Die Erreichbarkeit von Bewegungsangeboten wie Seniorensport, Schwimmbad und Park ist 260 Personen wichtig. 257 Befragte sprachen sich dafür aus, dass die Erreichbarkeit von kulturellen Angeboten wie Kino, Konzert, Theater oder Volkshochschule von Bedeutung sind.

Auch bei den gewünschten Unterstützungen bezogen auf das Wohnen wie etwa im Haushalt, im Garten und im Wohnalltag allgemein, gibt es einen klaren Favoriten mit deutlichem Abstand in der Häufigkeit der Nennung: 247 Personen gaben an, gerne Hilfe bei Hausarbeiten in Anspruch zu nehmen. Am zweithäufigsten wird ein Fahrdienst genannt (189 Personen). Mit geringem Abstand sind ein Lieferservice im Einzelhandel (157 Personen), Hilfe im Garten (151 Personen), ein Reparaturdienst (143 Personen) und Schnee schippen (131 Personen) noch vergleichsweise interessante Unterstützungsangebote für die Befragten.

Grundsätzlich wollen die Senioren nicht nur Unterstützungsangebote nutzen. Sie gaben auch an, eigene Unterstützungen für die Nachbarschaft zu übernehmen. Sie würden sich gerne einbringen durch Gespräche (200 Personen), Besuchsdienste (161 Personen), Fahrdienste (147 Personen) sowie die Begleitung zu Veranstaltungen (117 Personen). Die Hilfe bei Hausarbeiten wurde 104 Mal genannt. Es folgen: Lieferservice Einzelhandel (97 Nennungen), Reparaturdienst (59 Nennungen), Hilfe bei der Gartenpflege und Schnee schippen (je 52 Nennungen). Keine eigenen Unterstützungen für die Nachbarschaft wollen 74 Personen einbringen.

Passend zur Vorstellung des Ergebnisses sprach Michaela Groß, Physiotherapeutin und Gesundheitswissenschaftlerin, zum Thema „Mein Zuhause in allen Lebenslagen: Vordenken.Mitdenken.Umdenken“. Groß erläuterte, was es heißt Vordenken, Mitdenken und Umdenken: „Wir alle können das Älterwerden nicht aufhalten. Wir können aber durch unser eigenes Dazutun den Alterungsprozess verlangsamen. Dazu gehören gesunde Lebensführung und regelmäßige Bewegung. Denn sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, körperlich und geistig fit und somit selbständig zu bleiben“. 

Es heiße nicht umsonst „Wer rastet der rostet!“ Oft, so Groß, könnten kleine Veränderungen im häuslichen Umfeld viel bewegen. Dazu zählen kleine Hilfen wie Handläufe an Treppen, um Stürze zu vermeiden. Als Fazit nannte Groß: „Man kann jederzeit etwas tun, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, in allen Lebenslagen zuhause leben zu können. Fangen Sie noch heute damit an“.

Musikalisch umrahmt wurde der Nachmittag vom Popchor 60plusminus der Musikschule Friedrichshafen. Der Popchor singt Popmusik aus den 20er Jahren bis zu aktuellen Songs. Er probt immer donnerstags ab 19 Uhr in der Musikschule Friedrichshafen. Wer Lust hat, mitzusingen, ist jederzeit herzlich willkommen. Am 6. Juli, 20 Uhr laden die Sänger in den großen Saal der Musikschule Friedrichshafen zum Konzert ein. Der Eintritt ist frei.

(Pressemitteilung: Stadt Friedrichshafen)